"BMK goes Drag!" postete der offizielle Account des österreichischen Klimaschutzministeriums am 5. Juni: In den nachfolgenden drei Tagen werde Dragqueen Ryta Tale "ihr verstecktes Talent als Ministeriumsmitarbeiterin" zeigen und erzählen, "was im Bund gemacht wird, um der LGBTQIA+-Community einen sichtbaren und sicheren Platz zu schaffen".

Damit sich alle Angestellten im Ministerium wohlfühlen, gebe es dort eine eigene Abteilung für Gleichstellung und Diversität, heißt es weiter im Thread: Diese "kümmert sich um Sensibilisierung, Sichtbarkeit und ein wertschätzendes Umfeld und ist die erste Anlaufstelle für all jene, die Unterstützung brauchen". Zudem gebe es für den gesamten Bund mit "BunterBund" einen unabhängigen Verein, der sich auf LGBTQIA+-Personen und Menschen, die diese unterstützen, fokussiert. "Gemeinsam sollen Stereotype abgebaut und ein gutes Netzwerk aufgebaut werden", heißt es weiter.

Heftige Diskussionen

In der Community kam diese Aktion jedoch nicht sonderlich gut an. Während die einen User den Einsatz von Steuergeld für diese Aktion kritisieren, stoßen sich andere an den Stereotypen, die vermittelt werden. So gießt Ryta Tale auf den Bildern Pflanzen oder bedient den Kopierer, schreit hysterisch in ein Telefon – oder arbeitet erst gar nicht, sondern feilt sich am Computer sitzend die Nägel.

"Kann mir jemand erklären, welches Rollenbild diese Kampagne des Klimaschutzministeriums transportieren will?", fragt etwa Falter-Chefredakteur Florian Klenk in einem Posting auf X: "Ist das Satire?"

Die einen sehen als Antwort auf dessen Posting die Bestätigung eines Frauenbilds aus den 1950er-Jahren oder sehen sich nicht wertgeschätzt. "Ich könnte meine Dienstzeugnisse an d. Klimaschutzministerium senden", schreibt etwa die Userin Sylvia Nagl: "Damit sie dort wissen, was eine Assistentin tatsächlich arbeitet. Wir sind noch lange nicht so weit, die Leistungen von Frauen anzuerkennen u. d. Bild des Dummchens zu verbannen. Nicht einmal Frauen tun das."

Andere argumentieren, dass Drag eine Performancekunst sei, bei der mit Make-up und Kostümen ironisch-übertriebene Geschlechterrollen reproduziert werden, um genau auf diese Problematik hinzuweisen: Es sei Rebellion gegen Sexismus, solle der Gesellschaft den Spiegel vorhalten und vor allem Freude bereiten, schreibt ein Nutzer mit dem Usernamen Leo.

Statement des Ministeriums

Der STANDARD hat sich beim Klimaschutzministerium nach den Hintergründen der Kampagne erkundigt. "Das Klimaschutzministerium macht mit dieser Aktion zum Pride Month mit einem Augenzwinkern auf ein wichtiges Thema aufmerksam", heißt es dort: Das Ministerium sei ein offener Arbeitgeber mit vielfältigen und bunten Angestellten, "auf die wir alle stolz sind".

Inhaltlich werden die Bilder von Texten über die konkreten Maßnahmen des Klimaschutzministeriums und des Bundes begleitet, heißt es weiter: Darunter auch, wie eingangs erwähnt, dass es seit 2022 eine eigene Abteilung für Gleichstellung und Diversität im Haus gibt. (red, 7.6.2024)