Mit dem Vornamen von Innenminister Gerhard Karner hatten wir ein Thema.
Mit dem Vornamen von Innenminister Gerhard Karner hatten wir ein Thema.
APA/GEORG HOCHMUTH

Lösen Sie gern Sudokus? Dann haben Sie sich am 16. Mai womöglich leichter getan als sonst. Nicht weil es besonders einfach gewesen wäre, sondern weil es Ihnen vielleicht bekannt vorgekommen ist. Wir haben am Tag davor dasselbe Sudoku veröffentlicht, und das geschah nicht, weil wir Sie auf die Probe stellen wollten. Es ist uns einfach passiert.

Wir gaben Rätsel auf, die keine sein sollten. Der Satz "Muss sich TextMitte 2018 ist bei Siegfried Wolf Feuer am Dach" wirkt irgendwie unfertig. Beim Satz "TextWas haben Grafenwörth, Pyhra und Pörtschach gemeinsam?" könnte man dem Irrtum erliegen, wir seien so freundlich und würden Sie, geschätzte STANDARD-Lesende, mit dem Wort "Text" darüber informieren, was nun kommt. Dem war leider nicht so, da ist uns etwas durchgerutscht.

Ein paar Nullen

Wir verbreiten auch nicht absichtlich Fake News, wir verzählen uns nur manchmal. Bei den Unruhen in Neukaledonien berichteten wir von 4000 geplünderten Geschäften und Unternehmen rund um die Hauptstadt Nouméa. Eine Zahl, die sich in der Höhe nicht verifizieren lässt.

Aber was ist das gegen das Universum – unendliche Weiten! Das neue Superteleskop Euclid soll besonders scharfe Bilder liefern – und tut es auch. Ende Mai wurden die bisher detailreichsten Aufnahmen veröffentlicht. Die Bilder sind beeindruckend, auch wenn der abgebildete Perseushaufen "nur" 240 Millionen Lichtjahre und nicht wie von uns beschrieben 240 Milliarden Lichtjahre entfernt ist.

In ein Zeitloch fielen wir mit einem Bericht über den französischen Präsidenten Emmanuel Macron und den deutschen Kanzler Olaf Scholz. Wir beschrieben "Ereignisse in der jüngeren Zukunft wie die Pandemie oder der russische Angriff auf die Ukraine". Das soll uns einmal einer nachmachen.

Immerhin: Mit unserer Rätselhaftigkeit sind wir nicht allein, und nein, das ist jetzt kein Ablenkungsmanöver. Der ORF zeigte die Serie Biester zuerst im Nachtprogramm auf ORF 1, kurze Zeit später im Stream und Ende Februar wieder und dann offiziell im Hauptabendprogramm. Knifflig! Wir haben versucht, dieses Mysterium zu lösen: Um die Vorstadtweiber-Nachfolgeserie zunächst im Stream anbieten zu können, musste sie der ORF gesetzeskonform vorher im Fernsehen ausstrahlen. Nach dem Biester-Streaming über eineinhalb Monate gab es Ende Februar 2024 die offizielle TV-Premiere im ORF-1-Hauptabend. Alles korrekt, wir haben uns bei der versteckten TV-Ausstrahlung lediglich im Monat vertan.

Den AfD-Politiker Björn Höcke ereilte der berüchtigte "Gerhard-Karner-Effekt". Wer diese Kolumne regelmäßig liest, weiß, dass wir mit dem Vornamen des österreichischen Innenministers ein Thema hatten und ihn schon des Öfteren zum "Gerald" machten. Höcke wurde bei uns zu Bernd.

Unsere Langzeitbeobachtung zu den 100 Einzelfällen, seit Herbert Kickl an der FPÖ-Spitze steht, bebilderten wir mit einer Illustration, die die Garde des Bundesheeres zeigt. Auf der Illustration ist Markus Reisner zu erkennen. In drei Einzelfällen geht es zwar um das Heer, in keinem aber explizit um die Garde des Heeres oder gar Reisner persönlich.

Noch komplexer ist die Frage, ob Servus-TV-Chef Ferdinand Wegscheider mit seiner Sendung das Objektivitätsgebot verletzt hat. Damit beschäftigte sich zuletzt das Verwaltungsgericht und nicht, wie zunächst geschrieben, der Oberste Gerichtshof. Eine Entscheidung gibt es vorerst nicht. Aufgrund eines juristischen Fehlers geht der Akt wieder zurück ans Bundesverwaltungsgericht. Es ist kompliziert.

Vergleichsweise einfach ist hingegen richtigzustellen, dass Menschen in Österreich ab 16 Jahren nicht erst seit heuer, sondern schon seit 2007 an der EU-Wahl teilnehmen dürfen. Kein Rätsel, sondern schlicht und einfach ein Irrtum. (Doris Priesching, 10.6.2024)

Wir bedauern!
Wir bedauern! "Vermurkst" ist die Fehlerkolumne des STANDARD, in der wir unsere publizistischen Missgeschicke anzeigen.
Der Standard