Das neueste Opfer im Handelskrieg zwischen China und dem Westen sind Schweine. Genauer gesagt handelt es sich um europäische Schweinefleischimporte nach China. Peking hat am Montag angekündigt, eine Untersuchung der Einfuhren durchzuführen und diese eventuell mit Strafzöllen zu belegen.

Schlachthof in China
Bauern in Spanien, Dänemark und den Niederlanden könnten unter den bevorstehenden Maßnahmen Chinas leiden.
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Noch geschieht der Schlagabtausch allerdings mit Ansage. Aus chinesischer Sicht sollen die Zölle wehtun, ohne die Beziehungen zwischen Brüssel und Peking zu sehr zu beschädigen. Im vergangenen Jahr hatte die EU Schweinefleisch im Wert von 1,8 Milliarden US-Dollar nach China exportiert. Das ist ein recht kleiner Teil des gesamten Handelsvolumens zwischen China und der EU. Dieses lag 2023 bei 282 Milliarden US-Dollar. Die noch zu verhängenden Strafzölle betreffen vor allem Bauern in Spanien, Dänemark und den Niederlanden.

Es begann mit E-Autos

Der Streit hatte im Mai begonnen, als der US-Präsident Strafzölle in Höhe von 100 Prozent auf chinesische Elektro-Fahrzeuge verhängt hatte. Als Begründung der Maßnahme nannte Washington chinesische "Überkapazitäten" und "Dumpingpreise". Tatsächlich subventioniert Peking seit Jahren die gesamte Wertschöpfungskette bei der Herstellung von Elektromobilen. Das beginnt beim Abbau der Rohstoffe, die für die Herstellung von Batterien notwendig sind, und endet bei Kaufanreizen für die Verbraucher. Unternehmen wie BYD und NIO konnten mit staatlicher Unterstützung so auch außerhalb Chinas signifikante Marktanteile erobern.

Vergangene Woche zog die EU-Kommission nach. Die Zölle auf chinesische Importe fallen zwar wesentlich moderater aus als auf die amerikanischen – sie liegen zwischen zehn und 38 Prozent. Für Unmut in Peking sorgten sie trotzdem. Dort hatte man darauf gesetzt, dass die EU nicht dem Beispiel Washingtons folgen würde. Auch führende Automobilhersteller wie Volkswagen und Mercedes-Benz hatten davor gewarnt. Die Unternehmen verkaufen nach wie vor rund 30 Prozent ihrer Autos in China – vor allem Verbrenner aus dem Premiumsegment. Sie fürchteten chinesische Vergeltungsmaßnahmen.

Nicht eskalieren

Dass es nun Schweine und nicht deutsche Premiumautos trifft, deutet darauf hin, dass Peking den Streit vorerst nicht eskalieren will. Zudem waren die chinesischen Schweineimporte in den vergangenen Jahren stark gefallen: 2020 hatte China noch vier Millionen Tonnen importiert. 2023 waren es nur noch 1,5 Millionen. Einfuhrzölle auf Verbrenner stehen allerdings nach wie vor auf der Agenda.

Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck will kommende Woche nach China reisen. Zum Teil dürfte es bei seinem Besuch auch darum gehen, die Wogen im Handelsstreit zu glätten. Einfach ist die Aufgabe allerdings nicht: Die EU steckt angesichts der geopolitischen Rivalität zwischen den USA und China in einer Zwickmühle. Einerseits kommt Druck aus Washington auf Brüssel, sich weiteren Sanktionen anzuschließen. Andererseits ist die EU nicht nur vom chinesischen Absatzmarkt abhängig, sondern importiert zum Beispiel auch die für die Energiewende notwendigen Mittel wie Solarzellen aus der Volksrepublik. (Philipp Mattheis, 19.6.2024)