Ein Mann repariert eine Waschmaschine.
Steht die Waschmaschine still, muss das Problem schnell gelöst werden. Ein Neukauf geht oft sehr rasch, eine Reparatur hingegen könnte auch billiger sein und wäre im Sinne der Nachhaltigkeit.
Getty Images/iStockphoto

Reparieren statt wegwerfen: Das klingt eigentlich logisch und wäre im Sinne der Nachhaltigkeit. Denn oft ist es tatsächlich nur ein kleines Teilchen, das ersetzt werden muss, damit etwa der Geschirrspüler wieder läuft. Doch repariert werden Waschmaschine, Mikrowelle, Wasserkocher oder Handy oft eben nicht. Schnell ist ein neues Gerät bestellt, der Lieferant nimmt das alte mit. Problem gelöst.

Nachhaltig ist das nicht. Eine UN-Studie aus 2019 zeigt, dass die Entnahmen natürlicher Ressourcen und die Weiterverarbeitung für allerlei Geräte für 50 Prozent der globalen Treibhausgase verantwortlich waren. Es gibt hier also einen großen Hebel. Würden alle Waschmaschinen, Laptops, Smartphones und Geschirrspüler in der EU nur ein Jahr länger genutzt, wäre das CO2-Einsparungspotenzial enorm. Eine Studie des europäischen Umweltbüros von 2019 rechnet mit vier Millionen Tonnen CO2 weniger. Das entspricht minus zwei Millionen Autos.

Bonus als Anreiz

Dieses Potenzial hat auch die Politik erkannt. In Österreich wurde der Reparaturbonus ins Leben gerufen und zuletzt auf Fahrräder ausgeweitet. Der Bonus finanziert 50 Prozent der angefallenen Kosten, ist aber mit maximal 200 Euro je Reparatur gedeckelt. Gespeist wird dieser Topf aus EU-Mitteln. 130 Millionen Euro stehen aus dem Projekt "NextGenerationEU" zur Verfügung. Mit dem "Recht auf Reparatur" stärkt auch die EU diese Idee. Die im April 2024 verabschiedete Richtlinie sieht vor, dass bei Produkten, die noch unter die Gewährleistung fallen, die kostenlose Reparatur Vorrang vor dem Austausch hat: Entscheidet sich der Verbraucher für die Reparatur, verlängert sich die Gewährleistung um mindestens zwölf Monate.

Doch kaum jemand weiß, wohin er sich wenden soll, um Gegenstände reparieren zu lassen, zeigt eine Umfrage, die vom Versicherer Wertgarantie durchgeführt wurde. Demnach kennen vor allem Verbraucher, die in kleineren Wohnorten mit weniger als 100.000 Einwohnern leben, einen Reparaturbetrieb in ihrer Nähe. In Großstädten wissen nur wenige Kunden, wohin sie defekte Elektrogeräte bringen können.

Regionale Nähe wichtig

Auch zwischen den Bundesländern gibt es große Unterschiede. Spitzenreiter ist Vorarlberg: Hier kennen 40 Prozent der Bevölkerung eine Werkstatt nahe des Wohnortes – gefolgt von Salzburg und Kärnten, wo jeder Dritte einen geeigneten Reparaturbetrieb kennt. Weit abgeschlagen ist Wien: Nur jeder Fünfte weiß, wo er sein kaputtes Elektrogerät in der Nähe reparieren lassen kann.

Ein Abgleich mit den Wertgarantie-Fachhandelspartnern, die über ein eigenes Reparaturangebot verfügen, zeigt, dass die Bekanntheit nicht unbedingt mit der Anzahl an Reparaturbetrieben korreliert. So verzeichnet Oberösterreich die höchste Dichte an Werkstätten, 20 Prozent der Wertgarantie-Fachhandelspartner befinden sich in dem Bundesland, dicht gefolgt von Niederösterreich (19 Prozent) und Salzburg (18 Prozent). Wien landet mit 16 Prozent auf dem vierten Platz. Die wenigsten Betriebe sind in Vorarlberg, Burgenland und Kärnten zu finden.

Die Erhebung zeigt auch, dass für mehr als die Hälfte der Bevölkerung (62 Prozent) gut erreichbare Reparaturbetriebe im eigenen Wohnort wichtig sind. Bis zu 18 Kilometer sind Verbraucher bereit, zur nächsten Werkstatt zurücklegen zu müssen. „Wir gehen stark davon aus, dass die Bekanntheit von Reparaturbetrieben, insbesondere in der Nähe des Wohnorts, einen signifikanten Einfluss auf die Reparaturbereitschaft hat. Je mehr professionelle Möglichkeiten zur Reparatur vorhanden sind, desto eher lassen Verbraucher ihre defekten Geräte reparieren", teilt Konrad Lehmann, Vorstand bei Wertgarantie via Aussendung mit. Wer eine Werkstatt in der Nähe sucht, kann das über die Wertgarantie-Homepage probieren. Die dortige Werkstattsuche steht allen offen, nicht nur Versicherungskunden. (Bettina Pfluger, 7.6.2024)