Kulturberaterin Stefanie Jaksch und ihr Partner, der Illustrator Rob Ayers, wohnen im 18. Bezirk Wiens und schätzen den Arthouse-Charme ihrer Wohnung. Wehe, es wagt jemand, den Staub vom Sekretär zu wischen!

"Ich habe keine Ahnung, was Wohnen sein soll. Jetzt habe ich jahrelang im Literaturbereich gearbeitet, habe mich Anfang des Jahres mit einem eigenen Unternehmen selbstständig gemacht, das sogar ‚In Worten‘ heißt, und jetzt, wo ich über mein eigenes Wohnen sprechen soll, merke ich auf einmal, wie sie mir fehlen, die Worte. Was ist schon Wohnen? Wohnen ist immer das, was passiert, wenn man eine Wohnung sucht und findet. Wohnen war für mich und für uns nie etwas bewusst Geplantes, bewusst Inszeniertes, es war irgendwie immer das Resultat von ‚Just happened, and it’s fine the way it is‘!

Stefanie Jaksch und Rob Ayers wohnten zuvor auf wenig Fläche. Im 18. Bezirk haben sie mehr Platz.
Lisi Specht

Wir haben zuletzt im zweiten Bezirk gewohnt, zu zweit auf 48 Quadratmetern, und das war lange Zeit auch ganz okay – bis die Pandemie kam. Da war es dann, als wir 24/7 aufeinandergepickt sind, plötzlich nicht mehr so okay. Also haben wir beschlossen, uns nach etwas Größerem umzusehen. Im Immobilien-STANDARD sind wir auf diese Wohnung hier gestoßen: 79 Quadratmeter, 18. Bezirk, befristet auf fünf Jahre, und Rob ist auch heute noch ganz begeistert, weil ihn die gründerzeitlichen europäischen Häuser immer an Arthouse-Cinema erinnern, und jetzt wohnt er selbst in so einem Arthouse-Gründerzeithaus!

Die Wohnung hat bei der ersten Besichtigung voll und ganz überzeugt, nicht nur wegen der Küche.
Lisi Specht

Es war Liebe auf den ersten Blick. Sowohl mit Rob, damals vor vielen Jahren, als auch mit dieser Wohnung hier 2021. Schon im Vorraum war klar: Das ist es! Wir haben uns beide in die Küche verliebt, in diese Omama-Küche mit cremeweißen Omama-Möbeln. Auch sonst ist vieles richtig, richtig schön, vor allem die alten Kastenfenster, auch wenn die so undicht sind, dass wir im Winter gefühlt die halbe Gentzgasse mitheizen, sobald wir die Heizkörper aufdrehen. Und dann erst der Fischgrät-Parkettboden und die doppelflügeligen Türen! Arthouse-Paradies für den einen, ein Stückchen typischer Wiener Wohnkultur für die andere. Love that.

Wir sind beide selbstständig, sitzen uns untertags an zwei Schreibtischen gegenüber und arbeiten konzentriert vor uns hin. Ich mit Texten, Telefonaten und Zoom-Konferenzen, Rob vor allem mit Lesen, Zeichnen, Illustrieren. Und irgendwie schaffen wir es beide, in der eigenen Bubble zu sein. Rob ist manchmal so still und in sich zurückgezogen, dass ich ihn stundenlang weder sehe noch höre, und dann lacht er plötzlich, wenn ihm was Geniales eingefallen ist, und mich reißt’s.

Untertags sitzen sich Stefanie Jaksch und Rob Ayers an ihren Schreibtischen gegenüber und arbeiten vor sich hin.
Lisi Specht

Die Wohnung ist ein schöner Safe Space. Hier kann ich sein und tun, wie ich will. Meistens stehe ich um fünf oder sechs in der Früh auf, bin mit dem ersten Tee innerhalb von drei Minuten putzmunter und setze mich im Pyjama an den Computer. In den allerersten Morgenstunden kann ich mich am allerbesten konzentrieren, bis neun Uhr früh funktioniere ich am besten. Irgendwann kriecht dann Rob aus dem Bett und schleppt sich zum Schreibtisch.

Wir sind hier beide unter uns, und normalerweise sagen wir Nein, wenn wir um irgendwas Eigenartiges gefragt werden. Doch vor einigen Monaten – mit dem Einzug – haben wir uns vorgenommen, öfter Ja zu sagen. Und eigentlich wollten wir auf die Anfrage, ob wir ein Wohngespräch machen wollen, Nein sagen, absolutely not! Also haben wir Ja gesagt. Fühlt sich irgendwie strange an, aber es passt irgendwie zum Flow: Just happened!

Das Highlight der Wohnung: der alte Sekretär der Oma.
Lisi Specht

Du siehst, wir können über alles Mögliche sprechen, und mir fällt zu allem etwas ein, nur zum Wohnen, zur Einrichtung, zur Definition von Wohnen kann ich nicht wirklich etwas Relevantes beitragen. Wie wir wohnen? Mit Tisch, Bett, Schrank, Couch, Stühlen und Bücherregalen. Wie die meisten, oder? Nur ein Highlight haben wir, und zwar den alten Sekretär von meiner Großmutter.

Eines Tages hat Rob, ein Romantiker im tiefsten Inneren seiner Seele, mit dem Finger ein Herz mit einem ‚S+R‘ in der Mitte in die Staubschicht hineingeschrieben. Eine nachhaltige Botschaft, die stärker ist als jeder Staubwedel. Und wehe, irgendwer denkt auch nur dran, auf diesem Sekretär Staub zu wischen!" (10.6.2024)