Ist der Mediano-Stausee südlich der Pyrenäen gefüllt, ragt nur die Turmspitze der versunkenen Kirche aus dem Wasser. Der höhere Bedarf an künstlicher Bewässerung in der wachsenden Agrarindustrie bringt das gesamte Bauwerk zurück ans Licht. Spanien ist der weltweit drittgrößte Exporteur der "durstigen Tierfutterpflanze" Alfalfa, auch bekannt als Luzerne.

Die Kirche steht neben dem Stausee, der wenig Wasser führt
Bei vollem Füllstand des Mediano-Stausees reicht das Wasser bis zur Spitze des Kirchturms.
Arte/Felix Meschede

"Die Frage können sie löschen"

Die US-amerikanische Autorin und Klima-Aktivistin Jennifer Stojkovic spricht in der Arte-Doku Wohin die Flüsse verschwinden am Dienstag um 20.15 Uhr von "bewusster Ignoranz" beim Zusammenhang zwischen Wassermangel und unserer Ernährungsweise.

Was sagt die Industrie selbst dazu, dass die Futtermittelproduktion für austrocknende Flüsse mitverantwortlich ist? “Die Frage ergibt keinen Sinn, die können sie löschen”, antwortet Luis Machín vom Verband der spanischen Alfalfa-Produzenten. Für einen kalifornischen Landwirt ist die Kritik ebenfalls unberechtigt: “Es gibt nicht mehr oder weniger Wasser als zur Zeit der Dinosaurier”, das Wetter werde "einfach zyklischer".

Man spricht von extremem Wasserstress, wenn in einer Region mehr als 40 Prozent des Wassers genutzt werden, das durch Niederschläge verfügbar ist. Darunter leiden etwa Indien, der Süden Afrikas oder der Mittelmeerraum stark. In Ägypten beweisen Satellitenbilder, dass neben Militäranlagen großzügig Alfalfa-Flächen entstehen. Ob des sinkenden Spiegels des Colorado-Rivers bangt eine Angehörige der indigenen Cucapá in Mexiko um ihre Lebensgrundlage – den Fischfang.

Gute Dämme, schlechte Dämme

Durch den Bau von rund 8.000 "Johads" ist es in Nordindien gelungen, Ödland in landwirtschaftlich nutzbare Flächen zu verwandeln. Diese Staubecken halten die Wassermassen des saisonalen Monsuns auf. Das Wasser bahnt sich seinen Weg durch kleine Ritzen im Staudamm, wodurch der Grundwasserspiegel steigt.

Mehr Fluch als Segen für die Biodiversität waren zwei Staudämme an der Sélune in der Normandie. Sie hatten Wanderfischen wie Lachsen den Weg vom Atlantik den Fluss entlang versperrt und wurden abgerissen. Der Film begleitete Biologen, die jubelnd einen Aal aus dem renaturierten Fluss fischten: "Der ist ja wunderschön. Er hat die komplette Wanderung gemacht." (Felix Neumann, 9.7.2024)