Eine private Halbinsel auf Ibiza mit einer Luxusvilla hoch über dem Meer steht dieser Tage auf einer Immobilienseite unter "Haus Kauf" angeboten, als Kaufpreis für das außergewöhnliche Anwesen in exklusiver Lage werden 29,9 Millionen Euro angeführt. Es ist das Balearen-Domizil der Familie Fellner um Österreich/Oe24-Herausgeber Wolfgang Fellner.

Ähnlich wie schon vor einem halben Jahr, als DER STANDARD auf Willhaben.at Fellners Villa in Wien-Döbling für 25,5 Millionen und bei einem Immobilienhändler entdeckte, schreibt Fellner nun zum Angebot für das Anwesen auf Ibiza auf Anfrage: "Es gibt keinen Verkauf!"

"Österreich/Oe24"-Herausgeber Wolfgang Fellner auf einem Bild aus dem Jahr 2016.
Heribert Corn

Auf Nachfrage, ob er meint, ein renommiertes Immobilienunternehmen wie Engel & Völkers würde eine Immobilie ohne Auftrag des Besitzers oder Verfügungsberechtigten zum Verkauf anbieten, fügt Fellner an: "Hat nichts mit mir zu tun." Eine weitere Nachfrage, ob er, seine Familie oder ihr zuzurechnende Firmen nicht mehr Eigentümer der Villa auf Ibiza sind, beantwortet Fellner nicht. Fellner befindet sich derzeit nach eigenen Angaben in den USA. Dort nutzt er in Malibu ein Anwesen, das früher einmal Regisseur und Produzent Steven Spielberg gehörte, erworben laut Recherchen der Plattform Dossier von 2016 über eine Firma.

DER STANDARD fragte auch bei der Immobilienfirma an, in wessen Auftrag sie das Anwesen auf Ibiza anbietet und ob sie das – wie anzunehmen – nur im Auftrag von Eigentümern und Verfügungsberechtigten tut. Ute Reineke, Office Managerin von Engel & Völkers Ibiza, antwortete darauf: "Sie gehen recht in der Annahme, dass wir ohne Verkaufsauftrag vom Eigentümer kein Objekt zum Verkauf anbieten." Das Angebot war Dienstagfrüh noch online.

"Auf einer Bergspitze direkt am Meer"

Menschen, die früher schon in Fellners Villa auf Ibiza zu Gast waren, bestätigten dem STANDARD, dass das von Engel & Völkers angebotene Domizil eben diese Villa ist.

Der Infinity-Pool mit spektakulärem Blick diente Wolfgang Fellner schon einmal, 2014, als Kulisse für die damalige Social-Media-Erscheinung "Ice Bucket Challenge", bei der sich Menschen Kübel voll Eiswasser über den Kopf schütteten oder schütten ließen und andere Menschen für diese Aktion nominierten. Die Challenge wurde für einen karitativen Zweck erfunden, sie sollte auf eine Nervenerkrankung aufmerksam machen und Spenden für Betroffene sammeln. Fellner nominierte 2014 den damaligen Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) und die damals designierte Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) für die Challenge.

Das Immobilienangebot für das Haus auf Ibiza klingt ziemlich spektakulär: "Durch ein Tor gelangt man auf die Halbinsel, und der Weg führt durch Pinienwälder, vorbei am eigenen Zugang zum Meer, hinauf auf den Hügel, auf dem sich die Villa befindet, von wo aus man überall einen Panoramablick auf das Meer, Tagomago, Mallorca und die malerische Landschaft Ibizas hat. Was dieses Anwesen so außergewöhnlich macht, ist neben der Größe des Grundstücks und des Hauses die Tatsache, dass es eine der wenigen Villen auf der ganzen Insel ist, die auf einer Bergspitze direkt am Meer gebaut wurde." In dem Angebot ist zudem die Rede von rund elf Hektar Grund, 600 Quadratmetern Gesamtfläche, zwei Pools, 13 Zimmern und sieben Bädern. Noch spektakulärer sind die Bilder auf dem Immoportal.

Menschen, die Wolfgang Fellner gut kennen, erklärten das Kaufangebot für die Döblinger Villa um den Jahreswechsel 2023/24 als unverbindliche, nicht ungewöhnliche Sondierung, ob es Kaufinteresse gibt und zu welchem Preis. Das könnte auch in Sachen Ibiza der Fall sein.

Schuldenschnitt, Sanierung, Radio

Die Mediengruppe Österreich der Familie Fellner um die Marken Österreich und Oe24 hat 2022 mit einer Vielzahl kreditgebender Banken einen deutlichen Schuldenschnitt vereinbart, parallel wurde Immobilienbesitz der Familie Fellner verkauft sowie in der Mediengruppe Sanierungsmaßnahmen umgesetzt wie Personalkürzungen, Aufgabe von Büroflächen, Einstellung der eigenen Druckerei und der Sonntagsausgabe von Österreich.

Der geplante Verkauf der Radiomarken (Radio Austria, nun Radio Oe24, und Antenne Salzburg etwa) wurde in der Zwischenzeit aufgegeben; die entsprechenden mit Banken vereinbarten Summen wollte die Gruppe nun anders bedienen. Parallel läuft ein Verfahren über Forderungen in Millionenhöhe von Radio-Lounge-Betreiber Florian Novak gegen die Fellner-Radios, denen Novak für die überregionale Radiolizenz lokale Radiolizenzen verkauft hat. Im Verfahren stellte sich heraus, dass Wolfgang Fellners Bruder und Finanzexperte Helmuth Fellner, bisher allein in beratenden Funktionen bei der Mediengruppe, kurz vor einer Verhandlung selbst Geschäftsführer der Radiogesellschaft wurde. Erst rund eineinhalb Monate später schien die Eintragung auch im Firmenbuch auf.

Die aus vielen Firmen und Firmenverschachtelungen bestehende Fellner-Mediengruppe gehört derzeit großteils laut Firmenbuch einer Mitarbeiterin von Helmuth Fellners Beratungsfirma sowie Helmuth Fellners zwei Kindern. CEO ist Wolfgang Fellners Sohn Niki Fellner, Helmuth Fellners Tochter Alexandra hat 2023 ebenfalls Managementfunktionen in der Gruppe übernommen. (fid, 9.7.2024)