Menschen halten Palmblätter vor einer Kirche in Osttimor in die Höhe, im Hintergrund ist ein Marienbild zu sehen.
Gläubige feiern den Palmsonntag in der osttimoresischen Hauptstadt Dili im April 2023.
EPA/ANTONIO DASIPARU

Die Tage vom 9. bis 11. September werden von den Behörden in Osttimor mit Freude erwartet, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Bei einem Teil der Bevölkerung hält sich die Freude dagegen in Grenzen. Der Grund dafür sind genau diese Vorbereitungen: Für den Besuch des Papstes ergreift die Regierung harsche Maßnahmen, wie die NZZ schreibt. Für die Errichtung einer eigenen Stätte für die Feierlichkeiten würden Familien umgesiedelt, berichtet die Zeitung.

Hintergrund ist der Bau eines Altars für eine Freiluftmesse in Tasitolu, einem westlichen Außenbezirk der Hauptstadt Dili. Für den Pazifikstaat mit seinen rund 1,3 Millionen Einwohnern ist der Besuch des Pontifex Maximus ein wichtiges Ereignis. Denn fast die gesamte Bevölkerung ist katholisch – weniger ein Erbe der portugiesischen Kolonialherren als vielmehr des Kampfes gegen die indonesische Besatzung, die 1975 nur Tage nach der Unabhängigkeitserklärung Osttimors erfolgte. Dass sich das Land 2002 schließlich selbst verwalten konnte, hängt auch entscheidend mit dem Engagement von José Manuel Ramos-Horta und Bischof Carlos Filipe Ximenes Belo zusammen, die dafür 1996 den Friedensnobelpreis erhielten.

Familien müssen Zuhause aufgeben

Heute ist Ramos-Horta wieder Präsident, und seine Regierung greift für den Besuch des Oberhauptes der römisch-katholischen Kirche, zu dem hunderttausende Gläubige erwartet werden, tief in die Tasche: Insgesamt zwölf Millionen US-Dollar seien veranschlagt, sagte der zuständige Minister im April der örtlichen Agentur Tatoli. Für den armen Staat ist das viel Geld – aber immerhin werde der Besuch des Oberhaupts der katholischen Kirche "sehnsüchtig erwartet", wie die Agentur Tatoli verlautbart.

Papst Franziskus steht im Vatikan neben José Manuel Ramos-Horta.
Papst Franziskus gibtJosé Manuel Ramos-Horta im Jänner 2024 eine Privataudienz.
AFP/VATICAN MEDIA/HANDOUT

Doch Stimmen aus der Bevölkerung widersprechen diesen offiziellen Verlautbarungen, wie die NZZ schreibt. Denn die Regierung lässt Häuser in der Nähe des im Bau befindlichen Altars abreißen und siedelt dafür Familien um. Warum sie das tut, erklärt sie offiziell nicht, aber jeder auf der Insel scheint die Gründe zu kennen: Zu groß sind offenbar die Sicherheitsbedenken wegen der Nähe zum neuen Altar. Dafür müssen die Familien ihr Zuhause aufgeben. "Der Papstbesuch sollte eigentlich ein Segen für uns sein. Er bereitet uns jedoch Kummer", zitiert die NZZ eine Betroffene, deren Haus nur 200 Meter vom neuen Altar liegt und das bald dem Erdboden gleichgemacht werden soll.

Offiziell erklärte die Kirche in Osttimor, die Umsiedlungen hätten nichts mit dem Besuch von Papst Franziskus zu tun. Doch ein Priester bat den Papst, wegen der Umsiedlungen nicht nach Osttimor zu reisen. Dass der 87-jährige Argentinier bei seiner Asienreise im Herbst diesem Rat folgen wird, scheint allerdings unwahrscheinlich zu sein. (Noah Westermayer, 14.6.2024)