Monthati Masebe (nicht-binär) arbeitet an der Verschmelzung südafrikanischer indigener Klänge mit elektronischer Musik.
Rudzani Makwarela

Diesmal werden die Wiener Philharmoniker mutmaßlich um die Debatte herumkommen, die mittlerweile beim Neujahrskonzert regelmäßig ausbricht. Es wird beim freitägigen Sommernachtskonzert in Schönbrunn zumindest ein Werk einer Komponistin gespielt. Unter der Leitung von Andris Nelsons erklingt unter anderem La nuit et l’amour, ein Zwischenspiel aus der symphonischen Ode Ludus pro patria der Französin mit irischen Wurzen Augusta Holmès (1847 - 1903).

An Augusta Holmes wird beim Sommernachtskonzert erinnert.
IMAGO/Bridgeman Images

Die Wiener Festwochen setzten der mangelnden Präsenz von Komponistinnen im Konzertbetrieb an diesem Wochenende aber ein konzentriertes Projekt entgegen. Am Samstag und am Sonntag wird das Klangforum Wien im im Radiokulturhaus unter dem Motto "No excuses anymore I+II" Stücke von zehn Komponistinnen präsentieren. Mit dabei, bei diesem auf fünf Jahre angelegten Projekt, sind Monthati Masebe aus Südafrika, die Weißrussin Marina Lukashevich, die Chinesin Shasha Chen, die Philippinin Feliz Anne Reyes Macahis sowie die Pulitzer-Preisträgerin Du Yun.

Zudem erklingen Werke der Türkin Dilay Doğanay, der Iranerin Aida Shirazi, der britisch-libanesischen Komponistin Bushra El-Turk und der Kroatin Mirela Ivičević. Auch wird ein Stück von Brigitta Muntendorf uraufgeführt.

Im Porgy wird ein Stück von Johanna Doderer uraufgeführt.
Maria Frodl

Im Gegensatz zu diesem Festwochen-Blick auf die quasi globale Komponierkunst können am Freitagabend im Porgy & Bess neue Werke von in Österreich tätigen Komponistinnen kennengelernt werden. Das Projekt klang_sprachen sucht eine Verschmelzung von aktuellen Klängen und Lyrik. Das Tiroler Kammerorchester InnStrumenti interpretiert Stücke von Melissa Coleman, Johanna Doderer, Viola Falb, Ruth Goller, Susanna Ridler und Helmut Sprenger.

Alle Stücke enstanden auf Basis literarischer Werke von Gerhard Ruiss, der auch als Performer die Grenzbereiche zwischen Lesung und Konzert ausloten wird. (Ljubiša Tošić, 7.6.224)