Im Bild: ein Medikament zum Schwangerschaftsabbruch.
AP/Allen G. Breed

Nach wie vor ist der Schwangerschaftsabbruch in Österreich eigentlich verboten – jedoch gilt seit 1975 bis zum dritten Monat die sogenannte Fristenlösung: Innerhalb der ersten drei Monate können Schwangere straffrei mit der Unterstützung einer Ärztin oder eines Arztes abtreiben. Die Kosten müssen privat bezahlt werden.

Diese Kriminalisierung sorgt immer wieder für Kritik, aktuell durch die NGO Amnesty International Österreich. In einem aktuellen Bericht dokumentiert sie die Anfeindungen gegen medizinisches Fachpersonal. Darin berichten acht Ärztinnen und Ärzte davon, immer wieder von Abtreibungsgegnern eingeschüchtert zu werden.

Angriffe auf Ärztinnen und Ärzte

Demnach würden Einzelpersonen, aber auch organisierte Gruppen sowie Fachpersonal, das Schwangerschaftsabbrüche anbietet, immer wieder zur Zielscheibe. Eine Gynäkologin berichtete der NGO, dass ein Mann regelmäßig vor ihrer Praxis demonstriere, weswegen sie sich sowie auch ihre Patientinnen und Patienten immer wieder unsicher fühlen würden. Ein anderer Arzt erzählte, dass er und sein Team "gedoxxt" wurden – also dass Fotos von ihm sowie seine Privatadresse von Abtreibungsgegnern im Netz veröffentlicht wurden.

"In Österreich werden Schwangerschaftsabbrüche so an den Versorgungsrand gedrückt, und so sind erst Anfeindungen überhaupt möglich geworden", zitiert Amnesty eine andere Gynäkologin. Diese Anfeindungen würde die Bereitschaft senken, Schwangerschaftsabbrüche überhaupt offen als Leistung anzubieten. Gerade im ländlichen Raum, wo man sich besser kenne, würde Fachpersonal stigmatisiert. Das sei auch für betroffene Schwangere ein Problem, da ihnen dadurch häufig das Wissen fehle, welche Ärztinnen und Ärzte Abtreibungen anbieten.

Versorgungslage eingeschränkt

Gleichzeitig sei die Versorgungslage auf dem Land sowieso schon sehr beschränkt: In Salzburg und Vorarlberg gibt es etwa jeweils nur eine einzige offizielle Stelle, die Schwangerschaftsabbrüche anbietet. Im Burgenland gibt es überhaupt nur ein Angebot.

Damit verstoße Österreich gegen die Menschenrechte, zu denen sich die Republik sich eigentlich verpflichtet habe, kritisiert Amnesty Österreich. "Es ist inakzeptabel, dass medizinische Fachkräfte in Österreich zur Zielscheibe werden, nur weil sie wichtige reproduktive Gesundheitsdienste anbieten", sagt Ronya Alev, Research & Advocacy Officer bei Amnesty International Österreich. "Diese Angriffe gefährden nicht nur die Sicherheit und das Wohlergehen des medizinischen Personals, sondern stellen auch eine ernsthafte Bedrohung für den Zugang der Menschen zu sicheren und legalen Schwangerschaftsabbrüchen dar."

SPÖ und Grüne für Reform

Daher sei es notwendig, Schwangerschaftsabbrüche endlich vollständig zu entkriminalisieren. Schwangerschaftsabbrüche müssten als wesentlicher Bestandteil der sexuellen und reproduktiven Rechte allgemein zugänglich und leistbar sein.

In Österreich werden rund drei von zehn Schwangerschaften abgebrochen. Im Vorjahr setzten sich die SPÖ und die Grünen für eine vollständige Entkriminalisierung ein, eine parlamentarische Mehrheit für dieses Vorhaben gibt es aber bisher nicht. (muz, 11.6.2024)