Der schwedische Musicalsänger Anton Zetterholm lebt seit wenigen Monaten mit seiner Familie in Wien-Hietzing. Besuch macht ihn nicht einmal dann nervös, wenn dieser in den Kühlschrank schaut.

"Ich habe vor zehn Jahren schon einmal in Wien gewohnt, in einer Theaterwohnung mit einem Stuhl, einem Teller, einem Löffel. Es war praktisch für einen Schauspieler, aber total deprimierend. Jetzt bin ich älter und hab mit meiner Frau zwei Kinder. Darum wollten wir es wenigstens ein bisschen schöner haben.

Anton Zetterholm und Harriet Jones in ihrer Wohnung, die sie nie selbst besichtigt haben.
Lisi Specht

Und es war tatsächlich schön, bis unsere Kinder alles kaputtgemacht haben – den Fernseher, zum Beispiel, der gerade bei der Reparatur ist, oder eine alte Lampe. Die Wohnzimmercouch wurde auch schon bemalt. Darum ist es bei uns jetzt nur noch praktisch.

Ich habe nette Kollegen, die für mich zu Besichtigungen von Wohnungen in Wien gegangen sind. Diese 120 Quadratmeter große Wohnung mit Garten habe ich von Schweden aus auf einer Immobilienplattform gefunden. Mein Kollege Dominik Hees war für mich da, und nach der Besichtigung hat er gesagt: Sie ist zu 96 Prozent perfekt. Das hat gereicht.

Tatsächlich gesehen habe ich sie erst, als ich im Jänner nach Wien gekommen bin. Meine Familie ist erst einige Wochen später gekommen. Untertags habe ich geprobt, abends Wände gestrichen und Kinderzimmer eingerichtet. Weil wenn die Kinder dann kommen, fängt das Leben an, da bleibt keine Zeit mehr zum Aufbauen.

Wo zuvor der Fernseher war, hängt nun vorübergehend ein selbstgemaltes Bild.
Lisi Specht

Der Garten ist jetzt im Sommer toll. Wir haben in Südschweden ein 100 Jahre altes Haus, das aussieht wie aus einem Buch von Astrid Lindgren, dort konnten wir immer die Tür öffnen und rausgehen. Darum bin ich so froh, dass wir in Wien einen super Mix gefunden haben. Mit dem Rad bin ich in 15 Minuten im Theater, und trotzdem sind wir ein wenig außerhalb und haben einen Garten.

In 20 Jahren können wir uns vielleicht wieder so einrichten, wie es uns gefällt. Bis dahin improvisieren wir. Anstelle des Fernsehers hängt aktuell die alte Schlagfläche eines Schlagzeugs an der Wand, die ich bei Phantom der Oper aus dem Müll gerettet und mit meinem Sohn bemalt habe.

Im Garten steht ein Elch von Ikea. „Die Küche ist vielleicht der schlimmste Teil der Wohnung“, sagt Anton Zetterholm, gekocht wird hier dennoch viel.
Lisi Specht

Einige Gegenstände wie den alten Esstisch und die Betten haben wir aus Schweden mitgebracht. Wir hatten einen kleinen Lkw, mit dem wir die Kinderfahrräder und Spielsachen transportiert haben. Da hatten wir noch ein wenig Platz und haben eingepackt. Einige Möbel waren auch bereits hier. Wir sind uns bei der Einrichtung nicht immer einig, aber wir nähern uns immer mehr an. Ich würde sagen: Harriet lernt dazu. Aber sie sieht das umgekehrt.

Eigentlich sind wir in Schweden ziemlich gut darin, uns wohnlich einzurichten. Ich glaube, das kommt davon, dass es fünf oder sechs Monate im Jahr so dunkel ist. Darum arbeiten wir viel mit Licht und Glas. Vielleicht kaufe ich deshalb so gerne alte Lampen. Wohnen hat in Schweden jedenfalls einen großen Stellenwert. Man trifft sich nicht im Café, sondern zu Hause. Und es ist ganz normal, dass man dann sofort eine Tour durch das Haus bekommt. Harriet ist Engländerin, dort ist das undenkbar. In Skandinavien ist es aber völlig normal, bei anderen Leuten in den Kühlschrank zu schauen.

Wer zu Besuch kommt, bekommt eine Führung durch die Wohnung: in Schweden normal.
Lisi Specht

Wir kommen beide aus Familien, in denen es immer viele Gäste gegeben hat. Wir werden also nicht nervös, wenn Besuch kommt. Aber ganz ehrlich: Vor zwei Stunden hat es hier noch nicht so ausgeschaut wie jetzt. Ich hab bei der Zusage für das Wohngespräch zu den Vereinigten Bühnen gleich gesagt: Ich mach es, wenn ihr mir beim Putzen helft. Leider habe ich nie eine Antwort bekommen.

Wohnen ist für mich Kochen und Schlafen. Ich esse viel vor der Show und nach der Show, auch wenn die Küche vielleicht der schlimmste Teil der Wohnung ist. Sie ist ganz dunkel, und die Anrichten sind niedriger als in den Ikea-Küchen, die wir sonst gewohnt sind. Wir werden noch mindestens ein Jahr hier leben. Wie es danach weitergeht, wissen wir noch nicht. So ist das Leben als Schauspieler. Unser Wohntraum wäre daher unser schwedisches Haus, aber zum Mitnehmen." (8.7.2024)