Wracks aus der Ming-Dynastie, Porzellan
Tausende kostbare Porzellanobjekte stapeln sich in den Überresten eines Wracks in rund 1500 Meter Tiefe. Nur ein Teil davon konnte geborgen werden.
Foto: NCHA/Handout via Xinhua

Als die beiden Wracks 2022 auf dem Grund des Südchinesischen Meeres entdeckt wurden, ahnten das Forschungsteam bereits, dass hier buchstäblich Schätze lauern. Und wirklich: Bei zahlreichen Tauchgängen holten Unterwasserarchäologen in den darauffolgenden Monaten an den beiden Fundstellen hunderte Kostbarkeiten aus der Tiefe. Nun wurden die Funde der Öffentlichkeit vorgestellt.

Wie sich aus dem geborgenen Objekten schießen lässt, stammen die beiden nur in Fragmenten erhaltenen Wracks aus der Zeit der Ming-Dynastie, die zwischen 1368 und 1644 im Kaiserreich China an der Macht war. Die Fundorte vor der Küste von Sanya, einer Stadt auf der chinesischen Insel Hainan, liegen etwa 22 Kilometer voneinander entfernt. Beide befinden sich in einer Tiefe von rund 1500 Meter.

Wrack im Südchinesischen Meer, Porzellan
Eine Überblicksaufnahme zeigt: Die Laderäume waren randvoll mit Porzellan.
Foto: NCHA

Über 900 Artefakte

Im Jahr 2023 begannen Forschende im Auftrag der chinesischen Behörde für das nationale Kulturerbe (NCHA) mit der mühsamen Aufgabe, die beiden Wracks mit dem bemannten Tiefseetauchboot Shenhai Yongshi (Tiefseekrieger) und ferngesteuerten Tauchbooten zu kartieren und freizulegen. Seither konnten mehr als 900 Artefakte an die Oberfläche gebracht werden.

Den bisherigen Untersuchungen zufolge segelten beide Schiffe rund um 1500 im Dienst des Seehandels entlang der maritimen Seidenstraße. Wrack Nummer eins stammt aus der Zhengde-Periode zwischen 1506 und 1521 und hatte vermutlich mehr als 100.000 Stück Porzellangeschirr an Bord als es sank. Unterwasseraufnahmen von der Fundstelle zeigen stapelweise Schalen, Teller und Krüge mit exquisitem Dekor. Von diesem Schiff wurden insgesamt 890 Relikte geborgen. Neben den zahlreichen Porzellan- und Keramikobjekten fand man auch eine große Zahl von Kupfermünzen.

500 Jahre altes Porzellan
500 Jahre altes Porzellan in neuem Glanz.
NCHA/Handout via Xinhua

Abfahrende und Heimkehrer

Das Wrack Nummer zwei ist einige Jahre älter. Das Schiff befuhr die Meere während der Hongzhi-Periode der Ming-Dynastie zwischen 1488 und 1505. Seine Ladung bestand hauptsächlich aus gestapelten Kaki-Holzstämmen und einigen wenigen Porzellan- und Töpferwaren. 38 antike Stücke wurden aus den Überresten dieses Wracks geholt, darunter auch Hirschgeweihe.

Wahrscheinlich waren die beiden Schiffe auf der selben Route in unterschiedliche Richtungen unterwegs gewesen, als sie (mit vielen Jahren Abstand) untergingen. Während Schiff Nummer eins mit den Laderäumen voller Teller, Schalen, Figuren und anderen Gefäßen von der damaligen chinesischen Porzellanhauptstadt Jingdezhen kam, kehrte Schiff Nummer zwei mit Holz aus der Ferne zurück.

Porzellan vom Meeresboden
Auch farbenfrohe Porzellanfiguren waren unter den vom Meeresboden geborgenen Stücken.
Foto: NCHA/Handout via Xinhua

Dass zwischen den beiden Fundstätten nur 22 Kilometer liegen, bezeichnete das Team um Guan Qiang vom NCHA als ungewöhnlichen Zufall: Es sei das erste Mal, dass ein ankommendes und ein abfahrendes Schiff so nahe beieinander gefunden wurden. Es spricht viel dafür, dass die Schiffe auf einer wichtigen Handelsroute unterwegs waren. "Die Funde helfen uns dabei, die vielen offenen Fragen rund um die maritime Seidenstraße zu beantworten", meinen die Forschenden. (tberg, red, 19.6.2024)