"Die ganze Diskussion um ein Verbot des Tragens von Messern in der Öffentlichkeit kriege ich natürlich mit. Mein Kernsortiment sind Schneidwaren aller Art. Ich verkaufe etwa wahnsinnig schöne handgemachte Messer aus Frankreich. Aber ein 500-Euro-Messer kauft niemand, der jemandem wehtun will. Es gibt dennoch Menschen, die zu mir reinkommen, denen ich kein Messer verkaufe – wenn etwas nicht passt für mich. Man merkt es, wenn jemand komisch drauf ist. Das passiert aber ganz, ganz selten. Auch wenn jemand illuminiert ist, bekommt er bei mir keine Ware. Ich gerate dennoch nie in Schwierigkeiten, weil ich zu jedem lieb bin.

Stahlwaren, Geschäft, Mann im Eingang
Stefan la Garde betreibt sein Geschäft am Beginn der Landstraßer Hauptstraße in vierter Generation.
Sascha Aumüller

Ein generelles Trageverbot finde ich schwierig. Ich kenne das aus Skandinavien, wo ich eine Zeitlang gelebt habe. Dort darf man Messer gar nicht am Körper tragen, sondern muss sie im Rucksack lassen. Ich bin aber mit Messern aufgewachsen. Ich brauche sie zum Aufschneiden von Paketen und jeden Tag für ganz viele Handgriffe. Dennoch finde ich Messerverbotszonen richtig. Auch wenn ich davon überzeugt bin, dass Gewalt an der Wurzel bekämpft gehört. Ich kann mich erinnern: Wir hatten als junge Burschen alle Feitel eingesteckt, aber niemand wäre auf die Idee gekommen, bei einem Streit das Messer zu ziehen.

Ich habe nach der Matura kurz Medizin studiert, aber recht schnell lieber gearbeitet. Anfangs war ich in der Gastrobranche aktiv, danach fasste ich zufällig Fuß in einem großen Fitnessstudio. 16 Jahre lang blieb ich in der Fitnessbranche. Dann kam irgendwann der Anruf von meinen Eltern, dass sie Ende des Jahres in Pension gehen. Das ist jetzt fast 25 Jahre her. Zwei Minuten später habe ich meinem Chef gesagt, dass ich ihn verlasse. Er hat das gar nicht lustig gefunden, aber seit Jänner 2001 stehe ich hier im Geschäft.

Pinke und blaue Kaffeekanne, Scheren
Im Geschäft gibt es "Waren aller Art" mit Schwerpunkt auf Schneidwaren.
Sascha Aumüller

Zu dieser Zeit habe ich begonnen, mit meinem Vater zu arbeiten, der mir zum Glück nie reingeredet hat. Wenn ich etwas Neues begonnen habe, hat er manchmal ungläubig geschaut und sich gewundert, aber gesagt hat er nie etwas. Begonnen mit dem Geschäft haben die Urgroßeltern gegen 1898. Das war noch in der Beatrixgasse, wo jetzt die Werkstatt ist. Der Urgroßvater ist sehr zeitig verstorben, mein Großvater 1905 auf die Welt gekommen. Er war Radrennfahrer und ist mit Ferry Dusika noch in der Steherbahn gefahren. Jeden Tag war er in der Früh Rennrad fahren und danach hat er geschliffen und gearbeitet. Meine Mutter ist Messerschmied-Meister, hat hier im Geschäft zu lernen begonnen und meinen Vater, der nebenan in einem Julius-Meinl-Markt Filialleiter war, kennengelernt. Irgendwann hat der Vater die Gesellenprüfung gemacht, und so ist es dann wieder mit dem Geschäft hier weitergegangen.

Entertainment und Nagelzwicker

Die Leute gehen wieder öfter in Fachgeschäfte. Je mehr Beratung und Entertainment da ist, desto lieber kommt der Kunde. Ich verkaufe jedenfalls genauso gern einen Nagelzwicker um vier Euro wie ein Kochmesser um 1000. Ich habe ehrlich die gleiche Freude daran – solange der, der rausgeht, auch eine Freude hat. Die Beratung und das Dasein für die Kunden sind das Wichtigste. Keine Beratung bekommt man schnell irgendwo, aber ich bin selbst gern gut beraten. Wenn ich auf einen Verkäufer treffe, der mitkriegt, was ich will, dann bin ich kein Opfer, sondern ein zufriedener Kunde. Und dann komme ich immer wieder.

Es fällt mir nie schwer, ins Geschäft zu kommen, weil es wie mein zweites Wohnzimmer ist. Wenn ich einmal weniger Umsatz mache, bin ich genauso happy. Aufs Jahr gesehen ist es zum Glück nie zu wenig Umsatz. Ich kann ganz gut leben mit meiner Familie, wir kommen über die Runden. Wie viele Kunden am Tag reinschauen? Ich gebe im Jahr ungefähr 7000 Visitenkarten her. Das heißt aber nicht, dass ich 7000 Kunden habe. Sobald jemand mit mir redet, kriegt er eine Visitenkarte. Davon kommen eben etliche wieder, sobald sie etwas brauchen. Ich würde sagen, es hat sich zwischen 20 und 40 Kunden am Tag eingependelt.

Mann mit blauem Shirt vor einer Vitrine mit Messern
La Garde hat auch feine Messer von heimischen Schmieden im Programm.
Sascha Aumüller

Ich bin kein ausgewiesener Experte für irgendetwas. Ich weiß aber einiges über die Teile, die ich verkaufe, weil sie mich interessieren. Ich habe einen Handel mit Waren aller Art. Der Kunde will etwas kriegen für seinen Anspruch und für den Geldbetrag, den er bereit ist auszugeben. Dazu will er eine kurze Erklärung, aber ganz sicher keine ganze Abhandlung über Qualität von mir hören. Ich kaufe eh nur bei Firmen, von denen ich weiß, dass ich dort eine gute Qualität bekomme. Ich verlasse mich auf die, bei denen schon meine Eltern und meine Großeltern gekauft haben. Und das passt immer.

Schmiede und Quereinsteiger

Gute Scheren sind zum Beispiel mittlerweile schwerer zu bekommen als feine Messer. Ich kenne allein in Österreich vier verschiedene Schmiede, die teilweise Quereinsteiger sind und wunderschöne Messer machen. Joaquin Prinz ist so einer. Der junge Mann war bei mir Kunde als Kochlehrling und hat jetzt umgesattelt auf Schmied. Sein Vater hat ihm eine Schmiede in Loosdorf eingerichtet. Er hilft mir auch beim Messerschleifen. Das hat bis vor einem Jahr immer wieder mein Vater übernommen. Bis er 85 wurde. Jetzt schleift er nur mehr, wenn er Lust dazu hat. Aktuell warten gut 70 Messer zum Schleifen bei mir. Wir bieten diesen Service nach wie vor an. Da verdienen wir zwar nichts mehr dran, aber die Kunden kommen deshalb wieder und erinnern sich daran, was es sonst noch alles gibt im Geschäft.

Ich würde keineswegs behaupten, dass früher alles besser und das Geschäft einfacher zu betreiben war. Meine Eltern haben es sehr schwer gehabt, als hier die U-Bahn gebaut wurde und sie sieben Jahre lang eine Schallwand vor der Tür hatten. Da ist kein Mensch reingekommen, weil auch die Gehsteige so schmal waren. Sie haben das dennoch finanziell überlebt, mit vielen Einbußen zwar. Aber der gute Standort hat sich immer bezahlt gemacht. Der war in meinen Kindheitstagen sogar sensationell. Der Großvater hatte die Bim-Linien E2, G2, H2 und den J-Wagen vor der Tür. Das war eine andere Zeit, aber meine Nachbarn mag ich auch heute. Sogar den Starbucks – bis auf seine Steuerbefreiung, aber dafür können ja die Angestellten nichts." (Sascha Aumüller, 9.6.2024)