"Kollaps oder Stabilität?" Unter diesem Titel suchte der Wirtschaftskammer-Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder nur drei Wochen nach der letzten Veranstaltung neuerlich die mediale Bühne. Denn die Sorgen um den Immobilienmarkt und Wohnbau seien seitdem gestiegen, es werde ein an die Bundesregierung gerichtetes Forderungspapier erstellt. Was es beinhalten wird, blieb am Donnerstag allerdings offen, dafür ist in drei Wochen ein weiteres Pressegespräch vorgesehen. Der nachrichtliche Wert der Veranstaltung blieb somit klein – umso größer war dafür das Wehklagen über den Zustand der Branche und die Finanzmarktaufsicht (FMA).

Der Rohbau eines Einfamilienhauses.
Die Immobilienbranche hadert mit dem schlechten Zustand des Marktes, nachdem dieser von der Finanzkrise 2008 bis 2022 einen massiven Boom verzeichnete.
IMAGO/Daniel Scharinger

Die Behörde hat nämlich die "blöde KIM-Verordnung", wie ein Kammerfunktionär die Verschärfung der Kreditvergabe bezeichnete, erlassen, die der Fachverband im Zusammenspiel mit den hohen Zinsen als derzeit größtes Übel für den Immobilienmarkt ansieht. Vorgegeben wurde der FMA dies jedoch vom Finanzmarktstabilitätsgremium, das im März an der KIM-Verordnung festgehalten hatte. Selbst Menschen mit gutem Einkommen würden auf dieser Basis oft keine Kredite mehr bekommen, klagten die Branchenvertreter, wobei sich meist die Eigenmittelanforderung von rund 20 Prozent als zu hoch entpuppe.

Von Tag zu Tag schlechter

"Der Neubaumarkt ist derzeit tot", sagte Fachverbandsobmann Gerald Gollenz. "Die Zinserhöhungen haben das Ziel erreicht, wir brauchen keine KIM-Verordnung." Es werde kaum noch eine Wohnung verkauft, im laufenden Jahr gebe es einen ersten Einbruch. "Für 2025 wird die Prognose von Tag zu Tag schlechter, was die Neubauleistung betrifft", ergänzte der Obmann, Das Minus betrage bereits 80 Prozent. "Es wird keine Wohnung gekauft, es werden keine Wohnungen gebaut." Wenn nicht gehandelt werde, werde aus dem bereits bestehenden Problem ein "massives Problem".

Weil auch Teile des Baukonjunkturpakets der Regierung nicht funktionierten, arbeitet die Branche nun an einem neuen Forderungspapier. Es gebe offene Fragen bei den staatlich geförderten Darlehen bis 200.000 Euro, bei denen nicht Marktzinsen von über vier Prozent anfallen sollen, sondern nur 1,5 Prozent. Gollenz betonte, es gehe nur noch um eine Schadensbegrenzung. "Wenn wir jetzt reagieren, wird die Talsohle nicht so tief sein und Aufschwung schneller erfolgen", sagte der Obmann, der auf eine rasche Umsetzung hofft. "Wenn wir auf die neue Regierung warten müssen, dann kann man den Immobilienmarkt zu Grabe tragen."

"Bitte Hirn einschalten!"

Weil es dauernd heiße, dass sich niemand mehr Eigentum leisten könne, würden viele erst gar nicht nach einem Kredit fragen, sagt der Wiener Fachgruppenobmann Michael Pisecky. Sein Kollege aus Niederösterreich, Johannes Wild, berichtete von Bauträgern, die das letzte Objekt vor neun Monaten verkauft hätten. Der Bauträgersprecher Hans Jörg Ulreich berichtete, dass nicht nur Wohnungskäufer immer schwerer an Kredite kämen, sondern auch Projektentwickler. "Das Kapital der FMA sind nicht Maschinen, sondern das Hirn. Bitte einschalten!", richtete er eine wenig schmeichelhafte Botschaft an die Aufsicht.

Diese hat freilich eine andere Sicht auf die Dinge: Durch die jahrelange Nullzinspolitik der EZB habe sich in Österreich eine Immobilienblase gebildet. Seit 2010 waren die Immobilienpreise in Österreich um 115 Prozent gestiegen, während die Einkommen nur um 55 Prozent nach oben gingen. Am Höhepunkt Mitte 2022 waren Immobilien in Österreich um 36 Prozent überbewertet, in Wien sogar um mehr als 40 Prozent. Ende des Vorjahres hieß es von der Aufsicht, die Blase sei zumindest nicht mehr größer geworden. (Alexander Hahn, 13.6.2024)