Kaffee PFAS
Auch Kaffee ist mit PFAS belastet – jedenfalls in den USA. Schuld daran dürfte unter anderem das Wasser sein, das zur Herstellung des Getränks verwendet wird.
AFP/STEFAN WERMUTH

Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (kurz: PFAS, ausgesprochen: Pefas) haben eine Reihe höchst wünschenswerter Eigenschaften: Sie sind wasser- und schmutzabweisend, außerdem hitzebeständig. Deshalb kommen diese industriell hergestellten Chemikalien, von denen es schätzungsweise rund 16.000 verschiedene Verbindungen gibt, in vielen Gegenständen unseres täglichen Lebens vor: in Pfannen ebenso wie in wasserabweisender Outdoor-Bekleidung, in Shampoos oder Kosmetika – um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

PFAS haben aber leider auch zumindest zwei große Probleme: Bestimmte Verbindungen aus dieser Gruppe werden beim Menschen mit Krebs, fötalen Anomalien, hohem Cholesterinspiegel sowie Schilddrüsen-, Leber- und Fortpflanzungsstörungen in Verbindung gebracht. Außerdem können sie auf natürlichem Wege nicht abgebaut werden und gelten daher als Ewigkeitschemikalien. Entsprechend haben sie sich im Boden, im Wasser und in der belebten Natur angereichert. Und auch in Menschen, wie Studien insbesondere aus den USA zeigen konnten.

3000 Schwangere aus New Hampshire

So wies erst im April eine Studie darauf hin, dass Meeresfrüchte besonders belastet sein dürften. Aber das ist noch längst nicht alles, wie eine Nachfolgeuntersuchung ebenfalls von Forschenden um die Epidemiologin Megan Romano (Dartmouth College) zeigt: Laut den neuen Ergebnissen wiesen schwangere US-Amerikanerinnen, die mehr weißen Reis, Kaffee, Eier und Meeresfrüchte essen, typischerweise höhere Konzentrationen der giftigen Chemikalien in ihrer Muttermilch und ihrem Plasma auf.

Außerdem wurde ein Zusammenhang zwischen dem Verzehr von rotem Fleisch und dem Gehalt an PFOS, einer der häufigsten und gefährlichsten PFAS-Verbindungen, festgestellt. Für die Untersuchung, die im Fachblatt Science of The Total Environment erschien, hatten die Forschenden Proben von 3000 schwangeren Müttern aus New Hampshire ausgewertet, dem eher ländlichen Bundesstaat nördlich von Boston. Laut Romano und ihren Kollegen verdeutlichen die Ergebnisse die Allgegenwärtigkeit dieser Chemikalien jedenfalls in den USA und die vielen Wege, auf denen sie in die Lebensmittelversorgung gelangen können.

Gründe für die PFAS-Verunreinigungen

Die höheren PFAS-Werte in (US-amerikanischen) Eiern seien darauf zurückzuführen, dass die Vögel häufiger mit Speiseresten gefüttert werden. Mit PFAS verunreinigter Klärschlamm, der als billige Alternative zu Düngemitteln verwendet wird, kann den Boden verunreinigen, auf dem die Hühner scharren. Die Chemikalien könnten auch im Futter der Hühner enthalten sein. Der Klärschlamm dürfte auch für die Verunreinigungen des Rindfleischs verantwortlich sein.

Beim Kaffee vermuten die Forschenden, dass die Bohnen und das Wasser, das zum Aufbrühen verwendet wird, kontaminiert sein könnten. Frühere Untersuchungen haben auch ergeben, dass Kaffeefilter mit PFAS behandelt werden. Auch Pappbecher oder andere Lebensmittelverpackungen enthalten häufig Ewigkeitschemikalien. Meeresfrüchte wiederum werden mit PFAS kontaminiert, weil die PFAS-Wasserverschmutzung in den USA so weit verbreitet ist. Ein Verbot dieser Chemikalien – mit Ausnahme der unabdinglichen Verwendungszwecke – scheint die einzige Möglichkeit zu sein, das Problem auf breiter Basis anzugehen. So wurden erst kürzlich toxische PFAS (also solche mit Fluorverbindungen) im Skiwachs verboten.

Ernährungsalternativen ohne PFAS

Zu welchen Nahrungsmitteln soll man – in den USA und anderswo – stattdessen greifen? Laut Romano hätten bisherige Untersuchungen ergeben, dass eine Ernährung mit einem hohen Anteil an Obst, Vollkornprodukten und Ballaststoffen mit niedrigeren PFAS-Konzentrationen verbunden sei. Das helfe nicht nur, die Belastung durch die Ewigkeitschemikalien zu verringern, sondern auch durch andere Schadstoffe. (tasch, 6.7.2024)