Kundgebung in Frankfurt am Main.
Kundgebung in Frankfurt am Main.
IMAGO/Peter Henrich / HEN-FOTO

London – 92 Länder sind derzeit in Konflikte verwickelt, so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Dies zeigt der Global Peace Index der Denkfabrik Institut für Economics and Peace (IEP), der am Dienstag in London veröffentlicht wurde. Österreich rückte in der 18. Ausgabe des Index unter die drei friedlichsten Länder der Welt vor und liegt hinter dem Nato-Mitglied Island und dem neutralen EU-Staat Irland. Der Jemen löste Afghanistan als das am wenigsten friedlichste Land ab.

Hauptverantwortlich für die Verschlechterung sind die Konflikte im Gazastreifen und in der Ukraine, heißt es in dem Bericht. Im Vorjahr seien 162.000 Tote durch bewaffnete Konflikte gezählt worden. In 97 Ländern habe sich die Friedenssituation im Vorjahr verschlechtert, mehr als in jedem anderen Jahr seit Einführung des Index 2008. Auch die Militarisierung verzeichnete die größte Verschlechterung seit Bestehen des Index. 108 Länder hätten im Vorjahr eine höhere Militarisierung aufgewiesen. Die größte regionale Verschlechterung habe es in Nordamerika gegeben, wo Gewaltkriminalität und Angst vor Gewalt zunahmen. Die Region Nahost und Nordafrika (MENA) sei aber weiterhin die am wenigsten friedliche Region. Israel fiel in der Liste aufgrund des Gazakriegs auf Platz 155, ein Allzeittief. Palästina rutschte auf Platz 145 ab.

Nur noch wenige Kriege werden durch Friedensabkommen beendet

Die weltweiten wirtschaftlichen Auswirkungen von Gewalt betrugen 19,1 Billionen Dollar (17.757,53 Milliarden Euro), was 13,5 Prozent der globalen Wirtschaftskraft entspricht. Das sei ein Anstieg um 158 Milliarden Dollar, was insbesondere auf konfliktbedingte BIP-Verluste zurückzuführen ist. Verschwindend gering sind die Ausgaben für friedenserhaltende Maßnahmen. Sie beliefen sich auf 49,6 Milliarden Dollar, was 0,6 Prozent der gesamten Militärausgaben der Welt entspricht.

IEP-Gründer Steve Killelea verwies insbesondere auf die wirtschaftlichen Risiken durch die zunehmende Gewalt. Regierungen und Unternehmen "müssen unbedingt ihre Bemühungen verstärken, um die vielen kleineren Konflikte zu lösen, bevor sie zu größeren Krisen eskalieren", so Killelea.

Der Bericht zeigt nämlich auch eine Veränderung des Charakters von Konflikten. So sei zum Beispiel die Zahl der Konflikte, die durch Friedensabkommen beendet wurden, seit den 70er-Jahren von 23 auf vier Prozent zurückgegangen. (APA, 11.6.2024)