Ökofen-Chef Stefan Ortner.
Wenn das Heizen zum Politikum wird, sei das nie gut für den Markt, meint Ökofen-Chef Stefan Ortner und verweist auf Deutschland und den Streit über das Heizungsgesetz. Österreich habe es besser gemacht.
Foto: Florian Voggeneder

Der Sommer hat nun auch in Niederkappel Einzug gehalten. In der 50 Kilometer von Linz entfernten Mühlviertler Gemeinde produziert Ökofen Pelletskessel und seit neuestem auch Wärmepumpen. Nach dem Rekordjahr 2022 gab es einen massiven Einbruch, nun gehe es wieder langsam aufwärts, sagt Firmenchef Stefan Ortner.

STANDARD: Wie oft haben Sie den russischen Einmarsch in die Ukraine schon verdammt?

Ortner: Sehr oft. Es ist menschlich ein Drama, was sich dort abspielt. Wir haben Geflüchteten eine Wohnung gegeben und bekommen so hautnah mit, was dort passiert.

STANDARD: Russlands Überfall hat auch die Energiemärkte in Aufruhr versetzt. Wie haben Sie das erlebt?

Ortner: Plötzlich wollten alle schnell raus aus Öl und Gas, was bei uns zu einem extremen Nachfrageschub geführt hat. Dann sind die Energiepreise durch die Decke gegangen, die Leute waren extrem verunsichert und haben abgewartet, statt rasch in ein zukunftsfähiges, sauberes Heizsystem zu investieren. Auch unter diesem Aspekt haben wir Russlands Vorgehen oft verdammt.

STANDARD: Wann haben Sie realisiert, dass etwas vorher für kaum möglich Gehaltenes geschieht?

Ortner: Im Frühsommer 2022, als die Gaspreise in die Höhe geschossen sind. Plötzlich haben auch Leute mit uns gesprochen, die von der Gasheizung wegwollten. Das war vorher ein sehr schwieriger Markt.

Herbert und Stefan Ortner vor der Zentrale von Ökofen in Niederkappel im Mühlviertel.
Unternehmensgründer Herbert Ortner mit Sohn Stefan, dem jetzigen Unternehmenschef, vor der Firmenzentrale in Niederkappel, OÖ.
Foto: Florian Voggeneder

STANDARD: Wieso?

Ortner: Weil die Gasheizung immer sehr günstig war. Gas hat den größten Anteil am Heizungsmarkt. Wenn diese Tür aufgeht, kann es große Dimensionen annehmen.

STANDARD: In welchem Bereich war die Wechselbereitschaft zu Pellets vorher am größten?

Ortner: Bei Heizöl. Das muss anders als Gas ja ebenfalls gelagert werden.

STANDARD: Aber auch Holzpellets haben sich dann rasant verteuert?

Ortner: Eine Überreaktion. Davon waren auch Pellets betroffen. Die gesamten Energiemärkte haben verrückt gespielt. Die Preise sind seither aber deutlich gesunken. Eine Tonne Pellets kostet aktuell 286 Euro. Heizöl ist doppelt so teuer, Gas kostet sogar um 180 Prozent mehr. Pellets sind im zeitlichen Verlauf konstant günstiger als Öl und Gas. In den zurückliegenden zehn Monaten beispielsweise sind die Preise konstant gefallen, den gesamten Winter hindurch. Das hat es in dieser Form auch noch nicht gegeben.

STANDARD: Es ist nicht das erste Mal, dass der Pelletspreis nach oben schießt, das war auch um das Jahr 2006, 2007 der Fall.

Ortner: Damals haben Betreiber von Kohlekraftwerken in großem Stil begonnen, auch Pellets zu verfeuern, weil es sich wirtschaftlich gerechnet hat. Mit einem Kontrakt haben die so viel eingekauft, wie ganz Österreich gebraucht hat. Das hat den Preis hinaufgeschnalzt. Dann war es lange Zeit sehr stabil. Auch jetzt schaut es wieder gut aus.

STANDARD: Mit welchen Kosten ist zu rechnen, wenn man sich eine Pelletsheizung einbauen lassen will?

Ortner: Das hängt stark vom Gebäude und dem Ort ab, wo jemand wohnt – im Schnitt ist man mit 25.000 bis 30.000 Euro gut dabei. Davon sind dann noch die Förderungen abzuziehen, die es beim Heizungstausch gibt.

STANDARD: Bis zu 75 Prozent der förderbaren Kosten, oder?

Ortner: Es gibt Bundes- und Landesförderungen, letztere sind unterschiedlich hoch. Zusammen ergibt das die 75 Prozent. Die maximale Fördersumme beträgt je nach Region 16.000 bis 27.500 Euro, in Ausnahmefällen bis zu 35.000 Euro.

STANDARD: Die Bundesförderung wurde zuletzt aufgestockt. Merken Sie, dass die Nachfrage anspringt?

Ortner: In Österreich ja. Seit Bekanntgabe der Förderhöhe ist die Verunsicherung verschwunden, die Stimmung gut. In Deutschland hingegen ist von Dynamik noch nichts zu sehen. Dort ist der Heizungstausch zu einem Politikum geworden. Das ist meistens nicht gut für den Markt.

Ökofen-Chef Stefan Ortner.
Hofft auf einen zeitnahen Aufschwung auch in Deutschland, dem zweitwichtigsten Exportmarkt für den Pelletsheizungserzeugers nach Frankreich: Ökofen-Chef Stefan Ortner
Foto: Florian Voggeneder

STANDARD: Was müsste geschehen, damit die Nachfrage in Deutschland wieder anspringt. Das ist doch ein wichtiger Absatzmarkt für Ökofen?

Ortner: Unser zweitwichtigster nach Frankreich. Die verantwortlichen Politiker müssten sich hinstellen und sagen, wir haben alles vorbereitet, Förderungen gibt es auch, gar nicht wenig, es kann losgehen. Das traut sich niemand, weil sie das Thema nicht wieder hochkochen wollen. Wir hoffen dennoch, dass die Nachfrage zeitnah anspringt.

STANDARD: Warum heißt Ökofen Ökofen und nicht Ortner? Andere Kesselbauer haben doch auch ihren Familien- zum Firmennamen gemacht.

Ortner: Mein Vater hat das Unternehmen als Gesellschaft für ökologische Forschung und Entwicklung gegründet, abgekürzt Ökofen. Das war der Beginn. Nach einigen Jahren wollten wir den Namen ändern, weil immer wieder Leute gefragt haben, was Ökofen heißt. Uns wurde davon abgeraten, weil marketingtechnisch nichts Besseres passieren kann, als dass Leute stehen bleiben und sich fragen, was das ist. Würde man beispielsweise Ortner Bioheizung schreiben, wäre das ein Alltagsname, der im nächsten Moment schon wieder vergessen wäre.

STANDARD: Warum ist ausgerechnet Frankreich Ihr stärkster Exportmarkt?

Ortner: Wir hatten ursprünglich Skandinavien im Auge, mussten uns aber eines Besseren belehren lassen. Dort gibt es viele dezentrale Fernwärmenetze und somit wenig Platz für Pelletsheizungen.

STANDARD: Frankreich als Atomkraftland, wo viele aus Tradition mit Strom heizen, hat bessere Voraussetzungen?

Ortner: Es war mehr oder weniger Zufall, dass mein Vater auf einer Studienreise des oberösterreichischen Energiesparverbands nach Rhône-Alpes, eine alpine Region mit viel Holz, mit jemandem in Kontakt kam, der jetzt unser Partner ist. Nicht jeder und nicht jede ist in Frankreich ein Fan der Atomkraft. Die Leute suchen auch Alternativen.

STANDARD: Ihr Vater hat vor 35 Jahren mit Hackschnitzeln begonnen. Warum der Switch zu Pellets?

Ortner: Wie wir angefangen haben, gab es bei uns noch keine Pellets, das ist eine amerikanische Erfindung. Unser Ziel war immer, mit automatischen Holzheizungen in Einfamilienhäuser vorzudringen. Mit Hackschnitzeln geht das nicht, die brauchen große Lagerflächen.

Blick auf das Werk von Ökofen in Niederkappel in OÖ.
Ökofen hat den Standort in Niederkappel im oberösterreichischen Mühlviertel im Vorjahr nochmals erweitert.
Foto: Florian Voggeneder

STANDARD: Wann ging es mit den ersten Pelletsheizungen los?

Ortner: Vor 27 Jahren. Im Jänner 1997 hat mein Vater den ersten Pelletskessel zur Typenprüfung nach Wieselburg gebracht. Es war, soviel ich weiß, weltweit der Erste.

STANDARD: Sie haben jüngst für Aufsehen gesorgt mit der weltweit ersten Pelletsheizung, die auf einem Segelfrachtschiff eingesetzt wird. Wie das?

Ortner: Die Betreibergesellschaft der Grain de Sail II, die monatlich bis zu 350 Tonnen Kaffee, Kakao und andere nachhaltige Güter über den Atlantik schippert, hat angefragt, ob wir einen speziellen Kessel zur Wärmeversorgung auf dem Segelschiff entwickeln könnten. Es geht in diesem Fall darum, den CO2-Fußabdruck beim Transport der Fracht zu minimieren. Uns hat die Herausforderung gereizt, und es ist uns tatsächlich gelungen, eine Lösung zu finden, dass die Pellets auch bei hohem Seegang auf dem Brennteller bleiben. Aber das ist und bleibt wohl auch in Zukunft eine Nische.

STANDARD: Bei den Wärmepumpen, die sie seit Neuestem auch herstellen, handelt es sich wohl mehr als um ein Nischenprodukt. Ist das ein zweites Standbein für Ökofen?

Ortner: Wir sind im Vorjahr in den Wärmepumpenmarkt eingestiegen. Es ist mehr eine Ergänzung unseres Portfolios als ein zweites Standbein. Wie bei den Pelletskesseln wollen wir uns auch bei den Wärmepumpen mit einer speziellen Steuerungssoftware und entsprechendem Zusatznutzen von der Konkurrenz abheben.

STANDARD: Wie gut fühlen Sie sich von der Wirtschaftskammer vertreten? Man hat den Eindruck, dass das Herz dort immer noch stärker für die traditionelle Industrie schlägt und weniger für Unternehmen aus dem Bereich der Umwelttechnologien.

Firmengründer Herbert Ortner neben dem 1997 zur Typenprüfung angemeldeten ersten Pelletskessel.
Damit hat 1997 alles begonnen. Ökofen-Gründer Herbert Ortner vor dem "Pellematic", dem mit hoher Wahrscheinlichkeit weltweit ersten Pelletskessel.
Foto: Florian Voggeneder

Ortner: Diesen Eindruck teile ich. Wir würden uns mehr Innovationsgeist und nach vorn gerichtetes Denken wünschen. Die Energiewende erfordert die Mitarbeit aller.

STANDARD: Ob Pelletskessel, Wärmepumpe oder eine andere Heizungstechnologie – ohne Installateur geht schlicht nichts. Es gibt aber zu wenige. Was kann, was soll man tun?

Ortner: Die Gewerbeordnung ein bisschen flexibler gestalten. Damit wäre schon viel geholfen. In Frankreich beispielsweise können Handwerker einen Installateurbetrieb auch ohne Meisterprüfung aufsperren und qualifizierte Leute einstellen. So könnte man auch bei uns die Energiewende im Heizungskeller ankurbeln. (Günther Strobl, 23.6.2024)