Spitzenkandidat Harald Vilimsky und FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl
FPÖ-Spitzenkandidat Harald Vilimsky und FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl.
APA/HELMUT FOHRINGER

Wien – Die EU-Wahl am Sonntag hat die erwartete Premiere gebracht: Erstmals schaffte es die FPÖ auf Platz eins – und das nicht nur bei einer EU-Wahl, sondern bei einer bundesweiten Wahl überhaupt (abgesehen vom ersten Wahlgang bei der Bundespräsidentschaftswahl 2016). Bisher hatten stets ÖVP oder SPÖ bei Europawahlen die Nase vorne. Die laut vorläufigem Endergebnis 25,36 Prozent (inkl. aller Wahlkartenstimmen) bedeuten aber nicht das beste bundesweite Ergebnis der FPÖ überhaupt.

Bestes Ergebnis im Jahr 1995

Denn dieses erzielten die Freiheitlichen beim ersten Europa-Wahlgang nach dem EU-Beitritt 1995: Am 13. Oktober 1996 erreichte die FPÖ 27,53 Prozent. Damit lag die FPÖ auch besser als bei ihrem besten Nationalratswahl-Ergebnis (1999 mit 26,94 Prozent). Dennoch reichte es für die Blauen damals nur für Platz drei – hinter ÖVP und SPÖ.

Dass die FPÖ bei der heurigen EU-Wahl auf Platz eins kam – wenn auch etwas unter den meisten Umfragewerten –, zeigt die aktuelle Stärke der Partei. Denn traditionell schnitten die Freiheitlichen bei EU-Wahlen meist schlechter ab als bei Nationalratswahlen.

Das 1996er-Ergebnis bei der EU-Wahl bildete diesbezüglich eine Ausnahme: Bei der vorangegangenen Nationalratswahl vom 17. Dezember 1995 erzielten die Blauen nur 21,89 Prozent.

EU-skeptische Wählerschaft

Bei den Wahlgängen nach 1996 zeigte sich dann das typische Bild: Die freiheitliche, eher EU-skeptische Wählerschaft war für die Europawahlen meist schlechter zu mobilisieren als für Nationalratswahlen. Im Wahljahr 1999 kam die FPÖ bei der EU-Wahl im Juni zunächst auf 23,4 Prozent (Platz drei hinter SPÖ und ÖVP), bei der Nationalratswahl im Oktober dann auf 26,91 Prozent (Platz zwei hinter der SPÖ).

Bei den Urnengängen 2002 (Nationalrat) und 2004 (EU-Wahl) konnte die damals krisengeschüttelte FPÖ bei der Nationalratswahl mit 10,01 Prozent neuerlich mehr Stimmen auf sich vereinen als bei der EU-Wahl (6,31). Auch der Vergleich der Nationalratswahl 2008 (17,54 Prozent) mit der EU-Wahl 2009 (12,71) zeigt dieses Bild, ebenso die Wahlgänge 2013 (NR-Wahl mit 20,51 Prozent) versus 2014 (EU-Wahl mit 19,72 Prozent).

Nur bei den Urnengängen im vom Ibiza-Video überschatteten Wahljahr 2019 konnte die FPÖ bei der EU-Wahl, die knapp nach Aufpoppen des Skandals am 26. Mai stattfand, mit 17,2 Prozent noch etwas besser abschneiden als bei der Nationalratswahl. Diese fand am 29. September statt und brachte dann – als der Ibiza-Skandal seine volle Wirkung entfaltet hatte – einen Absturz auf 16,17 Prozent (FPÖ-Ergebnis bei der NR-Wahl davor 2017: 25,97 Prozent). (APA, 10.6.2024)