Für die meisten ist das Thema NFT wohl nur mehr eine ferne Erinnerung an einen ziemlich seltsamen Hype vergangener Jahre. Doch das ist nicht überall so. Ob in Österreich oder Deutschland: Bis heute will die Post mit "Krypto-Briefmarken" zusätzliches Geld verdienen. Von Motiven, "kreiert von renommierten Größen aus der internationalen NFT-Szene", ist etwa ohne den Anflug von – beabsichtigtem – Sarkasmus auf der Webseite der Österreichischen Post die Rede.

NFT trifft auf KI

Die Deutsche Post geht nun noch einen logischen Schritt weiter: Wenn man schon mit zweifelhaften Produkten Geld macht, dann kann man sie auch gleich passend produzieren lassen, war dabei offenbar die Überlegung. Also wurde eine neue Reihe an Krypto-Briefmarken kurzerhand mit Dall-E erstellt. Darauf abgebildet: der Kölner Dom, oder halt das, was die Bild-KI von OpenAI dafür hält.

NFT / Krypto Briefmarke / Kölner Dom
Die umstrittene Krypto-Briefmarke interpretiert den Kölner Dom sehr fantasievoll.
Deutsche Post

Wie unter anderem der Kölner Stadtanzeiger berichtet, hat sich auf dem im Pixel-Look gehaltenen Motiv nämlich zumindest ein grober Fehler eingeschlichen. So ist darauf ein gotisches Fenster mit Rosette über dem Eingangstor des Doms zu sehen. Dieses gibt es aber schlicht nicht, es handelt sich also um eine "Halluzination" der KI, wie der Fachbegriff für dieses Phänomen heißt. Dass dies niemandem bei der Post aufgefallen ist, ist zumindest verwunderlich, bietet das Internet doch genügend Bilder zum Vergleich.

Kein Fehler?

Eine zweite Kritik will die Deutsche Post hingegen nicht auf sich sitzen lassen: Die Existenz eines Baugerüstes in der Aufnahme sei beabsichtigt, auch wenn sie derzeit nicht der Realität entspreche. Immerhin gebe es beim Dom meist irgendwelche Renovierungsarbeiten.

Doch auch sonst zeigt sich die Deutsche Post von der Kritik wenig beeindruckt. Die Krypto-Briefmarken-Serie soll nämlich unbeeindruckt von den Fehlern weiter verkauft werden. Die Kombination aus physischer Ein-Euro-Briefmarke und NFT wird um zehn Euro angeboten. Dabei gibt es vier Farbvarianten mit unterschiedlicher Häufigkeit, welche man davon erhält, ist Zufall.

In gewisser Weise ist die Reaktion der Deutschen Post dabei durchaus folgerichtig. Denn wer sein Geld in glorifizierte JPEGs mit zweifelhaften Zukunftsaussichten investiert, den dürften die Fehler in dem Motiv wohl ohnehin kaum stören – wenn nicht sogar freuen. (red, 10.6.2024)