Sonnenuntergang über dem Death Valley, Südkalifornien
Hitzeextreme werden in den kommenden Jahrzehnten immer häufiger. Bereits jetzt leben fünf Milliarden Menschen in Gegenden mit Risiko für solche Klimaereignisse.
Foto: AFP/ETIENNE LAURENT

Die Gefahr, dass besonders lange anhaltende Hitzewellen mit besonders hohen Temperaturen weite Teile der Welt heimsuchen, hat sich durch die Erderhitzung deutlich erhöht. Ein globales Hitzewarnungssystem gibt es allerdings bisher noch nicht. Ein Wissenschafterteam um Chloe Brimicombe von der Universität Graz plädiert in einem Perspektivenartikel im Fachblatt Plos Climate für ein solches und formuliert Ideen zur Umsetzung.

Momentan leben rund fünf Milliarden Menschen in Gegenden, in denen es ein gewisses Risiko für "Hitzeextreme" gibt, schreibt das Team, dem u.a. auch Ilona Otto vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Uni Graz angehörte, in der Arbeit. Zur Zeit haben jedoch wenige Länder Frühwarnsysteme für Hitzewellen, obwohl es in Reaktion auf die extreme Hitze in Europa 2003 mit geschätzten 50.000 Todesopfern Vorstöße in diese Richtung seitens der WHO oder der World Meteorological Organisation (WMO) gab. Auf der Weltklimakonferenz COP27 im Jahr 2022 wurde das Ansinnen formuliert, dass es bis zum Jahr 2027 ein weltweites Warnsystem für Stürme, Überflutungen, Dürren und Hitzewellen geben soll. Das wird auch von den Vereinten Nationen (UNO) unterstützt.

"Tödlichste Wettergefahr"

Während es Frühwarnsysteme für Überschwemmungen und Trockenheit bereits vielfach gibt, fehlt dies in Bezug auf Hitze. Eine Ausnahme sei hier China, das ein solches Frühwarnsystem entwickelt habe, schreiben die Forscherinnen und Forscher, die extreme Hitze momentan als vielleicht "tödlichste Wettergefahr" für Menschen ansehen. Selbst unter optimistischen Szenarien, was die weitere Klimaerwärmung betrifft, müsse man in näherer Zukunft im Fall Europas mit deutlich längeren und intensiveren Hitzewellen als der ausgeprägten Hitze- und Dürreperiode des Jahres 2018 rechnen. Diese könnten um das Eineinhalb- oder Zweifache stärker als vor sechs Jahren ausfallen.

Gegen Ende des 21. Jahrhunderts würden Wellen, die auch mehrere Monate dauern können, immer wahrscheinlicher, so zum Beispiel eine zuletzt auf der Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU) in Wien vorgestellte, noch nicht publizierte Untersuchung eines Teams um Philipp Aglas-Leitner vom Climate Change Research Centre der University of New South Wales (Australien).

Wenig Bewusstsein für Gesundheitsrisiko

Laut Brimicombe und Kollegen brauche es zuallererst Verbesserungen bei Messstationen und bei der Genauigkeit von Daten, auf deren Basis Prognosen erstellt werden können. Trotzdem gebe es in fast allen Gegenden prinzipiell die Voraussetzungen, um ein Hitzestress-Frühwarnsystem zu entwickeln und auszurollen, das mehrere Wochen in die mögliche Zukunft blicken kann. "Während der genaue Beginn oder die Dauer von Hitzewellen schwieriger vorherzusagen sind, kann die Tendenz zu Extremtemperaturen oft drei bis vier Wochen vor dem Beginn vorhergesagt werden", meinen die Wissenschafterinnen und Wissenschafter.

Insgesamt sehen die Autorinnen und Autoren mancherorts noch wenig Bewusstsein für die Gesundheitsprobleme, die der Klimawandel mit sich bringt, bei Entscheidungsträgern oder auch Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern. Hitzewellen seien in Medien oft unterrepräsentiert und würden in der weltweiten Klimapolitik oft als eher "unsichtbares Gesundheitsrisiko" angesehen. Daher mangele es zur Zeit auch noch an politischen Vorstößen und Gesetzen, die auf die Entwicklung eines Frühwarnsystems abzielen.

Kommunikationsbarrieren überwinden

Ein solches visionäres System müsse nach Ansicht der Experten auf einheitlichen Definitionen und Messmethoden fußen. Eingebunden sein müsste eine breite Palette an Akteuren: Neben dem Gesundheitssektor und den Wetterdiensten wären dies auch der Landwirtschafts-, Energie- oder der Transportsektor sowie Informationsdienstleister aller Art. Hier gelte es zudem, Kommunikationsbarrieren zu überwinden. Ebenso sollte die Zivilgesellschaft miteinbezogen werden, um etwa auf lokales Wissen im Umgang mit Extremtemperaturen zurückgreifen zu können. Überdies müsse die Politik mehr zur Vermeidung eines weiteren Anstiegs der durchschnittlichen Temperaturen tun und die Infrastruktur verstärkt darauf ausgelegt werden, auch in Hitzewellen zu funktionieren. (APA, 8.7.2024)