So gatschig kann der Weg zur Pressekonferenz wegen des Regens der vergangenen Tage gar nicht sein, dass im Burgenland nicht mehr medienwirksam ums Wasser gestritten wird. Unweit der Sektkellerei A-Nobis in Zurndorf in der Nähe von Parndorf will das Land Burgenland eine Wasserstofffabrik errichten. Nun stellt sich die ÖVP dagegen. "Vor zwei Jahren gab es eine starke Wasserknappheit", sagt ÖVP-Klubobmann Markus Ulram, "die Bilder haben wir alle noch im Kopf."

Werner Falb-Meixner, Markus Ulram und Gerald Handig halten ein Schild auf dem steht:
Werner Falb-Meixner, Markus Ulram und Gerald Handig wollen die geplante Wasserstofffabrik in Zurndorf lieber an einem anderen Ort stehen sehen.
Guido Gluschitsch

Damals brach der Streit ums Wasser im Nordburgenland aus, weil der Neusiedler See auszutrocknen drohte, während die Bauern im Seewinkel in der Mittagshitze ihre Felder beregneten. Derzeit sind der See und der Grundwasserkörper gut gefüllt – der Wasserstand des Sees liegt nur acht Zentimeter unter dem langjährigen Mittel. Dennoch fürchten die Bauern und die ÖVP schon die nächste Trockenheit. Und diese könnte umso dramatischer ausfallen, wenn das Land Burgenland wie geplant in Zurndorf auf der Parndorfer Platte eine Wasserstofffabrik errichtet. Diese würde nämlich "2,2 Millionen Liter Wasser pro Tag, eine Dreiviertelmilliarde im Jahr in Anspruch nehmen", rechnet Ulram vor.

Doskozil soll Alternativen fördern

"Wir fordern daher den Landeshauptmann auf, das Vorhaben zu überdenken." Er sei zutiefst überzeugt, dass erneuerbare Energie wichtig sei, aber nicht als Wasserstofffabrik in einem Trockengebiet. ÖVP-Landtagsabgeordneter Gerald Handig stellt die Frage in den Raum: "Warum errichtet man so eine Fabrik nicht an der Donau?" – und damit an einem Ort, wo es ausreichend Wasser gibt. Er spricht auch die Transportfrage an. Geplant ist, dass von Zurndorf eine Wasserstoffleitung bis nach Schwechat zur OMV verlegt wird und dass täglich vier Lkws von der Fabrik abfahren. Dies bringe laut Handig "zusätzliche Risken für die Bevölkerung".

Werner Falb-Meixner, ehemaliger Bürgermeister von Zurndorf, Landwirt in dem Gebiet, wo die Fabrik entstehen soll, und Vertreter der Interessengemeinschaft Wasser erinnert an seine Amtszeit als Ortsvorsteher. Damals wollte er in diesem Gebiet einen Golfplatz errichten lassen. "Wir hätten damals 90.000 Kubikmeter Wasser gebraucht. Das wurde uns seinerzeit nicht genehmigt. Die Landwirtschaft darf in der Region 128.000 Kubikmeter entnehmen." Nun soll hier eine Anlage errichtet werden, die ein Vielfaches davon braucht. Zudem merkt Falb-Meixner an, dass die geplante verbaute Fläche der Fabrik 4,9 Hektar betrage – ab fünf Hektar wäre eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) notwendig.

Ein Portrait von Roland Fürst
SPÖ-Klubobmann Roland Fürst sieht in der Kritik der ÖVP einen Versuch, Vorteile für einzelne Grundstückseigentümer zu schaffen.
APA/HELMUT FOHRINGER

Konter kam umgehend von SPÖ-Klubobmann Roland Fürst: "Statt sich im Interesse der Burgenländerinnen und Burgenländer für die Unabhängigkeit vom russischen Erdgas einzusetzen, geht es der ÖVP um die Vorteile einzelner Grundstückseigentümer und um einen Golfplatz bei Zurndorf. Diese Prioritäten kann man als Partei setzen – man sollte nur den Mut haben, dann auch offen auszusprechen, worum es geht." Zum Kritikpunkt der nicht geplanten Umweltverträglichkeitsprüfung merkte er an: "Das Gesetz zum UVP-Verfahren und die Tatsache, dass ein UVP-Verfahren beim Wasserstoff nicht notwendig ist, ist ein Bundesgesetz. Wenn die ÖVP Burgenland hier also ein Thema hat, dann soll sie das bitte mit ihrer Bundesregierung klären."

Von der Burgenland Energie heißt es, dass "die von der ÖVP behaupteten Zahlen zum Wasserverbrauch in keiner Weise den tatsächlichen Fakten des Projekts entsprechen". Das Wasserstoffprojekt habe keine negativen Auswirkungen auf den Wasserhaushalt und den Neusiedler See und sei so geplant, dass es keine Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel der Region gebe, denn "die Entnahme, die nicht im Seewinkel, sondern einem anderen Wasserkörper stattfindet, hat – behördlich bestätigt – keine Auswirkung auf den Grundwasserspiegel", erklärt Stephan Sharma, Vorstandsvorsitzender der Burgenland Energie. "Wir brauchen hier so viel Wasser, wie es einem Feldbrunnen entspricht. In der Region gibt es rund 6000 offizielle Feldbrunnen. Wir sind der Meinung, dass uns die Gasunabhängigkeit von Russland einen von 6000 Feldbrunnen wert sein sollte." (Guido Gluschitsch, 7.6.2024)