Jüngst übergab der Grazer Unternehmer Fritz Wutscher die Geschäftsführung an die Kinder Fritz und Alexandra. Man bekomme laufend Anfragen von Investoren, die sich gern beteiligen würden, sagt Fritz sen. und winkt ab. Investorengetriebene Interessen und menschliche Werte würden nicht immer zusammengehen.

STANDARD: Was kann man jemandem empfehlen, der sich ständig auf seine Brille setzt?

Fritz sen.: Das Brillen-All-inclusive-Paket, da ist die Brille versichert gegen Bruch, Verlust, Diebstahl. Oder Gloryfy, die unzerbrechliche Brille made in Austria.

Fritz jun.: Aus der Fritz-Kollektion gibt es die Brille aus dem 3D-Drucker, die aus einer Bohne gepresst wird. Die ist auch wahnsinnig leicht und flexibel, da kann man sogar einen Knoten in die Brille machen.

STANDARD: Als sich der deutsche CDU-Chef Friedrich Merz eine neue Brille zugelegt hat, war das Tagesgespräch. Er wolle Diplomatie und Angriffslust signalisieren, hieß es. Macht eine Brille so viel aus?

Familie Wutscher; Fritz Sen; Fritz Jun; Alexandra Wutscher-Hold
Fritz Wutscher (60, re.) wollte seinen Kindern Alexandra (36) und Fritz jun. (32) ein schuldenfreies, prosperierendes Unternehmen übergeben. "Das ist mir wirklich gelungen", sagt er, "Wir haben einzigartig schöne Bilanzkennzahlen." Die Wutschers unternehmen auch privat viel miteinander. Deswegen steht in der Familienverfassung, dass privat nicht über die Arbeit geredet wird.
J.J.Kucek

Fritz sen.: Man kann strenger wirken, man kann cool wirken, sie kann einen bunter machen, man kann sich damit vom Typ her verändern. Elton John hat hunderte Brillen, wo jede ein besonders Stück ist. Mit einer Nullachtfünfzehn-Brille wäre Elton John nicht Elton John.

STANDARD: Elton John kann sich alles erlauben. Die verstorbene New Yorker Mode-Ikone Iris Apfel trug mit 100 eine riesige runde Brille und sah wie eine Eule aus, und das war ihr offenbar egal.

Alexandra: Eine auffällige Brille steht absolut für Kreativität. Man will dem Ausdruck verleihen, dass man sich abhebt von der Masse.

STANDARD: Andere wollen das nicht. Ob wir wollen oder nicht, wir werden immer älter. Gut fürs Geschäft, nicht?

Fritz sen.: Es ist ein leicht wachsender Markt. Nachdem wir ins Tablet, ins Telefon, in den Computer schauen, ist das Auge viel mehr im Nahbereich als für die Ferne beschäftigt. Dadurch steigen weltweit die Kurzsichtigkeiten an.

STANDARD: Ganz früher verschrieb der Augenarzt eine Brille. Heute kriegt man dort ewig keinen Termin. Dafür kann der Optiker viel mehr machen.

Fritz jun.: Die Krankenkassaleistung ist auch nicht mehr so wie einst. Im Idealfall kommen Sie zu uns in die Filiale, lassen sich die Dioptrin vermessen, suchen sich den Rahmen aus. Wir haben Werkstätten vor Ort und halten ein Glaslager vor.

Alexandra: Früher war der Optiker auch noch ein sehr handwerklicher Beruf, wo man viel in der Werkstatt gemacht hat. Jetzt können wir auch Verordnungen erstellen und direkt mit der Kassa abrechnen. Das entlastet auch das Gesundheitssystem beziehungsweise die Augenärzte.

Fritz Wutscher Senior
Fritz Wutscher war im österreichischen Jugend-Nationalkader, ist internationale Rennen gefahren, Fis-Rennen, Europacup-Rennen und hatte dann ein paar Verletzungen. Er hat sehr jung mit der aktiven Rennlaufkarriere aufgehört und ins Augenoptiker-Fach gewechselt.
J.J.Kucek

Fritz sen.: Als ich begonnen habe – vor 45 Jahren – da war die Arbeit am Bildschirm kaum vorhanden. Jetzt gibt es eigene Bildschirmarbeitsbrillen mit Raumwahrnehmungsgläsern. Früher hat man bei drei, vier Dioptrien schon relativ dicke Gläser gehabt. Das kann man heute mit einem höheren Brechungsindex dünner, ästhetischer und leichter machen. Die Beratung ist anspruchsvoller geworden, weil sich das Portfolio an Brillengläsern und Fassungen wesentlich erweitert hat.

Fritz jun.: In unserem Flagshipstore in Wien auf über 1000 Quadratmetern, da haben wir eine Auswahl von über 6000 Brillenfassungen.

STANDARD: Schrecklich, wie soll man sich da entscheiden, und wie schafft man es, dass die Kundschaft nicht stundenlang herumlungert?

Fritz sen.: Da ist die Beratung wichtig. Am Ende sollen von den 6000 vier übrig bleiben, da schaut man noch einmal, was die beste Wahl ist. Die Brillenglasbestimmung dauert etwa 20 Minuten, die Fassungsauswahl und die Brillenglasauswahl braucht dann noch etwa 40 Minuten. Im Durchschnitt muss man mit einer Stunde rechnen.

STANDARD: Stichwort rechnen: Jetzt schauen die Leute mehr aufs Geld. Spüren Sie das?

Fritz sen.: Nachdem Energie so teuer geworden ist, Urlaube teuer geworden sind, Lebensmittel teurer geworden sind, glaube ich schon, dass ein großer Teil der Bevölkerung gut haushalten muss mit seinen monatlichen Möglichkeiten. Das fließt auch beim Brillenkauf ein. Dafür bieten wir auch Ratenzahlungen an.

Fritz jun.: Bei uns beginnen die Brillen ab 5,95 Euro im Monat. Da kann man eine aussuchen, das ist schon eine Superqualität des Brillenglases. Das sind 24 Monatsraten, und da ist der Kunde versichert auf Bruch, Diebstahl, Sehstärkenveränderung. Würde sich in dieser Zeit etwas ändern, kann er zu uns kommen.

STANDARD: Da sieht man nicht auf den ersten Blick: Krankenkassabrille?

Fritz jun.: Auf keinen Fall, das umfasst ein breites Sortiment. Uns ist wichtig, dass sich jeder Mensch bei uns eine Brille leisten kann.

STANDARD:Einer, der sich seine Brille sicher leisten kann, ist Christopher Drexler. Der steirische Landeshauptmann hat Ihnen im Vorjahr das steirische Landeswappen überreicht. Er schaut mit seiner eckigen Brille ein bisschen aus der Zeit gefallen aus – und sehr streng. Gut für einen Politiker?

Fritz sen.: Zu politischen Themen wollen wir uns nicht äußern. Wir haben auch in unsere Familienverfassung geschrieben, dass wir uns neutral verhalten. Er hat sicher seine Berater, die ihn möglicherweise in eine Richtung beraten, die für ihn positiv ist.

Fritz Junior und seine Schwester in der Firmenzentrale in Graz. Die beiden sind seit Jahren in wechselnden Rollen im Familienunternehmen beschäftigt. 
Wutscher Optik, Graz Zentral Familie Wutscher; Fritz Sen; Fritz Jun; Alexandra Wutscher
J.J.Kucek

STANDARD: Was ist der Grund für die Familienverfassung?

Fritz sen.: Wir haben eine Staffelübergabe, da wollten wir die Spielregeln vereinbaren. Wenn es einmal zu Unstimmigkeiten kommen sollte, kann man sich darauf berufen.

Alexandra: Es sind Werte niedergeschrieben, wie wir miteinander umgehen, mit anderen Geschäftspartnern, mit den Mitarbeitern. Es auch ein bisschen wie ein Kochrezept, das uns der Vater geschrieben hat, wo wir uns orientieren können, wie wir das Unternehmen führen.

STANDARD: Sie arbeiten schon lange gemeinsam im Unternehmen. Sie, Frau Wutscher, kümmerten sich ums Personal, der Junior ums Marketing. Der Senior sagt, was alles nicht geht?

Fritz sen.: Die dritte Generation führt das Unternehmen in Form einer Doppelspitze, sie ergänzen und verstehen sich sehr gut. Meine Aufgaben als Eigentümer sehe ich darin, große strategische Entscheidungen im Dialog mit der neuen Geschäftsführung mitzuentscheiden, zu schauen, dass die humanistischen Werte, die niedergeschrieben sind, weitergelebt werden.

STANDARD: Ihr Vater hat 1966 in Eisenerz ein kleines Optikfachgeschäft geöffnet, Sie haben zuerst eine Lehre gemacht und sind professionell Skirennen gefahren. Beim Skifahren will man möglichst schnell sein, als Optiker lässt man sich besser Zeit. Wie passt das zusammen?

Fritz sen.: Wenn man Außergewöhnliches erreichen möchte, muss man fokussiert bleiben. Talente gibt es viele. Man muss bereit sein, die Extrameile zu gehen, wenn man besser sein möchte.

STANDARD: Wie bekommt man Mitarbeiter in Zeiten von Work-Life-Balance dazu, die Extrameile zu gehen?

Alexandra: Durch Wertschätzung, Motivation, Lob durch Führungskräfte, wenn etwas gut gemacht wird, gute Stimmung in den Teams.

Fritz sen.: Wenn ich in der Früh denke, jetzt muss ich da schon wieder hingehen, und mein Kollege reibt mich auf, und die Arbeit macht mir keinen Spaß, dann ist es unmöglich, so einen Menschen zu motivieren. Wenn er sagt, da kann ich mich einbringen, ich mache den Job, den ich liebe, dann ist es leichter, auch am Freitag, Samstag einmal arbeiten zu gehen. Mir hat die Arbeit immer Spaß gemacht. Sie ist vielseitig, und man wird respektiert, bekommt Dank von den Kunden.

STANDARD: Da haben Sie Glück. In vielen konsumnahen Branchen sind zuletzt die Klagen gestiegen, dass Kunden lästig bis ausfällig werden.

Fritz sen.: Nicht jeder Mensch passt zum Unternehmen, weil er nicht in der Lage ist, diese humanistischen Werte zu leben, weil er gerne ein Querulant ist oder egoistisch und sich nicht in ein Team integrieren möchte. So gibt es auch Kunden, die nicht teamfähig sind. Der Kunde ist unser Arbeitgeber, und wir versuchen ihn kompetent, freundlich, herzlich zu beraten. Aber jeder kann das auch nicht schätzen, und dieser Kunde passt dann auch nicht so gut zu uns. Der kriegt dann sein Geld zurück, ohne Wenn und Aber.

Das Wutscher-Trio bei der Firmenzentrale in Graz.
Man unternehme auch privat viel gemeinsam, sagen die Wutschers, Skifahren, Fahrradfahren, Urlaub. Deswegen sei in der Familienverfassung festgeschrieben, dass der Beruf im Unternehmen besprochen werde und privat berufliche Fragen ausgespart würden.
J.J.Kucek

STANDARD: Sie haben jetzt 110 Filialen. Wollen Sie die verdoppeln?

Alexandra: Verdoppeln nicht, aber es gibt noch ein paar weiße Flecken auf der Österreich-Landkarte. Wenn sich gute Möglichkeiten bieten, wollen wir weiterwachsen. Das Ziel ist schon, dass man innerhalb von einer halben Stunde in ganz Österreich eine Wutscher-Filiale erreicht.

STANDARD: Passt Ihr Format auch außerhalb Österreichs?

Fritz sen.: Wenn Sie den Eigentümer fragen: Wir wollen mutig sein, aber nicht übermütig. Wenn es nach mir geht, würden wir uns weiterhin auf Österreich fokussieren.

STANDARD: Das ist sein Wunsch?

Alexandra: Ja, den kennen wir schon.

Fritz jun.: Wir sind noch sehr jung, und ich würde niemals nie sagen.

STANDARD: Sie haben eine Fritz-Kollektion, die Männer heißen Fritz. Sie werden an einem Nachkommen namens Fritz nicht vorbeikommen, oder?

Frizt jun.: (lacht) Mit meiner Frau war das schon ein Kriterium vor der Hochzeit, dass, falls wir einen Sohn bekommen, der Fritz heißen muss. Sie hat von Anfang an Ja gesagt. (Regina Bruckner, 9.6.2024)