Viele Beschäftigte nehmen den Großteil ihres Urlaubs im Sommer. Meist zwei Wochen. Eine Frage stellt sich dabei: Soll man das Diensthandy mitnehmen, oder verabschiedet man sich in der Zeit völlig von der beruflichen Welt? Diesen Fragen ging die deutsche Personalmarketingagentur Königsteiner Gruppe nach und ließ dazu für eine Umfrage 1000 Beschäftigte befragen.

Knapp die Hälfte gab an, hin und wieder auch im Urlaub zu arbeiten. 13 Prozent sagten sogar, dass sie dies regelmäßig tun. Auch der Großteil der restlichen Befragten sei gelegentlich telefonisch oder per Mail sogar im Liegestuhl beruflich verfügbar.

Mann sitzt mit Laptop und Handy am See.
Einerseits will man im Urlaub abschalten. Andererseits hat man vielleicht auch das Bedürfnis, wissen zu wollen, was im Unternehmen passiert.
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Ständig erreichbare Akademikerinnen

Am häufigsten gaben Akademikerinnen und Akademiker an, im Urlaub zu arbeiten. Viele von ihnen achteten sogar bei der Buchung der Unterkunft darauf, dass es dort eine gute Internetverbindung gibt – und das wohlgemerkt aus Arbeitsgründen.

Besonders interessant ist, dass jede und jeder Fünfte im Urlaub aus beruflichen Gründen schon einen Coworking-Space aufgesucht hat. Eine Studie, die diese Tendenz untermauert, ist die Standorterhebung des Bundesverbands Coworking aus dem Jahr 2020. Sie zeigt, dass der Markt für geteilte Arbeitsplätze zum Einmieten in Deutschland wächst. So hatte sich die Zahl der Standorte seit 2018 von rund 300 auf rund 1200 vervierfacht. In der Regel dominieren Coworking-Spaces in urbanen Räumen und Metropolregionen weiterhin den Markt.

Welchen Aufgaben gehen die Befragten im Urlaub nach? Die meisten checken gelegentlich ihre E-Mails, zum Beispiel wenn es darum geht, ein Projekt zu managen. Auch Administratives wird oft am Pool erledigt.

Bei der Führungskraft punkten

Das Bedürfnis, die Lage im Job zu checken, kann auch eine Folge der Unternehmenskultur sein. Eine EU-Studie aus dem Jahr 2020 zeigt, dass fast ein Viertel der Arbeitenden, gelegentlich oder mehrmals in der Freizeit kontaktiert worden ist.

Doch wie kommt es in der Firma an, wenn man von sich aus auch im Urlaub arbeitet? Die meisten Befragten der Königsteiner-Gruppe-Umfrage gehen davon aus, dass die außerplanmäßige Arbeit im Unternehmen positiv bewertet wird. Über die Hälfte denkt, dass man dadurch bei der Führungskraft punkten kann. Einen Karrieresprung erhofft sich demnach aber kaum jemand.

Die Arbeitspsychologin Claudia Altmann verweist im Gespräch mit dem STANDARD darauf, dass dieses Verhalten eventuell sogar negative Auswirkungen auf das ganze Team haben kann: "Wenn ein paar Kolleginnen und Kollegen immer erreichbar sind, werden andere das Gefühl bekommen, sie müssten es ebenso sein." Und auch im privaten Umfeld kommt das Arbeiten in der Urlaubszeit laut der deutschen Umfrage nicht besonders gut an. Die Hälfte der Befragten gibt an, dass die Familie das E-Mail-Checken am Strand nicht gutheißt.

Erreichbarkeit meist nicht verpflichtend

Grundsätzlich ist es gesetzlich nicht verpflichtend, dem Arbeitgeber im Urlaub zur Verfügung zu stehen, außer es ist im Vertrag anders geregelt. Dies ist beispielsweise oft bei Führungskräften der Fall. Es gilt aber zu beachten, dass, sobald eine Arbeitsleistung erbracht wird, dies als Arbeitszeit zählt.

"Wenn die Mehrarbeit freiwillig gemacht wird und in einem vertretbaren Rahmen bleibt, ist das aus Arbeitgebersicht sicher in Ordnung. Schwierig wird es, wenn der Job zum ständigen Begleiter wird. Dann kann das schnell in die Unternehmenskultur übergehen und als erwartbare Leistung wahrgenommen werden", sagt Nils Wagener, Geschäftsführer der Königsteiner Gruppe. Viele Angestellten glauben auch, dass ohne sie in der Firma nichts läuft. Das stimme aber in den meisten Fällen nicht – und so sollte ein Unternehmen auch nicht organisiert und strukturiert sein, meint Altmann.

Doch vielleicht greifen einige Angestellte zum Handy, weil es ihnen nicht leichtfällt, von der Arbeit abzuschalten – selbst wenn man räumlich weit weg vom Büro ist. Arbeitspsychologin Claudia Altmann empfiehlt deswegen, wenn möglich Handy und Laptop abzuschalten oder gar nicht erst in den Urlaub mitzunehmen. (Natascha Ickert, 9.7.2024)