Wenn es eine bewusste Gesichtsgestaltung gibt für "Ich speib mich gleich an", dann konnte man sie bei der ORF-Diskussion am EU-Wahlabend kurz bei Neos-Vertreter Helmut Brandstätter registrieren.

Wollte nicht mehr hinsehen: Helmut Brandstetter, Neos-Spitzenkandidat bei der EU-Wahl.
APA/HELMUT FOHRINGER

Die Neos sind ja eher die Partei der gepflegten Bürgerlichkeit. Helmut Brandstätter selbst ist bisher nicht durch Rüpelhaftigkeit aufgefallen.

Der FPÖ-Mann Harald Vilimsky hingegen dauernd. So auch wieder in der ORF-Diskussion, denn der Art, wie er da ständig andere unterbrach und ihnen völlig Erlogenes unterstellte, galt auch Brandstätters angeekelter Gesichtsausdruck. Im Übrigen finden viele, dass Vilimsky ein unerträglicher Krawallheini ist. Gewonnen hat er trotzdem. Oder seine Partei hat gewonnen. Die Spitzenkandidaten waren ja laut Wahlumfrage nicht das große Motiv für die Wahlentscheidung.

Aber das vollkommen unzivilisierte Auftreten von Vilimsky störte seine Wähler nicht. Wie sie auch das unzivilisierte Auftreten des Parteichefs Hebert Kickl nicht stört. Im Bierzelt grölen sie ihnen ja sogar zu, aber das sind nur die engeren Anhänger.

Das erklärt aber nicht Platz eins. Einen beträchtlichen Teil der an sich gemäßigten Bürgerinnen und Bürger müssen manche Probleme so drücken, dass sie die radikalen Rabiatkünstler von der FPÖ in Kauf nehmen. Bevor da die Demokraten nicht eine Antwort darauf finden, werden viele Leute die Vilimskys wählen. Wir verstehen es nicht, aber es ist so. (Hans Rauscher, 10.6.2024)