Der Angriff ereignete sich im Beishan Park am Rande der Vier-Millionen-Stadt Jilin im Nordosten Chinas.
AP/Zhu Wanchang

Bei einem Messerangriff im Nordosten von China sind vier US-amerikanische Universitätsdozenten verletzt worden. Der Angriff auf die Lehrenden hat sich bereits am Montag kurz vor Mittag ereignet, wie sowohl chinesische als auch US-Vertreter mittlerweile bestätigten. Erst im Laufe des Dienstags wurde darüber in internationalen Medien berichtet – in chinesischen Medien und auf sozialen Medien ist dazu kaum etwas zu finden.

Der Vorfall hat sich in einem Vorort der Stadt Jilin im Beishan Park ereignet. Der Montag war in China ein Feiertag, nämlich das Drachenbootfest. Die vier US-Amerikaner besuchten die beliebte Parkanlage mit Tempel in Begleitung eines einheimischen Kollegen, als sie plötzlich von einem Mann angegriffen wurden. Bei dem Täter handelt es sich um einen 55-jährigen Mann, wie die lokale Polizei am Dienstag angab. Sein Name deutet auf Han-Ethnizität hin. Der Mann wurde laut Polizei verhaftet.

Der Mann sei demnach während eines Spaziergangs "mit einem Ausländer zusammengestoßen", wie die Behörde angab. Daraufhin stach er mit einem Messer auf ihn, seine Begleiter und einen weiteren Chinesen, der zur Hilfe geeilt war, ein, hieß es weiter.

Auf Videos, die unter anderem auf X kursierten, ist zu sehen, wie die vier nach dem Angriff teilweise stark blutend am Boden lagen. Alle Opfer seien ins Spital gebracht worden, gab das chinesische Außenministerium am Dienstag an. Die Verletzungen seien nach Angaben der Polizei aber nicht lebensbedrohlich gewesen.

"Zufälliger Vorfall"

Zu den Hintergründen gibt es bisher wenige Informationen. Das chinesische Außenministerium gab an, dass es sich um einen "zufälligen Vorfall" handle, der "den normalen partnerschaftlichen Austausch zwischen China und den USA nicht beeinträchtigen" würde. Eine Untersuchung sei eingeleitet worden.

Wie diverse Medien berichten, waren die vier Dozenten zu einer zweiwöchigen Lehrtätigkeit an die dortige Beihua-Universität gereist. Ihre Heimat-Uni, das kleine Cornell College in Iowa (nicht zu verwechseln mit der Cornell University), hat seit 2018 einen Vertrag mit der Beihua-Universität, die zweiwöchige Aufenthalte in Jilin finanziert, um dort Lehrveranstaltungen in Mathematik, IT und Physik abzuhalten. Derartige Programme und Abkommen gibt es in China mit vielen Universitäten im Westen, vor allem Privatunis.

Nach den Covid-Jahren will China wieder mehr Touristen ins Land locken, unter anderem hat es dafür Anreize wie visumfreie Einreisen gesetzt. Mit den USA waren die Beziehungen in den vergangenen Jahren schwierig; zuletzt hat sich das Verhältnis aber wieder gebessert. Nach einem Treffen zwischen den Präsidenten Joe Biden und Xi Jinping im letzten Herbst hat Xi etwa Anfang des Jahres bekanntgegeben, 50.000 US-Amerikaner zum Studium nach China einzuladen.

In den USA gilt aber weiterhin Reisewarnstufe drei für China, und zwar aufgrund der Gefahr von willkürlicher Festnahmen und Ausreiseverboten. Aktuell studieren rund 900 US-Amerikaner in China – gegenüber 290.000 chinesischen Studierenden in den USA.

Keine Infos im chinesischen Netz

Hu Xijin, ein ehemaliger Chefredakteur der staatlichen Zeitung Global Times, ermahnte am Dienstag auf X, dass es sich um einen "isolierten Fall" handeln würde, "ungeachtet des Motivs des Angreifers". "Die allgemeine Stimmung in der Bevölkerung gegenüber ausländischen Touristen auf Märkten und in Touristenorten ist freundlich", fügte er hinzu.

In China sind Berichte über die Attacke – wie so oft – kaum auffindbar. Auch von offizieller Stelle fielen die Reaktionen verhalten aus. Erst am Dienstag gab es erste offizielle Stellungnahmen. Schon zuvor hat etwa der Abgeordnete Adam Zabner den Angriff aber bestätigt, weil sein Bruder einer der Verwundeten ist. "Ich habe mit David gesprochen. Er erholt sich von seinen Verletzungen, und es geht ihm gut. Meine Familie ist unglaublich dankbar, dass David diesen Angriff überlebt hat", sagte Zabner zu Reuters.

Auch die Kongressabgeordnete von Iowa, Mariannette Miller-Meeks, schrieb am Montag auf X, dass man mit "den richtigen Stellen" in Kontakt sei, um sicherzustellen, dass "die Opfer zunächst eine hochwertige Versorgung für ihre Verletzungen erhalten und dann China auf medizinisch vertretbare Weise verlassen können".

In China kommt es immer wieder zu Messerattacken. Die Waffengesetze sind in dem Land sehr streng. In den vergangenen Monaten kam es zu Angriffen in einer Schule, in einem Spital und auf offener Straße. China hält sich mit Berichten über die Angriffe zurück. Nicht immer haben die Angriffe politische Motive, wie etwa bei den verheerenden Messerangriffen von Kunming 2014. (saw, 11.6.2024)