Bruckner Liszt Raiding
Jahresjubilar Anton Bruckner schlüpft bei Abbé Liszt gleichsam unter: Die Academia Allegro Vivo gratuliert dem Oberösterreicher im schönen Burgenland.
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Das poetische Element sei aus "unseren modernen Staaten verschwunden", an seine Stelle eine "unbegrenzte Ausdehnung der Industrie" getreten. Was nach einer verdrießlichen, doch nicht ganz falschen Gegenwartsanalyse klingt, ist bereits im Jahr 1837 geschrieben worden – und erstaunlicherweise von Franz Liszt. Der Mann, der heute gern auf die Rolle eines hysterisch bekreischten Klavierstars reduziert wird, war tatsächlich um vieles mehr: ein wagemutiger Komponist, wortgewaltiger Autor, freigiebiger Mäzen und, trotz dörflicher Provenienz, offenherziger Weltbürger.

Ab diesem Donnerstag erinnert an seinem Geburtsort wieder ein Konzertreigen an den Charakterkopf: Die acht Termine des burgenländischen Liszt-Festivals Raiding bringen bis zum 23. Juni virtuose Kräfte in die 900-Einwohner-Gemeinde. Anfang und Ende bilden zwei originaltönende Auftritte des Orchesters Wiener Akademie. Dazwischen lädt die Pianistin Kateryna Titova zu einem Klavierabend zwischen "Himmel & Hölle", der dem Publikum unter anderem den ersten Mephisto-Walzer des geweihten Abbés Liszt beschert (14. Juni); die US-Pianistin Claire Huangci arbeitet sich an Werken wie der h-Moll-Sonate ab (21. Juni).

Das Janoska Ensemble wiederum wird wohl auch bei seinem diesjährigen Gastspiel in Raiding lustvoll Jazz, Pop und Klassik vermischen (22. Juni), während die Academia Allegro Vivo Anton Bruckner zum 200. Geburtstag gratuliert. Und sonst? Wird sich das Septett Divinerinnen als Botschafter der Wiener Unterhaltungsmusik vorstellen (16. Juni) und das Ensemble Minui große Oper im Kammermusik-Format präsentieren (22. Juni).

Apropos Größe: Konzertsaal und Liszt-Geburtshaus erhalten derzeit um sechs Millionen Euro ein bauliches Update. Die Arbeiten sollen bis März 2025 abgeschlossen sein und dem Areal nicht zuletzt noch etwas mehr Ausstellungsfläche verschaffen, um Liszts Charakterfacetten zu beleuchten. (Christoph Irregeher, 13.6.2024)