Im Bild: Eine Demo von Wiener Freizeitpädagogen im Juni des Vorjahres. Für Donnerstag haben zahlreiche Initiativen aus verschiedenen Bildungsbereichen für den späteren Nachmittag Proteste angekündigt.
IMAGO/SEPA.Media

Die Überschrift gemahnt an große bildungspolitische Proteste der Vergangenheit: "Im Bildungswesen brennt's". Diese aufrüttelnde Warnung, die wohl an die Uni-brennt-Bewegung vor mehr als einem Jahrzehnt erinnern soll, leuchtete am Donnerstag von Plakaten und Flugzetteln in mehreren österreichischen Städten – von Wien über St. Pölten, Graz, Steyr und Innsbruck bis Bregenz.

Rund 50 Organisationen haben den "Aktionstag Bildung" ausgerufen, um für Verbesserungen in Kindergärten, Schulen und Hochschulen zu demonstrieren. Mit an Bord sind etwa die Initiative Gemeinsame Bildung 2.0, das Netzwerk elementare Bildung Österreich (Nebö), der Behindertenrat, die Lebenshilfe und die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH). Die Initiatoren betonen ihre parteipolitische Unabhängigkeit, allerdings werden KPÖ, Neos und Wiener Grüne auf der Website als offizielle Unterstützer des Aktionstags geführt.

Linke Handschrift

Dort ist auch ein zwölfseitiges Manifest nachzulesen, das eine prononciert linke Handschrift trägt – so wird allgemein das "profitgetriebene" Gesellschaftssystem angeprangert. Das österreichische Bildungswesen brauche keine "oberflächliche Reformkosmetik", sondern einen tiefgreifenden Umbau, der mehrere Legislaturperioden beanspruchen werde. Fernziele: gemeinsame, inklusive Bildung für alle; bessere Bezahlung für Pädagogen, kleinere Gruppengrößen in den Bildungseinrichtungen sowie kinder- und elternfreundliche Öffnungszeiten.

Als konkrete Maßnahme fordert das Manifest den Ausbau der ganztägigen Betreuung in Kindergärten und Schulen, wobei alle Kinder dann auch tatsächlich in der "Kernzeit" von neun bis 15 Uhr vor Ort sein müssten, das Essen solle öffentlich finanziert werden.

Für die Ganztagsschule als Normalfall hatte am Mittwoch auch schon die neue Expertengruppe "Mehr Grips" plädiert – die Aktivisten hinter dem Aktionstag gehen jedoch einen Schritt weiter und wagen sich an ein hierzulande seit jeher heikles Thema: Sie sprechen sich klar für eine Gesamtschule aller Sechs- bis 15-Jährigen aus, derzeit scheiden sich die Wege schon am Ende der Volksschule im Alter von zehn. Zu einer Gesamtschule gehören sollen auch Kinder mit Behinderungen, deren "systematische Ausgrenzung an den Regelschulen" abgeschafft werden müsse, wie die Lebenshilfe formulierte.

Gezerre um Freizeitpädagogik

Auch an ganz aktuellen politischen Vorhaben entzündete sich am Donnerstag der Ärger von Protestierenden. Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) plant ja eine baldige gesetzliche Reform der Freizeitpädagogik. Grob gesagt geht es darum, dass sich die Freizeitpädagoginnen nicht mehr nur am Nachmittag um die Schüler kümmern, sondern sie auch am Vormittag – etwa bei Lehrausgängen – begleiten sollen. Obwohl das Ministerium der Gewerkschaft schon in einigen Punkten entgegenkam, fürchten Betriebsräte weiterhin eine Abwertung der Freizeitpädagogik. Am Donnerstag bekamen sie Rückhalt von der Arbeitgeberseite, dem Branchenverband Sozialwirtschaft Österreich: Durch gesetzliche "Schnellschüsse" seien Probleme in der Nachmittags- und Ferienbetreuung zu befürchten. (Theo Anders, 6.6.2024)