Die heimische Wolfspopulation hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Von 2022 auf 2023 gab es einen Anstieg von annähernd 25 Prozent. Doch diese Daten täuschen über die Tatsache hinweg, dass wir es auf dem Bundegebiet immer noch mit einer sehr geringen Zahl von Tieren zu tun haben: Die Vorjahreszählung kam auf 96 Exemplare, darunter 18 Welpen.

Wolfsforschung

Die Angst vor dem Räuber ist trotzdem groß. Insbesondere in der Jägerschaft und bei Nutztierhaltern gibt es starke Vorbehalte gegenüber der Rückkehr der Wölfe. Häufig gründet sich diese Ablehnung auf Missverständnisse und falsche Vorstellunge. Das Wolf Science Center (WSC) im Wildpark Ernstbrunn trägt mit seinen Forschungen viel dazu bei, das schiefe Bild etwas gerade zu rücken.

Dafür braucht es natürlich auch Wölfe, doch Zuwachs stellt sich selten ein. Umso größer ist daher nun die Freude über den Einzug von drei Welpen, dem ersten Nachwuchs seit acht Jahren. Im zur Vetmeduni gehörenden Wolfsforschungszentrum in Niederösterreich werden das Geschwisterpaar Meeko und Kaya sowie das Weibchen Aiyana nun von Hand aufgezogen, wie das WSC mitteilt. Die drei nordamerikanischen Grauwölfe (Canis lupus lycaon) stammen aus Wildparks und Zoos aus der EU.

Welpen, Wölfe in Ernstbrunn
Das Geschwisterpaar Meeko und Kaya und das Weibchen Aiyana sind im Wolf Science Center (WSC) in Ernstbrunn eingezogen.
Foto: APA/WSC/FRANZISKA FREUDENSPRUNG

Notwendige Sozialisierung

"Die drei kleinen Wolfswelpen halten alle Tiertrainerinnen ordentlich auf Trab. Den Kleinen geht es sehr gut, sie legen jeden Tag ordentlich an Gewicht zu und erkunden mit viel Energie ihr Gehege. Langweilig ist den kleinen Entdeckern und damit uns Menschen nie", schilderte die wissenschaftliche Leiterin Marianne Heberlein. In den ersten fünf Monaten werden die Welpen rund um die Uhr von den Tiertrainerinnen des WSC betreut. Diese intensive Sozialisierung stelle einen engen und vertrauten Umgang mit den Bezugspersonen auch im Erwachsenenalter sicher. Dadurch werde die Forschungstätigkeit im Grunde erst ermöglicht.

Die Freude über die Jungtiere ist jedenfalls groß. "Nachwuchs im Wolfsforschungszentrum bedeutet für die Forscherinnen und Forscher der Vetmeduni, ihre langjährigen Forschungsarbeiten fortsetzen zu können und somit weiter international sichtbare Spitzenforschung zu generieren", wurde Otto Doblhoff-Dier, Vizerektor für Forschung und internationale Beziehungen der Vetmeduni, zitiert. Insgesamt leben nun zehn Wölfe und 13 Hunde in der Forschungseinrichtung.

Vom Wolfsforschungszentrum werden ab sofort auch Patinnen und Paten für die drei Jungtiere gesucht. Geboten werden im Gegenzug u.a. regelmäßige Informationen über die begleitenden wissenschaftlichen Arbeiten. Die Einnahmen seien "für die kostenintensive Aufzucht und Haltung der Tiere in weitläufigen Gehegen sehr wertvoll", wurde betont. (red, APA, 19.6.2024)