Männer in Anzüge und mit Taschen der Marke
Einerseits wird der "Man in Finance"-Sound für Satirevideos genutzt, andererseits gibt es zuhauf ernstgemeinte Tipps, wie man sich einen reichen Mann angelt.
IMAGO/Michael Gstettenbauer

Ist das schon ein Sommerhit? An Man in Finance gab es in den vergangenen Wochen auf Tiktok kein Vorbeikommen. "I'm looking for a man in finance, trust fund, 6'5'', blue eyes", singt Megan Boni. Ende April postete die 27-jährige New Yorkerin alias Girl On Couch ein Video, in dem sie den Text einspricht. Andere Nutzer:innen bastelten aus dem 20-sekündigen Video ein Sample – auf Tiktok reichen schon wenige Sekunden für einen viralen Hit. Unzählige Remixes existieren inzwischen, unter anderem von Superstar David Guetta, mit dem Boni zusammenarbeitete.

Hinter dem Sample steckt Satire, wie Megan Boni der BBC erklärte: Es war ihre eigene Datingmüdigkeit, der Frust mit Apps wie Tinder und Co. Diese hätten Ansprüche an potenzielle Partner:innen nämlich in absurde Höhen geschraubt, zugleich würden sich Menschen – wie sie selbst – über ihr Singledasein beschweren. Einen reichen Mann, der als Banker arbeitet, fast zwei Meter groß ist und blaue Augen hat, suche sie also gar nicht wirklich. "Es ist ein Witz. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass es einen Mann gibt, der diese Kriterien erfüllt", sagt sie im Interview.

Mit ihrem Dating-App-Frust ist Boni nicht allein. Immer mehr junge Menschen kehren Tinder und Co den Rücken – insbesondere Frauen. So wird der Man in Finance-Sound in den sozialen Medien auch für Satirevideos genutzt. Etwa wenn eine Nutzerin gemeinsam mit ihrem Hund um den gesuchten Traummann betet. Eine andere junge Frau wiederum würde sich mit einem Partner zufriedengeben, der drei Mahlzeiten kochen könne und wisse, dass man die Bettwäsche regelmäßig wechseln müsse, erzählt sie. Und wie bei jedem Social-Media-Trend darf auch eine Katzen-Version des Videos nicht fehlen ("I'm looking for man with whiskers" – "Ich suche einen Mann mit Schnurrhaaren").

Reich heiraten – ein Konzept von gestern

Doch längst nicht alle Inhalte, die sich der Suche nach dem reichen (Hetero-)Mann widmen, laufen unter dem Label Satire. Unzählige User:innen warten auf Tiktok und Co mit Tipps auf, wo frau auf vermögende Männer treffen könne und welche Ansprüche diese an eine Frau hätten, die sie nicht nur daten, sondern auch heiraten würden. Möglichst feminin und immer perfekt gestylt aussehen etwa – bloß nicht in Jogginghosen vor die Tür gehen. Dazwischen klären freilich einzelne Influencerinnen darüber auf, dass Wohlhabende am liebsten unter sich bleiben. Der Aufstieg durch Heirat ist ein Auslaufmodell – das belegen inzwischen Studien.

Das Märchen vom reichen Prinzen scheint aber kaum an Anziehungskraft verloren zu haben. Zwischen Man in Finance-Clips mischen sich aktuell die Videos sogenannter Tradwives und Stay-at-home-Girlfriends, die ihre traditionelle Rollenaufteilung zelebrieren – fast immer im schicken, geräumigen Heim.

Und auch wenn Menschen zunehmend im ähnlichen Bildungs- und Vermögensmilieu auf Partner:innensuche gehen, der Gender-Wealth-Gap ist nach wie vor Realität. In Österreich besitzen Frauen in Paarhaushalten durchschnittlich 28 Prozent weniger Vermögen als Männer, errechneten die Ökonominnen Alyssa Schneebaum, Julia Groiß und Barbara Schuster.

Megan Boni dürfte indes auf dem besten Weg zum eigenen Treuhandvermögen sein. Nach ihrer Singleproduktion mit David Guetta strebe sie nun keine Karriere als Musikerin an, erzählte sie der BBC, ihre Talente lägen vielmehr in den Bereichen Comedy und Schauspiel. Ein bisschen fühle sie sich aber auch schlecht: "Manche Künstler versuchen ihr ganzes Leben lang, einen Plattenvertrag zu bekommen, und ich saß nur auf meiner Couch." (Brigitte Theißl, 12.6.2024)