Bereits am 25. Mai dürfte es den Gründern von Midnight Trains gedämmert haben: Sie bekämen keinerlei Unterstützung von den französischen und europäischen Behörden. Letzte Hoffnung wäre noch ein Deal mit Rosco, wie man in einem entsprechenden Blogbeitrag lesen kann: Deren Antwort entscheidet über die Zukunft von Midnight Trains, steht dort sinngemäß, "oder seinen Untergang".

Zimmer, Bett, Lampe, Raum
Wie in einem Boutiquehotel sollten sich Reisende an Bord der Nachtzüge von Midnight Train fühlen.
Midnight Trains

Wie mittlerweile bekannt wurde, ist Letzteres der Fall. Denn sechs Tage später, am 31.5., liest man: "Midnight Trains ist heute gestorben, im Beisein von Familie und Freunden".

"Hier stirbt die Nacht"

Auf der Website und dem Instagram-Kanal des Unternehmens verwandelt sich das Logo – bei dem acht Striche zwei Paar Schienen in Form eines "M" darstellen – zu einem Kreuz. "2020–2024" steht in dem Posting vom vergangenen Wochenende. "Ici meurt la nuit" – "Hier stirbt die Nacht".

Aus der Traum der drei Gründer Adrien Aumont, Romain Payet und Nicolas Bargelès von einem eigenen privaten europäischen Nachtzugnetz mit Paris als zentralem Hub. Midnight Trains hätte eine Alternative für alle jene sein sollen, "die sich wünschen zu reisen, ohne den Planeten zu zerstören".

Anspruchsvoll

Vier Jahre lang hat das Trio daran gearbeitet, ein Transportmittel zu erfinden, das zeitgemäß ist und im Wettbewerb mit Mittelstreckenflugzeugen mithalten kann. Die Idee: Eine Nacht im Zug sollte sich nicht wie vergeudete Reisezeit anfühlen, sondern bereits wie ein Teil des Reiseerlebnisses selbst.

Ein "Hotel auf Schienen" schwebte den Gründern 2020 vor: Man möchte ein anspruchsvolles und luxuriöses Erlebnis an Bord bieten – mit Highend-Privatsuiten mit eigenem Bad, einem saisonalen Menü mit Cocktails à la carte und Zimmerservice. Die Renderings sahen jedenfalls vielversprechend aus.

Barhocker, Lampen, Flaschen, Schank
Zum luxuriösen Reiseerlebnis hätte auch eine Bar betragen sollen. Daraus wird nun wohl nichts mehr.
Midnight Trains

Ursprünglich sollte die erste Verbindung in diesem Jahr starten. Später hieß es dann, ab 2025 wolle Midnight Trains die Strecke Paris–Mailand–Venedig bedienen. Städte in ganz Europa sollten schließlich angesteuert werden, etwa Brüssel, Hamburg, Kopenhagen, Berlin, Barcelona, Madrid und Edinburgh. Daraus wird jetzt nichts mehr.

Woran liegt's? Wo doch Nachtzüge – siehe ÖBB – in den letzten Jahren ein starkes Comeback hingelegt haben? Bei Midnight Trains spricht man von unzureichender Unterstützung vonseiten der Geldgeber und der Behörden. Zwar sei der europäische Eisenbahnmarkt geöffnet worden, aber in Wahrheit habe er sich "hauptsächlich für sich selbst geöffnet", schreiben die Unternehmer. Dass neue Wettwerber den Markt beträten und dann in Konkurrenz zu staatlichen Bahnunternehmen stünden, sei nicht vorgesehen – so empfindet man es jedenfalls bei Midnight Trains. Nachzulesen ist das Drama im Blog des gescheiterten Start-ups. (Markus Böhm, 9.6.2024)