Felix Zwayer leitete das Match zwischen Italien und Albanien in souveräner Manier.
AFP/INA FASSBENDER

Dortmund/München – Felix Zwayer durfte zufrieden sein. Sein EM-Debüt hatte der deutsche Schiedsrichter souverän gemeistert, die Partie zwischen Italien und Albanien ohne Fehler über die Bühne gebracht. Doch tief in der Nacht, um 1.35 Uhr, kam dann doch wieder Kritik am umstrittenen Unparteiischen auf. "Dieses Spiel wird als eine große Schande in die glorreiche Geschichte der deutschen Schiedsrichter der letzten Jahrzehnte eingehen", motzte Zwayers Ex-Kollege Manuel Gräfe beim Kurznachrichtendienst X – und eröffnete damit einmal mehr eine seit Jahren andauernde Diskussion.

Auch in der Nacht von Samstag auf Sonntag stand nicht etwa Zwayers Leistung im Fokus – das musste sie auch gar nicht. Gräfe störte sich vielmehr daran, dass der gelernte Immobilienkaufmann überhaupt ein EM-Spiel hatte leiten dürfen. Schon die EM-Nominierung Zwayers war schließlich nicht unumstritten gewesen. Seine Verstrickung in den Manipulationsskandal um Robert Hoyzer hängt dem Berliner bis heute nach, 2021 hatte Zwayer nach scharfer Kritik vom damaligen Dortmunder Jude Bellingham infolge umstrittener Entscheidungen im Bundesliga-Topspiel gegen Bayern München sogar eine Pause eingelegt.

Auch Gräfe hatte Zwayer in der Vergangenheit immer wieder hart angegriffen, so auch in der Nacht auf Sonntag. Ein Schiedsrichter, der in Spielmanipulation verwickelt gewesen sei "und darüber sechs Monate lang bis zum letzten Moment schwieg", schrieb der 50-Jährige, "der damit weitere Manipulationen ermöglichte, vom eigenen Verband verurteilt wurde, wird von DFB/Uefa (Nulltoleranz bei Spielmanipulationen?!) für die EM nominiert und für dieses Spiel angesetzt". Das passe "in diese seltsame Zeit, in der Verbindungen wichtiger sind als Werte und Leistungen (er ist bestenfalls Durchschnitt). Andere Schiedsrichter hätten es mehr verdient ...".

Zwayer hatte den Wettskandal um Hoyzer 2005 mit ins Rollen gebracht. Er wurde allerdings selbst für sechs Monate gesperrt, weil er dessen Spielmanipulationen erst mit Verspätung angezeigt hatte. Laut Urteil des DFB-Sportgerichts soll er zudem von Hoyzer selbst 300 Euro angenommen haben, um als Linienrichter in einem Spiel gegen Werder Bremen II "kritische Situationen für den Wuppertaler SV zu vermeiden". Eine tatsächliche Einflussnahme sei ihm nicht nachzuweisen. Zwayer bestreitet die Geldannahme bis heute vehement.

Auch deswegen durfte er nun bei der EM pfeifen – und wird das wohl auch weiterhin dürfen. Patrick Ittrich attestierte seinem Kollegen bei Magenta TV jedenfalls eine "richtig gute" Leistung. Weitere Einsätze für Zwayer sind also alles andere als ausgeschlossen – genauso wenig wie die anschließende Kritik von Gräfe. (sid, 16.6.2024)