Rashida Jones (re.) und ihr Botbuddy in der KI-Serie
Rashida Jones (rechts) und ihr Bot-Buddy in der KI-Serie "Sunny" ab 10. Juli auf Apple TV+.
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Sind Roboter sympathischer als Menschen? Nach dem Besuch der Weihnachtsfeier in der Firma ihres Mannes würde Suzie die Frage spontan mit Ja beantworten. Prinzipiell hasst Suzie Bots, ganz besonders hasst sie Sunny. Der Roboter soll bei ihr zu Hause für gute Stimmung sorgen und bewirkt mit maschinenhafter Höflichkeit das genaue Gegenteil. Aber nichts gegen das Betriebsfest mit Speichelleckern und Wichtigtuerinnen. Da hat Suzie Sunny auf einmal richtig lieb.

Es ist nur eine von mehreren Kehrtwendungen, die die in Kioto lebende Amerikanerin Suzie in der Serie Sunny erfahren muss. Nach einem mysteriösen Flugzeugabsturz gelten ihr Mann und ihr Kind als vermisst. Zur Linderung des Schmerzes stellt die KI-Firma, in der ihr Mann arbeitete, besagten Roboter zur Verfügung. Suzie will davon nichts wissen und schaltet das dauerplappernde Gerät schnell auf Schlafmodus.

Nicht aufgeben!

Aber so leicht gibt eine KI nicht auf, und das ist gut so. Suzies macht im Büro ihres Mannes eine furchterregende Entdeckung: Blutspuren auf dem Teppich: Vielleicht ist das doch keine Entführung? Vielleicht sind die beiden sogar noch am Leben? Und vielleicht ist der Blechtrottel doch eine Hilfe bei der Suche?

Mystery und Zukunftstechnologie, das klingt zunächst wie Black Mirror, und in Ansatz und Erzählstil würde Sunny eins zu eins in die britische Anthologieserie passen. KI hat hier schon sämtliche Lebensbereiche erfasst: Turnübungen im Großraumbüro als Morgenritual via Virtual Reality bis zur vollmaschinellen Heimhilfe. So wird das also einmal sein?

Sympathiepunkte für die KI

Vielleicht, grimmig wird es aber erst, wenn sich die KI verselbstständigt und gegen ihre Schöpfer wendet oder menschliche Gefühle entwickelt. Die menschliche Urangst des Kontrollverlusts gegenüber der KI ist spätestens seit Stanley Kubricks 2001 – Odyssee im Weltall auf Film gebannt – ganz schlecht. Am positiven Image der KI muss noch gearbeitet werden. Strahlemädchen Sunny schafft Sympathiepunkte. Am Ende entwickelt sie sogar noch Gefühle.

SUNNY — Official Trailer | Apple TV+
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Bots Fights, Familiendrama, Yakuza-Action, Trash-Comedy und absurde Spiele, die an Takeshi Kitano erinnern: Sunny hat einiges zu bieten, trotzdem müht sich die Story durch die Folgen, die grotesken Humor (illegaler Bots-Fight!) und klassischen Ganovenspaß vereinen und sich mit jeweils 30 Minuten Länge ganz dem Binge-Konsum verschrieben haben. Die zehn Folgen basieren auf dem Roman The Dark Manual des in Japan lebenden irischen Autors Colin O'Sullivan und wurden von Katie Robbins adaptiert, die auch als Showrunnerin für Sunny im Einsatz war.

Obwohl die zehn Folgen zum Teil gewisse Längen haben, funktioniert Sunny vor allem in der Buddy-Beziehung zwischen Frau und Maschine. Rashida Jones hat feine Lost in Translation-Momente, dazu kommt ein aufgewecktes, hauptsächlich weibliches Ensemble, allen voran Suzies Schwiegermutter Noriko (Judy Ongg), die mit Blicken und Worten töten kann, dazu Freundin Mixxxy, gespielt von der japanischen Songwriterin Annie the Clumsy. Die Straßen von Kioto sind finster, den Eliten ist zu misstrauen. Die KI ist ein selbstlernendes System, und Apple muss seine Streaming-Bibliothek füllen. (Doris Priesching, 10.7.2024)