Grafik eines herzförmigen roten Luftballons (vor rosa Hintergrund), der an einem Faden hängt und von der Hand einer Figur per Schere abgeschnitten wird.
Wenn eine Liebesbeziehung gekappt wird, ist das oft für mindestens eine Seite schmerzhaft. Aber kann man sich auch vom Trennungsschmerz trennen? Neue Therapien könnten dabei helfen.
tommy / Getty Images

"We all go from heartbreak to happy to heartbreak", singt die irische Indie-Musikerin Orla Gartland: das Leben als endlos abwechselnde Folge von Glücklichsein und Herzschmerz. Aber was kann man tun, wenn von Herzschmerzliedern über Gespräche im Freundeskreis bis zur Psychotherapie nichts gegen Liebeskummer hilft? Laut einer iranisch-deutschen Forschungsgruppe könnten gezielte Stromimpulse ins Gehirn eine Lösung sein.

Für ihre Studie wurden 36 Probandinnen und Probanden Elektroden an der Kopfhaut angebracht. Für 20 Minuten, zweimal täglich eine Arbeitswoche lang, wurden Bereiche im Gehirn stimuliert, die die Regulierung von Emotionen beeinflussen. Das Ergebnis: Im Vergleich zur Kontrollgruppe berichteten die Testpersonen mit echter Behandlung signifikant häufiger von abgeschwächten Symptomen des sogenannten Love Trauma Syndrome.

Stimulation im Leistungssport

Dabei handelt es sich um eine starke, krankhafte Form von Liebeskummer. Wer extrem unter einer Trennung leidet, hat oft mit Angstzuständen, Schlaflosigkeit, Depressionen und Gefühlen der Hilflosigkeit zu kämpfen und weist ein erhöhtes Suizidrisiko* auf. Dagegen kann Verhaltenstherapie helfen, doch nicht allen Betroffenen profitieren von dieser Behandlung, schreibt das Forschungsteam unter der Leitung von Michael Nitsche von der Universität Bielefeld und dem Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit im Journal of Psychiatric Research. Daher sei es nützlich, andere Methoden zu erforschen.

Die hier genutzte Methode wird transkranielle Gleichstromstimulation genannt. Ein schwacher elektrischer Strom wird durch Kopfhaut und Schädelknochen ins Gehirn geleitet, wo das elektrische Feld die Leitfähigkeit bestimmter Neuronen beeinflussen dürfte. Zwar verstehen Fachleute noch nicht die genauen Mechanismen, doch in der klinischen Forschung und sogar im Leistungssport wird die Methode durchaus erfolgreich genutzt, weil Athletinnen und Athleten dadurch etwa höher und weiter springen können – zumindest kurzfristig.

Schmerzfreie Methode

Bei der aktuellen Studie ging es jedoch darum, je eine von zwei Hirnregionen zu stimulieren, die mit erfolgreicher Emotionsregulierung in Verbindung stehen (den ventrolateralen sowie den dorsolateralen präfrontalen Kortex). Es gibt Hinweise darauf, dass chronischer Stress, zu dem auch langfristiger Liebeskummer zählt, Nervenschaltkreise für sozial-emotionale Funktionen stören kann. In schwerwiegenden Fällen können sich daraus Fehlanpassungen und psychiatrische Störungen entwickeln. Dem könnte man therapeutisch entgegenwirken.

Die angewandte Gleichstromstimulation gilt als schmerzlos und wird nur zu Beginn an der Kopfhaut wahrgenommen. Das macht man sich auch für Kontrollgruppen zunutze: Einige Teilnehmende bekamen auch in dieser Studie eine Scheinstimulation, indem der Strom am Anfang der Behandlung eingeschaltet und nach 15 Sekunden wieder ausgeschaltet wurde.

Freiwillige iranische Studierende

Erstautor Jaber Alizadehgoradel von der Universität Zanjan im Iran rekrutierte für die Liebeskummerforschung mit Kolleginnen und Kollegen hunderte freiwillige Studierende. Die Hirnstimulationsstudie, bei der ein etwa 500 Euro teures Kopfband mit Elektroden zum Einsatz kam, war allerdings nur für maximal 45 Personen ausgelegt, von denen – etwa aus Zeitgründen – nur 36 das vollständige Prozedere durchliefen. Sie erfüllten die Kriterien für das Love Trauma Syndrome, zu denen etwa eine emotionale Langzeitstörung gehört.

Im Mittel lag die Trennung eineinhalb bis zwei Jahre zurück, ähnlich lang hatten die Beziehungen gedauert. Die meisten gaben an, dass sie mit ihrem Ex-Partner oder ihrer Ex-Partnerin bereits beschlossen hatten zu heiraten. Bei manchen handelte es sich um arrangierte Beziehungen, andere waren ohne das Wissen ihrer Familien liiert gewesen und mussten entsprechend auch ihren Kummer verheimlichen. Angesichts der strengen iranischen Normen dürfte es wenig überraschen, dass keine der Testpersonen angegeben hat, ob sie sexuell mit dem Partner oder der Partnerin aktiv gewesen ist.

Anhaltender Effekt

Die signifikant positiven Ergebnisse der einwöchigen Behandlung hielten offenbar auch längerfristig an. Einen Monat später ging es den Betroffenen, die nicht zur Kontrollgruppe gehörten, wesentlich besser. Eine der beiden Hirnregionen lieferte zudem bessere Resultate als die andere und könnte bei künftigen Studien besonders berücksichtigt werden.

Mit der Methode werden bereits klinische Studien zur Behandlung milder Formen von Depressionen durchgeführt. Freilich sollten die Ergebnisse zur Liebeskummersymptomatik mit größeren Probandenzahlen reproduziert werden. Auch wenn zu hoffen wäre, dass es sich als schwierig gestaltet, Testpersonen zu finden. (sic, 22.6.2024)