Die Idee klingt einfach: Viele Supermärkte, Shoppingmalls und Fachmarktzentren, die es im ganzen Land gibt, könnten mit Wohnungen überbaut werden. So würde dringend benötigter neuer Wohnraum entstehen, für den gleichzeitig keine neuen Flächen mehr versiegelt werden müssten. Die Autofahrt zum Supermarkt oder zum Bäcker spart man sich obendrein: Sie sind ja schon da.

Erste baumhouse-Projekte
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Über solche Überbauungen von Gewerbeflächen wird seit vielen Jahren geredet. Die dadurch aber tatsächlich bereits entstandenen Wohnungen sind immer noch rar. Denn es gibt Widmungs- und rechtliche Fragen, meinen Immobilienprofis. "Und es ist komplexer als das Bauen auf der grünen Wiese", sagt Dietmar Reindl, früherer COO der Immofinanz und Geschäftsführer von Baumhouse. "Aber wir müssen uns ein bisserl anstrengen."

Einfache Schuhschachteln

Mit seinem Unternehmen will Reindl das Aufstocken von Gewerbeflächen vorantreiben. Denn noch stehen die meisten Fachmarktzentren und Supermärkte als einfache Schuhschachteln in der Landschaft. Noch unter Reindls Leitung hat die Immofinanz, der Fachmarktzentren im In- und Ausland gehören, 2021 das Konzept "On Top Living" präsentiert. Das ambitionierte Ziel: Innerhalb von zehn Jahren sollen 70 Retailparks im In- und Ausland mit 12.000 Wohnungen in modularer Holzbauweise überbaut werden – auch als Antwort auf immer strenger werdende Nachhaltigkeitskriterien der EU.

Erste baumhouse-Projekte
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Den Startschuss wollte man mit einem Fachmarktzentrum in Simmering machen. Doch daraus wurde nichts. Erstes Projekt geplant Dietmar Reindl glaubt weiterhin an das Konzept. Er hat der Immo¬finanz die Planung für das erste Projekt abgekauft und weiterentwickelt. Eine Schau-Wohnung, die 2021 unweit des Immofinanz-Firmensitzes aufgebaut wurde, hat er als Büro angemietet, um potenziellen Investoren einen Eindruck des Wohnens in den Modulen aus Lärchenholz geben zu können.

Erste Projekte

Offenbar mit Erfolg, denn für Investoren spiele die Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle. Die ersten Projekte sind in der Pipeline, erzählt Reindl. Eines davon sei schon konkret über einem Supermarkt samt Parkplatz in Wiener Neustadt in Planung, wo 160 Mietwohnungen im Baurecht entstehen sollen. Die passende Widmung gibt es, nun startet das kooperative Verfahren mit der Stadt. Weitere Projekte sind für den Süden Wiens und in der Nähe von Linz geplant.

Allerdings funktioniere nicht jede Lage, betont Reindl: "Aber wir können mit dem Konzept Wohnlagen in Wohnrandlagen ausdehnen." Auch der Nutzungsmix spiele eine wichtige Rolle – es gehe nicht nur um leistbare Mietwohnungen, sondern auch um Ausbildungs-, Betriebs- und sogar betreubare Wohnungen.

Die Statik der Bestandsgebäude wiederum ist weniger wichtig, weil die Module in ein brückenartiges Stahlbetonskelett gesteckt werden, das von hinten an die Gebäude gerückt wird. Die Geschäfte im Erdgeschoß können also während der Bauzeit geöffnet haben. Die Miete in Wiener Neustadt soll bei maximal 10,50 Euro pro Quadratmeter liegen. "20 Prozent unter der Marktmiete" sei immer das Ziel. Und eine gemischte Nutzung, bei der am Ende alle glücklich sind. (Franziska Zoidl, 19.6.2024)