Benny Gantz hat am Sonntag die israelische Notstandsregierung verlassen.
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Als er vor sechs Jahren die politische Bühne betrat, war Benny Gantz' Name bereits ein bekannter Name in Israel. Als Generalstabschef der Armee hatte er zwei Operationen in Gaza geleitet – darunter den Krieg im Jahr 2014, der noch heute die Ermittler am Den Haager Tribunal beschäftigt. Wie Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu könnte also auch Gantz noch ins Visier der Ankläger kommen. Und das ist nur eines der Dinge, die ihn mit seinem politischen Kontrahenten verbinden.

Vor acht Monaten hatte sich Gantz bereiterklärt, in Netanjahus Regierung einzutreten. Er habe es aus Verantwortungsgefühl gegenüber dem Staat Israel getan, erklärte Gantz, der es eigentlich hätte besser wissen müssen. Schon im Jahr 2020 hatte er trotz seines eisernen Wahlkampfversprechens, nach dem Urnengang ganz sicher nicht mit Netanjahu zu koalieren, dem Drängen des Langzeitpremiers nachgegeben. Damals war es die Corona-Krise, im vergangenen Herbst war es der brutale Überfall der Hamas auf Israel. Und wie damals muss sich Gantz auch diesmal die Frage stellen: War es das wert?

Umfragenvorsprung verspielt

Der 65-Jährige hat zwar jede Menge Armeeerfahrung, politisch gilt er jedoch als naiv – jedenfalls im direkten Vergleich zum gewieften Taktiker "Bibi" Netanjahu, der ihm gerne Fallen stellt. Seinen massiven Umfragevorsprung im vergangenen Herbst und Winter hat er inzwischen verspielt. Den besten Zeitpunkt, um die Regierung zu verlassen, hat er verpasst, erst am Sonntag stieg er aus. Am Ende muss Gantz alle Versäumnisse, die er zu Recht Netanjahu ankreidet – in Gaza, in Israels Norden, bei der Integration der Ultraorthodoxen ins Militär –, am Wahltag auch selbst mittragen. Er war ja Teil des Kabinetts.

Gantz wuchs in einem winzigen Moshav in Südzentralisrael auf, den seine Eltern, ungarische Holocaustüberlebende, mitgegründet hatten. Er studierte Politikwissenschaft und kletterte in der Armee von Rang zu Rang, bis er 2011 schließlich zu ihrem obersten Kommandanten ernannt wurde – von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Als der vierfache Vater im April 2019 erstmals gegen Netanjahu bei Wahlen antrat, war er der Hoffnungsträger des liberalen Lagers. Dass sein politisches Profil eher verschwommen ist, kam ihm zugute – viele konnten sich auf ihn einigen. Gut möglich, dass das auch bei den kommenden Wahlen noch so sein wird. Ob das aber schon für eine Regierungsbildung reicht, wird sich zeigen. (Maria Sterkl, 10.6.2024)