Religionsunterricht in den Schulen ist keine Lösung, die uns weiterbringt.
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Muslime stellen beinahe schon die größte religiöse Gruppe in den Volksschulen in Wien. Ihr Anteil beträgt 35 Prozent, Tendenz steigend. Das ist Wasser auf die Mühlen der FPÖ, die vor der islamistischen Gefahr warnt und damit ihre Politik betreibt. Das ist eine Entwicklung, die tatsächlich vielen Menschen Sorge und einigen wohl auch Ängste bereitet. Es geht um Identität, um die Angst vor einer Entfremdung, vor einer Polarisierung, vor einem Clash der Kulturen.

Diese Ängste mögen im Groben nicht berechtigt sein, noch gibt es keinen Kampf der Religionen, im Alltagsleben steht der Glaube nicht im Vordergrund. Aber es gibt Grund, sich Sorgen zu machen: Es gibt radikale Tendenzen, es gibt einen aggressiven politischen Islam, der neben sich keine andere Religion duldet und einen missionarischen Auftrag hat.

In vielen Bereichen funktioniert das Zusammenleben gut, aber nicht immer. Es gibt Vorfälle, die wir als Gesellschaft so nicht dulden sollten. Männer und Söhne, die der Lehrerin unter Berufung auf den Islam nicht die Hand geben. Jugendliche, die andere beleidigen, weil sie die falsche Religion hätten. Mädchen, denen unter Berufung auf die Religion die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben untersagt wird. Es gibt auch den Islam, der den Judenhass predigt.

Herausforderung für Schulen

Der Umgang mit so vielen Kindern und Jugendlichen, die aus einem anderen Kulturkreis kommen, die von ihren Eltern Wertvorstellungen vermittelt bekommen, die mit unseren nicht übereinstimmen, ist eine Herausforderung. Das betrifft in erster Linie die Schulen.

Religionsunterricht, unterteilt in katholisch, protestantisch, orthodox und islamisch, ist mit Sicherheit keine Lösung, die uns weiterbringt. Ein gemeinsamer Ethikunterricht wäre ein guter Beitrag, um die Integration zu forcieren. Ein Ethikunterricht, in dem die Weltreligionen vorgestellt und besprochen werden, in dem auch Werte wie Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung angesprochen werden, wäre sinnvoll. Nichts zu tun, sich zu fürchten oder nur zu hetzen bringt uns keinen Millimeter weiter. (Michael Völker, 11.6.2024)