Der ORF präsentiert seinen Stiftungsräten nicht nur tiefe Lücken bei den Einnahmen aus ORF-Beiträgen und wie er sie schließen will. In der Sitzungswoche, die Montag mit dem Finanzausschuss begann, verweist die ORF-Führung auch laut Sitzungsteilnehmern stolz auf Erfolge, etwa bei der Streamingnutzung.

Von Jänner bis April 2024 hätten die Nettoviews gegenüber 2023 um 35 Prozent zugelegt. Aus der neuen Bewegtbildstudie der RTR leitet der ORF ab, dass er mit seinen Onlineangeboten in Österreich Streamingmarktführer vor Amazon Prime Video und Netflix ist. Allerdings lässt er dabei nach STANDARD-Infos Youtube elegant unter den Tisch fallen.

ORF On startete mit Jahresbeginn als Testversion und löste Ende Mai die TVthek ab.
ORF On Screenshot

Auf Flughöhe mit Netflix und Amazon

Die Bewegtbildstudie von GfK im Auftrag von RTR und Arbeitsgemeinschaft Teletest fragt bei 4000 Menschen in Österreich ab 14 Jahren jeweils im Februar jährlich ihre Videonutzung ab. In der Bewegtbildstudie wurde noch die alte ORF-Streamingplattform TVthek abgefragt, sie kam auf 45,6 Prozent beim Gesamtpublikum in der Kategorie "zumindest in den letzten vier Wochen genutzt".

Tatsächlich weist die Bewegtbildstudie 2024 in dieser Kategorie Amazon Prime Video 42,4 Prozent aus, Netflix 41,3 Prozent, Disney+ 22,2 Prozent und Joyn von ProSiebenSat1Puls4 18,5 Prozent (bei Joyn laufen auch ORF-Inhalte).

Die Bewegtbildstudie hat allerdings noch einen Player in ihren Daten, den gleich 76,3 Prozent der Menschen ab 14 in den vergangenen vier Wochen genutzt haben: Youtube. Man kann natürlich argumentieren, dass dort viele Uploads von Userinnen laufen würden, die mit den anderen Streamingangeboten nicht ganz vergleichbar wären.

ORF On noch nicht abgefragt

Die neue ORF-Streamingplattform ORF on wurde in der Bewegtbildstudie im Februar 2024 noch nicht ausgewiesen, dort findet sich nur die altbekannte Marke ORF-TVthek. ORF On ist mit dem neuen ORF-Gesetz (und dem ORF-Beitrag) zu Jahresbeginn gestartet, zunächst bis in die zweite Maihälfte als Testversion und parallel zur TVthek. Mit 21. Mai wurde die neue ORF-On-App ausgespielt, die TVthek verschwand in die digitalen Jagdgründe.

Interne ORF-Daten: 35 Prozent Plus

ORF-interne Daten, die Stiftungsräten präsentiert wurden, verweisen auf deutliche Zuwächse bei den sogenannten Nettoviews, definiert als zusammenhängende Nutzungsvorgänge (im Gegensatz zu Videostarts, Bruttoviews genannt): 35 Prozent mehr Nettoviews sollen demnach alle ORF-Angebote (inklusive Nutzung auf Joyn) von Jänner bis April 2024 im Vergleich zu diesem Zeitraum 2023 verzeichnet haben.

Den Großteil dieser Nutzung soll ORF On (inklusive TVthek) generiert haben, zweitgrößte Videoplattform in dieser Rechnung ist ORF.at, die sogenannte blaue Seite, gefolgt von Sport.orf.at und dem Anteil der ORF-Inhalte auf Joyn.

"ZiB 3"-Team soll auf Youtube weiterwerken

Parallel entwickelt die ORF-Information einen Youtube-Channel, der nach dem Sommer starten soll. Nach STANDARD-Informationen soll sich das Team der "ZiB 3" zusammen mit der Social-Media-Redaktion der ORF-Info über den Sommer der Entwicklung für Youtube widmen und sich fürs Erste in eine Sommerpause verabschieden. Ob die Sendung im Herbst wieder auf den TV-Schirm zurückkehrt, soll noch evaluiert werden, hieß es im ORF. (Harald Fidler, 11.6.2024)