Gold, Diamanten, Eisenerz und Immobilien: Der israelische Geschäftsmann Beny Steinmetz ist in Branchen aktiv, in denen besonders häufig mit schmutzigen Methoden gespielt wird. Auch Steinmetz selbst wurde mehrfach Korruption vorgeworfen – und das führte 2017 indirekt zu einem der größten Skandale der österreichischen Innenpolitik.

Damals wurden Steinmetz und sein Geschäftspartner in Israel verhaftet, weil sie in Rumänien Regierungsbeamte rund um Grundstücksdeals bestochen haben sollen. Der Name des Steinmetz-Partners: Tal Silberstein, damals Kampagnenberater der SPÖ. Die Bilder des Spindoktors in Handschellen wirbelten den Wahlkampf durcheinander, wenig später drangen massenhaft Details über Silbersteins Dirty-Campaigning-Pläne nach außen.

Beny Steinmetz (Bildmitte) bekam Hilfe bei seinen juristischen Problemen.
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Aber auch abseits von Silberstein führen Spuren von Steinmetz nach Österreich: Altkanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) hatte eine Geschäftsbeziehung zu einer Firma, die Steinmetz zugerechnet wird. Und René Benko ließ sich einst seinen Einstieg in den Handel auch von Steinmetz mitfinanzieren. Exklusive Recherchen des Investigativnetzwerks Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP), mit dem DER STANDARD seit 2023 kooperiert, zeigen nun, wie Steinmetz seit Jahren juristischen und geschäftlichen Problemen aus dem Weg geht. Eine Hauptrolle spielt dabei der israelisch-griechische Geschäftsmann Sabby Mionis, der Steinmetz entscheidend zu Hilfe gekommen sein soll.

Der Fall Guinea

Aber der Reihe nach: Dem 68-jährigen Beny Steinmetz, dessen Diamantimperium in den 1980ern in Angola zu wachsen begann, wird unter anderem vorgeworfen, der Frau des guineischen Präsidenten im Jahr 2008 Millionenbeträge gezahlt zu haben, um an lukrative Eisenerzminen in dem westafrikanischen Land zu gelangen. Die Politik wirkte in der Folge an den entscheidenden Stellen ein, und die Firma von Steinmetz verkaufte die Schürfberechtigungen bald darauf mit Milliardenprofit. Als 2014 eine neue Regierung in Guinea an die Macht kam, begannen die juristischen Probleme für Steinmetz in mehreren Ländern.

Wenngleich Steinmetz jegliche Korruptionsvorwürfe zurückweist und diese als politisch motiviert sieht, wurde er von einem Genfer Gericht in der Guinea-Minen-Sache zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt, die 2023 auf drei Jahre reduziert wurde – und die er derzeit vor dem Schweizer Höchstgericht bekämpft.

Der Guinea-Fall ist aber beileibe nicht der einzige, der Steinmetz Sorgen bereitet. Hier kommt Sabby Mionis ins Spiel, der seine Beziehung zu Steinmetz als "Freundschaft, die ich mit vielen Businessleuten pflege", bezeichnet und jegliche Einflussnahme zugunsten von Steinmetz bestreitet.

"Businessfreundschaft"

Im Rahmen dieser "Businessfreundschaft" soll es in den vergangenen Jahren aber gleich mehrere Kontaktpunkte zwischen Mionis, der von ihm gegründeten und auf den Bahamas registrierten Firma Global Special Opportunities Ltd. (GSOL) und der Beny Steinmetz Group Resources (BSGR) gegeben haben, wie die OCCRP-Recherchen nun zeigen: Als Steinmetz mit einer nordmazedonischen Nickelraffinerie in Streitereien kam, flossen zunächst Millionen in einen erfolglosen Übernahmeversuch, 2019 übernahm GSOL die Raffinerie schließlich selbst.

Als sich Steinmetz' Schulden bei einer Diamantenmine in Sierra Leone anhäuften, wurden Schulden im dreistelligen Millionenbereich durch GSOL aufgekauft, um Probleme mit Investoren abzuwenden.

Bei Steinmetz' juristischen Problemen geht es auch um Deals in Westafrika.
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Als Steinmetz gerichtlich gegen den milliardenschweren Finanzinvestor George Soros vorging (dessen Stiftung Open Society Foundations auch das OCCRP mit Spenden unterstützt) und diesem vorwarf, das Bergbaugeschäft der BSGR in Guinea durch "Betrug, Illegalität, Verleumdung und kriminelles Fehlverhalten" sabotiert zu haben, finanzierte eine GSOL-Offshore-Firma eine Milliardenklage, die Fachleute heute als "juristische Nebelgranate" bezeichnen, um von eigenen Verfehlungen in der Guinea-Causa abzulenken.

Als GSOL mit einer Partnerfirma um 86,4 Millionen US-Dollar einen Wolkenkratzer in Chicago kaufte, hatte Steinmetz laut OCCRP-Dokumenten einen kleinen Anteil an der Partnerfirma. Und als Guinea im Februar 2019 seinerseits die rechtlichen Schritte gegenüber Steinmetz' BSGR vor dem Schweizer Gericht zurückzog, war zuvor eine GSOL-Tochtergesellschaft in die Gespräche involviert. Für GSOL und Steinmetz soll ein aussichtsreicher neuer Minendeal daraus entwachsen sein.

Steinmetz' Anwalt erklärte gegenüber dem OCCRP, dass die GSOL-Direktoren und ihre Unternehmen "niemals als Bevollmächtigte für Herrn Steinmetz oder ein mit ihm verbundenes Unternehmen tätig gewesen" seien und dass Steinmetz "nie ein direktes oder indirektes Interesse an GSOL oder einer ihrer Tochtergesellschaften" gehabt habe. Auch Mionis Anwälte gaben an, sie hätten Steinmetz zu keinem Zeitpunkt geholfen, ihn zu "schützen oder seine Kämpfe zu kämpfen". Ihre Investitionsentscheidungen seien lediglich auf Grundlage wirtschaftlicher Parameter getroffen worden.

Mächtiger Gegner

Dieser Interpretation wollte ein mächtiger Gegner von Steinmetz, der brasilianische Minengigant Vale S.A., zumindest zwischenzeitlich keinen Glauben schenken. Vale, die im Jahr 2010 um 2,5 Milliarden Dollar 51 Prozent der Schürfrechte in Guinea von Steinmetz' Firma erwarb, diese nach rund vier Jahren aber ebenfalls durch den Regierungswechsel wieder verlor, sah sich nach den aufgekommenen Korruptionsvorwürfen falsch darüber informiert, wie Steinmetz überhaupt zu den Rechten gekommen war.

Was umfasste die Hilfe von Mionis für Steinmetz?
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Als Vale vor US-Gerichten Ansprüche gegen Steinmetz' BSGR geltend machte und später auch zwei Milliarden Euro an Schadenersatz zugesprochen bekam, behaupteten die Anwälte des brasilianischen Unternehmens laut Gerichtsakten noch, dass Unternehmen, die mit GSOL und Mionis verbunden sind, Teil eines Schemas waren, "das offenbar darauf abzielt, Vermögenswerte dem Zugriff der Gläubiger von BSGR zu entziehen". Später ruderte Vale teilweise zurück, sagte, dass es bei den Immobiliendeals in Chicago keinerlei Anzeichen dafür gebe, dass GSOL-Firmen als "Agenten" Steinmetz' fungierten. Was Mionis als komplette Freisprechung sah, war jedoch nur ein Rückzieher in einem Teilaspekt der Anschuldigungen.

Und dennoch bestritt Mionis wiederholt, dass er im Namen Steinmetz' agierte oder Investments mit dessen Geld tätigte. Solche Anschuldigungen seien "irreführend und beleidigend". Was bleibt, sind die OCCRP-Recherchen, die ein anderes Bild der "Freundschaft" zwischen Mionis und Steinmetz skizzieren – und offenlegen, wie geschickt und verdeckt bei derartigen Deals im Hintergrund agiert wird. (Fabian Schmid, Fabian Sommavilla, Daniel Balint-Kurti, 10.6.2024)