Das französische Mehrheitswahlrecht mit seinen zwei Durchgängen bietet den Wählerinnen und Wählern die Möglichkeit, es sich noch einmal zu überlegen: Zuerst lässt man seinen Frust über die Situation mit einer Stimme für die extreme Rechte (Marine Le Pens Rassemblement National) raus, dann ist einem die Aussicht auf eine rechtsextreme Regierung doch zu viel und man wählt links oder doch noch einmal gemäßigt traditionell.

Die Wahl in Frankreich sorgte am Sonntag für eine große Überraschung.
EPA/YOAN VALAT

Im Mehrheitswahlsystem gewinnt der/die Erstplatzierte den Parlamentssitz des betreffenden Wahlkreises. Die Stimmen werden nicht wie in unserem Verhältniswahlrecht unter allen Parteien aufgeteilt. Deshalb ziehen Linke oder Gemäßigte, die in den Umfragen drittplatziert sind, ihre Kandidatur zurück, um den anderen eine bessere Chance gegen Le Pen zu geben.

Das hat auch diesmal wieder gut funktioniert. Wichtig scheint aber, dass verärgerte und frustrierte Wähler, die im ersten Wahlgang Le Pen wählten, im zweiten Wahlgang in beträchtlichem Ausmaß kein Problem zu haben scheinen, links, ganz links oder eben gemäßigt zu wählen.

Könnte man das auf Österreich übertragen? Nicht so leicht. Wir haben nur einen Wahlgang. Wer aus Protest die Kickl-FPÖ gewählt hat, kann nichts mehr korrigieren. In Analogie zu Frankreich könnten sich höchstens alle anderen Parteien verabreden, auf keinen Fall mit der FPÖ eine Koalition einzugehen. Nicht sehr wahrscheinlich. (Hans Rauscher, 8.7.2024)

Linksruck in Frankreich: Rechte nur auf Platz 3
afp