Gibt es neue Hardware von Samsung, stehen dabei traditionell die Smartphones im Mittelpunkt des Interesses. Das ist auch beim aktuellen Unpacked-Event in Paris nicht anders, parallel zu Galaxy Z Fold 6 und Z Flip 6 stellt der große Hardwarehersteller nun aber auch eine ganze Reihe neuer Wearables vor. Und so viel sei verraten: So manches davon ist für eine Kontroverse gut, ist eine gewisse "Inspiration" durch Apple doch unverkennbar.

Ein Ring, sie zu messen

Das auffälligste und wohl wichtigste neue Samsung-Produkt ist der Galaxy Ring. Erstmals bereits vor einigen Monaten vorgezeigt, ist der Oura-Konkurrent damit nun offiziell. Erklärtes Ziel ist es, einen Großteil des Fitness- und Gesundheitstrackings einer Smartwatch abzudecken – aber eben in einem deutlich schlankeren Formfaktor. Ob so ein Ring auch wirklich bequemer ist, sollte besser jeder für sich ausprobieren. In einem ersten Kurztest fühlte sich das Ganze jedenfalls noch ziemlich gewöhnungsbedürftig an.

Galaxy Ring
Samsung bei der Vorstellung des Galaxy Ring im Rahmen des Unpacked Events in Paris.
Proschofsky / STANDARD

Je nach Größe – es gibt insgesamt neun Varianten – wiegt der Ring zwischen 2,3 und 3 Gramm, verfügbar ist er in den Farben Schwarz, Silber und Gold. Der Akku soll bis zu sieben Tage lang durchhalten, geladen wird er über eine eigene Ladehülle, die über LEDs den Ladestatus anzeigt. Nach 30 Minuten soll ein zunächst leerer Akku auf rund 40 Prozent geladen sein, versichert Samsung.

Ein als Ring getragenes Objekt muss natürlich besonders robust sein. Samsung verspricht deswegen eine hohe Widerstandsfähigkeit nach Titan Grad 5 sowie bis zu 10 ATM Wasserbeständigkeit.

Sensoren

Die auf der Innenseite des Rings angebrachten Sensoren erfassen rund um die Uhr die wichtigsten Vitalwerte – allen voran den Herzschlag. Zudem sind ein Temperatur- sowie ein Beschleunigungssensor verbaut, auch der Blutsauerstoff kann vom Ring gemessen werden. In der Kombination aus all diesen Daten kann der Galaxy Ring auch Schlaf-Tracking betreiben oder den weiblichen Zyklus erfassen. Neu bei Samsung Health ist ein Energiewert, der darüber informiert, wie fit man gerade ist. Dafür kommt, wie für so vieles derzeit, KI zum Einsatz, Ähnliches kennt man bereits von Fitbit.

Galaxy Ring
Den Galaxy Ring gibt es in drei Farben, darunter auch Gold
Samsung

Workouts werden automatisch erkannt, zudem gibt es Warnungen, wenn mit dem eigenen Herzschlag etwas nicht passt. Eine interessante Verknüpfung mit anderen Geräten ist, dass der Ring als Auslöser für Aufnahmen mit einem Samsung-Smartphone genutzt werden kann. Die Verbindung mit dem Smartphone erfolgt via Bluetooth 5.4.

Weniger erfreuliche Dinge

Ein nettes Extra ist, dass der Ring über das "Find my"-Netzwerk von Samsung aufgespürt werden kann. Weniger schön ist, dass das verdeutlicht, dass Samsung in dieser Hinsicht weiterhin eigene Wege beschreitet, obwohl es mittlerweile ein herstellerübergreifende Lösung für Android gibt. Nicht minder ärgerlich ist, dass der Galaxy Ring in vollem Umfang nur mit Galaxy-Smartphones zusammenfunktioniert. Wer ein anderes Android-Gerät hat, bekommt – wie schon bisher bei den Samsung-Smartwatches – nicht alle Funktionen. Mit iPhone-Unterstützung hat ohnehin niemand gerechnet.

Der Galaxy Ring und die zugehörige Ladestation.
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Und wenn wir schon bei den unerfreulichen Dingen des Lebens sind: Der Galaxy Ring wird vorerst nicht in Österreich erhältlich sein. Ganz aus der Welt ist er damit trotzdem nicht, neben den USA, China, Großbritannien und Südkorea gehören nämlich auch Deutschland und Frankreich zu den Startländern. Der Ring sollte sich also relativ einfach besorgen lassen. Zumindest, wenn man bereits ist, den veranschlagten Preis zu bezahlen: 449 Euro will Samsung für den Galaxy Ring haben.

Galaxy Watch 7

Ein deutliches Upgrade verschafft Samsung seiner Smartwatch-Serie. Beginnen wir zunächst einmal mit der "normalen" Galaxy Watch 7, die es in insgesamt vier Ausführungen gibt. Jeweils in 40 oder 44 Millimeter Größe und mit oder ohne LTE. Das größte Update steckt dabei im Inneren. Mit dem Exynos W1000 kommt eine brandneuer Chip von Samsung selbst zum Einsatz, der erhebliche Fortschritte bei Effizienz und Performance verspricht und dem 2 GB RAM zur Seite gestellt sind.

Galaxy Watch 7
Die Galaxy Watch 7 soll vor allem mit einem deutlich stärkeren Chip und besseren Sensoren punkten.
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Dreimal so flott wie beim Vorgänger soll die CPU des in einem 3-Nanometer-Prozess gefertigten W1000 sein, versichert Samsung. Für viele wohl noch wichtiger: Der neue Chip soll auch um 30 Prozent effizienter sein. Dazu kommt ein aktualisierter Sensor zur Erfassung all der Gesundheits- und Fitnessdaten, der natürlich genauer sein soll. Dank Dual-GPS soll auch die Standorterkennung besser sein – wichtig etwa bei der Aufzeichnung von Läufen oder Wanderungen.

Ebenfalls neu ist eine Messung, die das biologische Alter erfassen können soll – AGE heißt das. Für dieses Feature hat Samsung einen bemerkenswerten Disclaimer: nämlich, dass das nicht für Menschen geeignet ist, die eine besonders fotosensitive Haut haben. Wer bei der Nutzung einen Ausschlag oder eine Verfärbung der Haut bekommt, sollte diese Funktion also wieder deaktivieren.

Konkrete Daten zur Akkulaufzeit in normaler Nutzung nennt Samsung zwar bislang nicht, der je nach Ausführung 300 oder 425 mAh umfassende Akku sollte aber deutlich länger als beim Vorgänger durchhalten: Samsung verspricht jedenfalls 48 Stunden in einem eigenen Stromsparmodus für Workouts. Im normalen Stromsparmodus sollen gar 100 Stunden möglich sein, all das ist auf die größere Variante bezogen.

Wear OS 5

Einen Teil zu den Verbesserungen bei der Akkulaufzeit trägt auch bei, dass die Galaxy Watch 7 die erste Smartwatch überhaupt mit Wear OS 5 ist, und damit der neuesten Generation von Googles Wearables-Betriebssystem. Grund dafür ist ein Deal zwischen den beiden Unternehmen, in dessen Rahmen Samsung nach seiner Tizen-Exkursion zu Wear OS zurückgekehrt ist. Wear OS 5 setzt übrigens auf Android 14 auf, Samsung verpasst dem aber wie gewohnt eine eigene Oberfläche.

Galaxy Watch 7
Die Galaxy Watch 7 in unterschiedlichen Varianten
Samsung

Der Bildschirm der Galaxy Watch 7 ist gewohnt rund, je nach Ausführung 1,3 Zoll (bei 432 × 432 Pixel) beziehungsweise 1,47 Zoll (bei 480 × 480 Pixel) groß. Das neue Display soll bis zu 2.000 Nits hell werden können und so auch im direkten Sonnenlicht noch sehr gut zu lesen sein. Das Gewicht liegt bei 28,8 oder 33,8 Gramm, der lokale Speicherplatz wurde im Vergleich zum Vorgänger auf 32 GB verdoppelt. Es werden Bluetooth 5.3 sowie Wi-Fi 5 unterstützt. Geschützt ist das Gerät nach IP68 und MIL-STD-810H, es bietet eine Wasserdichte bis 5 ATM.

Noch ein kleines Extra: Die Watch soll sich übrigens mit dem Galaxy Ring kombinieren lassen, womit nicht nur die Messungen genauer werden. Die Akkulaufzeit des Rings steigert sich dann auch um 30 Prozent, weil die Uhr einen Teil der Aufgaben übernimmt.

Die Galaxy Watch 7 wird ab 319 Euro (40 mm) beziehungsweise 349 Euro (44 mm) angeboten, für die LTE-Variante gilt es jeweils 50 Euro aufzuzahlen. An Farben sind Silber, Grün und Creme verfügbar.

Galaxy Watch Ultra

Doch Samsung hat noch ein neues Modell für seine Smartwatch-Serie, und die nennt sich Galaxy Watch Ultra. Ein Name, der wohl nicht ganz zufällig an eine gewisse Uhr von Apple erinnert. Hier wie da soll das Ultra-Modell jedenfalls das Beste vom Besten liefern.

Galaxy Watch Ultra
Die Galaxy Watch Ultra ist die größte der Smartwatches von Samsung – und hat ein neues Design.
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Während die Innereien mit jenen der Watch 7 übereinstimmen, fällt zunächst einmal auf, dass die Watch Ultra nicht nur deutlich größer ist, sie hat auch ein wesentlich kantigeres Design. Im ersten Eindruck wirkt das dann wie eine Apple Watch Ultra, auf deren eckiges Gehäuse ein rundes Display gepackt wurde.

Ob das gefällt, ist wohl Geschmackssache. So richtig nachvollziehbar war im ersten Eindruck jedenfalls nicht, warum man hier so viel Bildschirmplatz verschenkt – wenn man schon so ein Design wählt. An der Verarbeitung gibt es hingegen nichts zu meckern, und das ist auch schon mal was.

Ansonsten ist die Watch Ultra mit 47mm noch deutlich größer und mit 60,5 Gramm vor allem erheblich schwerer. Das AMOLED-Display ist 1,47 Zoll groß und hat eine Auflösung von 480 × 480 Pixel, geschützt durch Saphirglas – letzteres gilt übrigens auch für die Watch 7. Herausragend ist dafür die maximale Helligkeit von 3.000 Nits.

Outdoor

Dank größeren Gehäuses hat natürlich auch mehr Akku Platz, konkret sind es 590 mAh. Ansonsten ist das Ultra-Modell vor allem robuster, Samsung bewirbt es passend dazu mit Outdoor-Aktivitäten. So ist der Wasserschutz hier sogar bis zu 10 ATM gegeben. Zudem soll die Uhr problemlos in größeren Höhen und Tiefen funktionieren, von 500 Meter unter dem Meeresniveau bis zu 9000 Meter darüber ist die Rede.

Galaxy Watch Ultra
Von der Rückseite betrachtet zeigen sich gewisse Ähnlichkeiten zu anderen Herstellern
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Speziell für die Watch Ultra gibt es auch so manche Softwareerweiterung mit Fokus auf Fitness. So gibt es ein neues Sport-Tile für mehrere Sportarten gleichzeitig, gedacht ist das etwa für einen Triathlon. Zudem gibt es für Radfahrerinnen und Radfahrer eine Functional Threshold Power (FTP) Messung sowie personalisierte Pulszonen.

Die Galaxy Watch Ultra ist um 699 Euro zu haben, LTE-Support ist hier immer mit dabei. An Farben steht die Wahl zwischen Grau, Weiß und Silber.

Galaxy Buds 3 (Pro)

Fehlt noch eine Hardwarekategorie, und zwar die Earbuds. Mit Galaxy Buds 3 und Galaxy Buds 3 Pro hat Samsung gleich zwei neue Modelle im Angebot, doch bevor wir zu den Eckdaten kommen, gleich zu dem Thema, das fraglos für die meisten Diskussionen sorgen wird. Ja, Samsung hat seinen Earbuds ein neues Design verpasst, und ja, dabei standen sehr offensichtlich Apples Airpods Pate.

Galaxy Buds 3 Pro
Ein einzelner Earbbud der Galaxy Buds 3 Pro.
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Samsung rechtfertigt das jedenfalls damit, dass der aus den Ohren herausstehende Balken besser für Gesten zur Änderung von Lautstärke und Co genutzt werden kann. Komplementiert wird das mit einer Visualisierung über einen Lichtstreifen – "Blade Lights" nennt der Hersteller das. Klingt gut, wirkt im ersten Eindruck aber auch aufgrund des etwas scharfkantigen Designs etwas billig.

Unterschiede

Was die beiden Varianten unterscheidet, sind vor allem die besseren Lautsprecher des Pro-Modells. Während die Basisvariante mit einem 1-Weg-Lautsprecher (11mm Dynamic Driver) auskommen muss, gibt es bei der Pro-Ausführung einen 2-Weg-Lautsprecher (10,5mm Dynamic + 6,1mm Planar). Dazu kommt, dass die Buds 3 ein offenes Konzept verfolgen, während die Pro-Ausführung Eartips haben, die eine bessere Abdichtung nach außen versprechen.

Beide Modelle haben drei Mikrofone und ein "Voice Pick Up Unit", um eine bessere Sprachqualität zu bieten. Was sie ebenfalls eint, ist die Klangqualität. So wirbt Samsung mit Ultra High Quality Audio mit bis zu 24 Bit und 96 Kilohertz. Um das zu ermöglichen, wird das "Samsung Scalable Codec" (SSC) genutzt. Wie man aus dem Kleingedruckten erfährt, klappt das zunächst aber nur mit einigen wenigen Smartphones, konkret Samsungs eigenen S23-, S24- sowie Fold 5/6 und Flip 5/6, dazu kommt noch das Tab S9.

ANC

Aktive Geräuschunterdrückung (ANC) gibt es ebenfalls bei beiden Modellen, wobei die Pro-Ausführung zusätzlich automatisch erkennen kann, wenn man zu sprechen beginnt, um die Geräuschunterdrückung für ein besseres Verständnis zu deaktivieren. "Adaptive EQ" soll zudem bei beiden den Klang automatisch an die Gegebenheiten in der Umgebung anpassen. Wer will, kann aber natürlich jede Menge Einstellungen selbst vornehmen.

Galaxy Buds 3 (Pro)
Das Ladegehäuse von Galaxy Buds 3 und Galaxy Buds 3 Pro.
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Ein besonderes Software-Highlight ist der Live-Übersetzer. In Kombination mit einem aktuellen Samsung-Smartphone – derzeit sind das nur Galaxy Z Fold 6 und Flip 6 – sollen die Earbuds Sprache in Echtzeit übersetzen. Zum Start werden dabei 16 Sprachen unterstützt, bald soll die Liste aber auf 22 erweitert werden. Gedacht ist dieses Feature sowohl für einen regen Austausch mit anderen Personen als auch für das Zuhören bei Vorträgen. Wie gut das dann in der Realität funktioniert, muss sich natürlich erst zeigen.

Akku

Der Akku ist bei den Galaxy Buds 3 mit 45 mAh pro Bud angegeben, bei der Pro-Variante sind es mit 50 mAh etwas mehr. Entsprechend unterschiedlich ist auch die angegebene Akkulaufzeit. Immerhin fünf Stunden mit ANC und 6:30 Stunden ohne verspricht Samsung schon für die Buds 3. Das Pro-Modell ist dann mit sechs bzw. siebeneinhalb Stunden gelistet.

Beide kommen mit einem Ladegehäuse, das mit 500 Milliamperestunden noch einmal jede Menge Extraladung speichert. Apropos Ladegehäuse: Selbst hier erinnert das Design stark an einen gewissen Konkurrenten.

Beide Modelle sind nach IP57 vor Wasser und Staub geschätzt. Die Kommunikation nach außen erfolgt via Bluetooth 5.4. Das Gewicht der Buds liegt bei 4,8 bzw. 5,4 Gramm, letzteres gilt für das Pro-Modell. Das Ladegehäuse wiegt 46,5 Gramm.

Der Preis der Buds 3 liegt bei 179 Euro, für die Pro-Variante will Samsung dann 249 Euro. Beide Modelle gibt es in den Farbvarianten Silber und Weiß.

Samsung Unpacked Paris Wearables
Die neuen Wearables von Samsung.
Samsung

Verkaufsstart für alle

Für alle oben genannten Geräte – mit Ausnahme des in Österreich vorerst nicht verkauften Rings – gilt dasselbe wie beim Fold 6 und Flip 6: Sie können ab sofort bestellt werden. Der offizielle Marktstart ist der 24. Juli, es kann aber durchaus sein, dass früh bestellte Geräte schon vor diesem Datum zugestellt werden. (Andreas Proschofsky, 10.7.2024)