Kaum ein Google-Feature hat in den vergangenen Jahren für ähnlich viel Aufsehen gesorgt wie die "Location History" oder, wie es auf Deutsch heißt: der Standortverlauf. Denn auch wenn diese Funktion immer optional war, zeichnet sie doch alle Bewegungen der User feinsäuberlich auf, wenn sie einmal aktiviert ist. Wer die zugehörige Webseite besucht, kann sich dann gemütlich ansehen, was man in der Vergangenheit so getrieben hat. Je nach Betrachtungsweise kann das durchaus nützlich sein – oder auch ziemlich gruselig.

Es gibt eine große Privatsphärenverbesserung rund um Google Maps, die aber manche auch nerven könnte.
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In den vergangenen Jahren hat Google einige Privatsphärenverbesserungen rund um den Dienst vorgenommen. So werden die dort gespeicherten Daten mittlerweile von Haus aus nach drei Monaten entfernt, eine längere Speicherung muss explizit ausgewählt werden. Zudem drängt das Unternehmen im Gegensatz zu früheren Jahren auch nicht mehr zur Aktivierung des Services.

Lokal statt Cloud

Nun kommt der bisher größte Umbau: Der Standortverlauf wird künftig nur mehr direkt am Smartphone und nicht in der Cloud von Google gespeichert. Das hat das Unternehmen bereits vor einigen Monaten zum ersten Mal angekündigt, nun wird es aber ernst. Entsprechende Mails trudeln derzeit bei den ersten betroffenen Nutzerinnen und Nutzern ein, wie unter anderem Android Police berichtet.

Was in diesen Mitteilungen klargemacht wird: Wer seinen bisherigen Verlauf nicht verlieren will, muss nun bis zum 1. Dezember handeln. Bis dahin hat man Zeit, den Standortverlauf auf ein ausgewähltes Smartphone zu übertragen. Tut man das nicht, werden dann automatisch die vergangenen drei Monate auf dem eigenen Smartphone gesichert, der Rest geht hingegen verloren. Nach der Migration werden die Daten bei Google gelöscht, der gewohnte Zugriff über das Webinterface geht anschließend natürlich nicht mehr.

Die Motivation

Für die, die dieses Feature bewusst nutzen, ist das also ein gewisser Funktionsverlust. Aus einer Privatsphärenperspektive ist die rein lokale Speicherung hingegen ein großer Gewinn. Zwar erhebt Google auch noch auf anderen Wegen Standortinformationen, einen dermaßen detaillierten Blick auf die Bewegungen der Nutzerinnen und Nutzer hat das Unternehmen aber nicht mehr – und kann sie somit auch nicht weitergeben.

Genau das war zuletzt nämlich das zentrale Problem mit diesem Service: Gerade US-Behörden nutzen diesen Datenschatz, um im Rahmen von "Geofence Warrants" zu ermitteln, wer sich zu einem gewissen Zeitpunkt in einem gewissen Bereich aufgehalten hat. Solche Anordnungen sind zwar äußerst umstritten, Google ist aber rechtlich verpflichtet, diese Daten herauszugeben. Mit der rein lokalen Speicherung des Standortverlaufs hat Google nun einfach keine solch detaillierten Daten mehr, die man noch hergeben könnte. Zwar erhält Google über andere Dienste natürlich auch immer wieder Standortinformationen von den Usern, diese sind im Detailgrad aber nicht vergleichbar. (Andreas Proschofsky, 6.6.2024)