Kupferspirale Verhütung Frau
Antibabypille oder Kondom werden am häufigsten als Verhütungsmittel eingesetzt, ergab eine Befragung. Verhütung ist immer noch vorrangig Frauensache.
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Fast 37 Prozent der Frauen würden anders verhüten, als sie es derzeit tun, wenn Verhütungsmittel kostenlos wären. Rund die Hälfte würde alles so handhaben wie gehabt. Das ergab eine Bedarfserhebung unter 14- bis 45-jährigen Frauen für den ersten österreichischen Verhütungsbericht des Gesundheitsministeriums. Der Bericht wurde am Montag präsentiert, ursprünglich war er bereits für Herbst 2023 erwartet worden.

Im Zuge der Erhebung wurden über tausend Frauen befragt. 46 Prozent der befragten Frauen gaben an, allein für die Verhütung zuständig zu sein. Bei zwölf Prozent liegt die Verantwortung beim Partner, acht Prozent verhüten gemeinsam, und ein Drittel der Frauen verwendet keine Verhütungsmittel. Von jenen Frauen, die verhüten, übernimmt laut der Befragung die Hälfte allein die Kosten. Nur gut ein Viertel der Befragten gab an, diese mit dem Partner zu teilen. In 12,9 Prozent der Fälle bezahlt der Partner dafür, und bei 7,8 Prozent sind es die Eltern.

Kosten entscheiden mit

Die Wahl fällt oft auf Verhütungsmittel, die kurzzeitig angewendet werden müssen. Langzeitmethoden, die auch mit höheren Initialkosten und zum Teil Eingriffen verbunden sind, sind weniger beliebt: Ziemlich genau vier von zehn Frauen verhüten mit Pille oder Minipille, ebenso viele mit Kondom. An dritter Stelle steht die Spirale (17 Prozent). Kondome sind denn auch eines der günstigsten Verhütungsmittel, allerdings bieten sie laut Pearl-Index keinen so sicheren Schutz vor Empfängnis. Sie wurden – bei einem angenommenen Verbrauch von 100 Stück – in dem Bericht mit 60 Euro im Jahr veranschlagt.

Noch günstiger wäre ein Diaphragma (berechnet mit einer durchschnittlichen Anwendungsdauer von zwei Jahren) mit 30 bis 40 Euro im Jahr, doch auch dieses gilt als wenig verlässlich. Unter den sehr sicher eingestuften Verhütungsmitteln ist die Sterilisation des Mannes über einen Durchrechnungszeitraum von zehn Jahren das kostengünstigste Mittel mit rund 90 Euro im Jahr, gefolgt von der Hormon-/Kupfer- oder Goldspirale, die sich bei fünf Jahren Anwendung im Jahr mit rund 100 Euro niederschlägt. Laut Sylvia Gaiswinkler von der Gesundheit Österreich GmbH (Gög) sind die hohen Anschaffungskosten von Langzeitmethoden aber "eine Hürde für viele Frauen".

Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) teilte am Montag bei Präsentation des Berichts mit, dass der Zugang zu sicheren und modernen Verhütungsmethoden "keine Frage des Einkommens sein" dürfe. Es müsse daher langfristig ein "Gratiszugang zu Verhütungsmitteln und Beratungen" das Ziel sein. Die ÖVP gab sich bei dem Thema bisher abwartend (nämlich auf den Bericht) bis ablehnend (konkret zu dem Vorschlag voriges Jahr, Verhütungsmittel von der Steuer zu befreien). Von ÖVP-Gesundheitssprecher Josef Smolle hieß es am Montag, zu Gratis-Verhütungsmitteln sei in dieser Legislaturperiode nichts vorgesehen und auch nicht mehr zu erwarten.

Im internationalen Vergleich verschlechtert

In Österreich verhüten derzeit rund 1,2 Millionen Frauen im reproduktiven Alter zwischen 14 und 45 Jahren. Im europäischen Contraception Policy Atlas belegt Österreich einen der hinteren Plätze – wegen der fehlenden Kostenübernahme für Verhütungsmittel und wegen des erschwerten Zugangs zur Beratung zu dem Thema. Im europäischen Vergleich ist Österreich dem Bericht nach von 2017 bis 2024 um zehn Plätze auf Rang 20 zurückgefallen, unter anderem weil andere Länder wie Frankreich, Belgien oder Luxemburg Fortschritte in der Verhütungspolitik gemacht haben.

Der aktuelle Bericht zeigt auch, dass in Sachen Beratung Aufholbedarf besteht: 16 Prozent wissen nicht ausreichend über das von ihnen präferierte Verhütungsmittel Bescheid und würden sich gerne beraten lassen, ergab die Befragung.

Pilotprojekt für bis zu 3500 Frauen

Studienautorin Gaiswinkler von der Gög sieht einen "großen Bedarf an kostenfreier Verhütung und Beratung in Österreich". Das Gesundheitsministerium stellt daher knapp eine Million Euro für ein Pilotprojekt in Vorarlberg zur Verfügung. In dessen Rahmen erhalten 3500 Frauen von Herbst 2024 bis Ende 2026 kostenlos die Verhütungsmittel ihrer Wahl und auf Wunsch auch eine kostenlose Verhütungsberatung. Das Projekt soll Daten zum Verhütungsverhalten der verschiedenen Altersgruppen liefern, unabhängig von ihrer finanziellen Situation. Die Daten sollen, so die Intention des Gesundheitsministers, für künftige bundesweite Modelle eine Grundlage schaffen.

Die Anmeldung erfolgt beim Fraueninformationszentrum Femail. Durch das Pilotprojekt erhält etwa jede 20. Frau zwischen 14 und 45 Jahren in Vorarlberg kostenlose Verhütungsmittel. So sollen umfassende Daten zum Verhütungsverhalten verschiedener Altersgruppen gesammelt werden, unabhängig von sozioökonomischen Faktoren oder der finanziellen Situation. Besonders wichtig sei aber, vulnerable Zielgruppen zu erreichen, teilte Lea Putz-Erath mit, Geschäftsführerin von Femail. (spri, 10.6.2024)