Fünf Jahre ist es bereits her, da hat Samsung sein erstes faltbares Smartphone veröffentlicht. Der ganz große Durchbruch ist für die Foldables zwar bis heute ausgeblieben, eine einträgliche Nische hat sich das Unternehmen aber trotzdem erarbeitet. Und zwar eine, die von Jahr zu Jahr und von Hardwaregeneration zu Hardwaregeneration immer größer wird. Nun versucht der größte Smartphone-Hersteller der Welt den nächsten Schritt in Richtung Mainstream.

Samsung Galaxy Foldables
Samsung bei der Vorstellung der neuen Hardware im Rahmen des aktuellen Unpacked-Events in Paris
Proschofsky / STANDARD

Mit dem Galaxy Z Fold 6 und Galaxy Z Flip 6 stellt Samsung die neueste Generation seiner faltbaren Smartphones vor. Die Präsentation erfolgte dabei im Rahmen eines globalen Events in Paris. DER STANDARD ist vor Ort und konnte dort bereits im Vorfeld einen ersten Blick auf die neuen Geräte werfen. Wie immer sei darauf hingewiesen: Sämtliche folgenden Werturteile sind wirklich nur als erster Eindruck zu verstehen, im zeitlich und räumlich begrenzten Rahmen lassen sich Dinge wie Kamera oder gar Akkulaufzeit schlicht nicht seriös bewerten. Dafür muss man sich also noch etwas bis zum vollständigen Test der Geräte gedulden.

Galaxy Z Fold 6

Den Anfang macht das Z Fold 6 und damit das größere der beiden Geräte. Wer den Formfaktor nicht kennt: Zusammengeklappt entspricht es in etwa einem – dickeren – Smartphone, aufgeklappt wird es dann zu einem kleinen Tablet. Im Vorfeld kursierende Gerüchte, dass das neue Fold einen anderen Formfaktor als seine Vorgänger wählen wird, bewahrheiten sich nicht. Der erste Eindruck ist also ein vertrauter, vieles erinnert an die Vorgänger.

Galaxy Z Fold 6
Das Galaxy Z Fold 6 in Händen: Samsung verspricht, dass die Biegung in der Mitte weniger spürbar ist, der erste Eindruck kann das nicht notwendigerweise bestätigen.
Proschofsky / STANDARD

Im Detail zeigen sich dann aber sehr wohl Unterschiede – und (fast) alle davon sind positiv. Durch eine Optimierung des Aufbaus ist das äußere Display nun etwas breiter, die Größe wächst von 6,2 auf 6,3 Zoll bei einer Auflösung von 2376 × 968 Pixel. Zudem ist das Fold 6 im zusammengeklappten Zustand merklich dünner als der Vorgänger – 12,1 statt 13,4 Millimeter sind es nun. Die flachen Seiten gefallen ebenso, und auch das Gewicht wurde von 253 auf 239 Gramm reduziert.

All das führt dazu, dass das Galaxy Z Fold 6 merklich besser im zusammengeklappten Zustand genutzt werden kann als seine Vorgänger. Das ist ein erfreulicher Fortschritt, und doch kann man sich nicht ganz des Eindrucks erwehren, dass manche Konkurrenten in dieser Hinsicht noch immer die bessere Wahl beim Formfaktor getroffen haben. Der äußere Bildschirm bleibt beim Z Fold 6 noch immer etwas schmal. Generell muss aber gesagt werden: Die Verarbeitung des Geräts ist exzellent, Samsung hat diesen Formfaktor nun wirklich durchoptimiert.

Samsung Ultras

Was zudem nicht allen gefallen wird: Das Design des Fold 6 ist merklich kantiger als beim Vorgänger, die Abrundung der Ecken ist also geringer. Der Stil erinnert damit stark an das Galaxy S24 Ultra. Das ist insofern überraschend, weil aktuelle Gerüchte davon sprechen, dass Samsung für das S25 Ultra genau den umgekehrten Weg nehmen will, weil vielen das aktuelle Modell zu kantig ist.

Galaxy Z Fold 6
Ausgeklappt ist das Galaxy Z Fold 6 ein kleines Tablet, der S-Pen bleibt aber weiter optional. Zumindest gibt es eine passende Hülle dafür.
Samsung

Aufgeklappt präsentiert sich dann der gewohnte 7,6-Zoll-Bildschirm mit einer Auflösung von 2160 × 1856 Pixeln. Wer die Spezifikationen direkt vergleicht, wird merken, dass das ein paar Pixel mehr sind als beim Vorgänger. Das liegt wohl an weiterem Feinschliff am Design, die Abmessungen von 153,5 × 132,6 × 5,6 Millimeter ergeben jedenfalls ein minimal weniger hohes, aber leicht breiteres Gerät.

Sowohl beim inneren als auch äußeren Display handelt es sich um ein AMOLED, das dynamisch mit einer Bildwiederholrate zwischen 1 und 120 Hertz betrieben wird. Die maximale Helligkeit des inneren Bildschirms wird mit beeindruckenden 2600 Nits angegeben – beim Vorgänger waren es noch 1750, das sind also 50 Prozent mehr. Etwas enttäuschend ist hingegen, dass das äußere Display "nur" mit Gorilla Glass Victus 2 geschützt ist. Gar nicht so sehr wegen der Beschädigungsgefahr, sondern weil das Gorilla Glass Armor beim Galaxy S24 Ultra mit seinen antireflektierenden Merkmalen sehr gut gefallen hat.

Kamera

Keine Überraschungen gibt es bei der Kamera, diese entspricht nämlich wieder haargenau dem Vorgänger. Auf der Rückseite wäre das also ein 50-Megapixel-Hauptsensor, der von Haus aus Bilder mit 12,5 Megapixeln erstellt. Dazu kommt eine Ultraweitwinkelkamera mit 12 Megapixeln und 123 Grad Blickwinkel sowie ein Teleobjektiv mit 10-Megapixel-Sensor und dreifacher optischer Vergrößerung. Auch die innere Kamera unter dem Display mit ihren 4 Megapixeln bleibt gleich, dasselbe gilt für die äußere Selfie-Kamera mit 10 Megapixeln. Insofern lässt sich schon jetzt sagen: Wer die absolut besten Smartphone-Aufnahmen haben will, sollte sich auch weiterhin kein Foldable kaufen. Gut sollten die resultierenden Bilder trotzdem erneut werden.

Galaxy Z Fold 6
Das Galaxy Z Fold 6 im leicht zusammengeklappten Zustand, gut ist dabei die Kamera zu erkennen.
Proschofsky / STANDARD

Angetrieben wird das gesamte Geschehen von einem Snapdragon 8 Gen 3 – das erwartete jährliche Upgrade, wie man es von vielen anderen Topgeräten des Jahres 2024 schon kennt. Dieser wird mit einer besseren Kühlung kombiniert, was eine länger anhaltende Topleistung garantieren soll. Zur Seite stehen dem Chip 12 GB RAM, das entspricht wieder dem Vorgänger. Ebenfalls unverändert bleibt der Akku mit 4400 mAh, angesichts der reduzierten Dicke ist aber bereits das eine erfreuliche Nachricht, mehr wäre nicht zu erwarten gewesen. Schnellladen geht beim Z Fold 6 mit bis zu 25 Watt via Kabel und bis zu 15 Watt drahtlos gewohnt gemächlich – wie bei Apple und Google auch.

Weiter Eckdaten im Schnelldurchlauf: Das Gerät ist erstmals nach IP48 nicht nur vor dem Eindringen von Wasser, sondern auch vor Staub geschützt, es gibt WiFi 6E sowie Bluetooth 5.3 sowie natürlich 5G mit Dual-SIM-Support – wahlweise in der Kombination aus zwei Nano-SIMs oder mittels Einbindung der integrierten eSIM. Das Gehäuse ist aus gepanzertem Aluminium, der lokale Speicherplatz variiert je nach Ausführung zwischen 256 GB und 1 TB. Wer will, kann auch wieder einen S-Pen mit dem Foldable benutzen, dieser bleibt aber optional und lässt sich vor allem weiterhin nicht im Gehäuse verstauen.

Software mit Galaxy AI

Als Software läuft auf dem Z Fold 6 zunächst OneUI 6.1.1 auf Basis von Android 14, eine Aktualisierung auf Android 15 folgt in den kommenden Monaten. All die Galaxy-AI-Features, die schon bei der S24-Reihe zu sehen waren, sind auch hier enthalten und zumindest einmal bis Ende 2025 auch kostenlos. Dazu zählt etwa Note Assist, das Übersetzungen und Zusammenfassungen bietet, oder natürlich Googles Circle to Search.

Galaxy Z Fold 6
Das Galaxy Z Fold 6 faltet wirklich vollständig zusammen.
Proschofsky / STANDARD

Aber es gibt auch Neues rund um die Galaxy AI. Da wäre etwa eine "Composer" genannte Funktion für die Samsung-Tastatur, die aus Stichwörtern ganze Sätze formulieren kann. Oder auch ein "Sketch to image"-Feature, das es ermöglicht, beliebige Dinge schnell mal auf eigene Fotos zu kritzeln. Die KI versucht dann, das mit dem Ausgangsbild sinnvoll zu kombinieren. Mit "Portrait Studio" lässt sich das eigene Antlitz zu einem Avatar in unterschiedlichen Stilen verwandeln.

Ein weiterer Schritt in der zuletzt wieder inniger werdenden Partnerschaft mit Google: Die Gemini-App ist bei der Z-Reihe von Haus aus integriert. Der Chatbot kann dabei wie gewohnt nicht nur beliebige Fragen beantworten, sondern auch das aktuelle Smartphone-Geschehen einbeziehen.

Wer sich jetzt Sorgen um das liebgewonnene Bixby macht: Keine Angst, das gibt es trotzdem weiterhin. Bixby ist über einen Langdruck auf den Power Button aufrufbar, Gemini hingegen über eine Wischgeste aus einer Ecke oder den Befehl "Hey Google", gibt sich Samsung salomonisch. Also so sagt es zumindest Samsung, auf den Vorabgeräten im Rahmen des Hands-on war auf diesen Wegen noch der alte Google Assistant zu erreichen.

Support und Preis

Besonders erfreulich ist auch hier das Supportversprechen: Sieben Jahre Updates garantiert der Hersteller – und zwar nicht nur für Sicherheitsbereinigungen sondern auch für große Versionssprünge.

Weniger erfreulich ist der Blick auf den Preis, die Fold-Reihe wird nämlich noch einmal teurer. Die günstigste Ausführung des Galaxy Z Fold 6 kostet nun also bereits knapp 2000 Euro, das sind 100 mehr als im Vorjahr. Wer mehr Speicher haben will, kann dann aber auch gerne bis zu 2359 Euro ausgeben.

Galaxy Z Flip 6

Kommen wir zum Galaxy Z Flip 6, also quasi dem Klapphandy für die Smartphone-Ära. Der Ersteindruck ist ein sehr ähnlicher – rein äußerlich gesehen ist es sogar noch näher am Vorgänger als das Fold. Die Abmessungen von 85,1 × 71,9 × 14,9 Millimeter (gefaltet) sowie 165,1 × 71,9 × 6,9 Millimeter (aufgefaltet) entsprechen fast exakt dem Flip 5. Einziger Unterschied ist, dass das zusammengeklappte Gerät um 0,2 Millimeter dünner ist. Zu verdanken ist das einem neuen "Slim Flex Hinge" genannten Scharnier, das auch beim Fold 6 zum Einsatz kommt. Das Gewicht bleibt mit 187 Gramm in Relation zum Vorgänger unverändert.

Galaxy Z Flip 6
Das Galaxy Z Flip 6 ist bis auf das Farbhighlight beim Kameraring kaum vom Vorgänger zu unterscheiden.
Proschofsky / STANDARD

Das wohl wichtigste Update gibt es hingegen an anderer Stelle: Der Akku ist nun 4000 mAh groß, beim Vorgänger waren es noch 3700 mAh. Vielleicht nicht die ganz große Revolution, aber doch ein erfreulicher Fortschritt für einen generell von eher schwachen Laufzeiten geplagten Formfaktor.

Neue Kamera (ein bisschen)

Ein weiteres Update gibt es bei der Hauptkamera, hier kommt nun wie beim Fold ein 50-Megapixel-Sensor zum Einsatz. Die 12-Megapixel-Ultraweitkamera sowie die 10-Megapixel-Frontkamera kennt man hingegen schon. Apropos Kamera: Die nun farblich an den Rahmen angepassten Ringe rund um die äußeren Kameras sind aus einer Designsicht eigentlich der einzige äußerlich wahrnehmbare Unterschied zum Flip 5. Dafür einer, den Samsung in der Bewerbung als "mutig" bezeichnet.

Dazu passend bleibt das Cover-Display mit 3,4 Zoll Größe und einer Auflösung von 720 × 748 Pixeln bei 60 Hertz unverändert. Sehr ähnlich klingt auch der innere Bildschirm mit 2640 × 1080 Pixeln und 6,7 Zoll Größe, dahinter steht aber erneut ein besseres Display mit erneut beeindruckenden 2600 Nits Spitzenhelligkeit.

Wie beim Fold 6 wird auch beim Flip 6 ein Snapdragon 8 Gen 3 verwendet, dem 12 GB RAM zur Seite stehen. Letzteres ist insofern bemerkenswert, da es beim direkten Vorgänger noch 8 GB waren. All die KI-Funktionen direkt am Smartphone werden es zu schätzen wissen, sind diese doch notorisch speicherhungrig. Die Kühlung des Chips wurde übrigens auch beim Flip deutlich verbessert, versichert Samsung.

Das Scharnier ermöglicht es, das Gerät auch stabil nur leicht aufzuklappen.
Proschofsky / STANDARD

Vermischtes

In Hinblick auf Konnektivität, Wasser- und Staubschutz sowie Software gilt hier alles, was schon beim Fold 6 gesagt wurde. Ein Unterschied ist, dass es hier nur einen Nano-SIM-Slot gibt, in Kombination mit der integrierten E-Sim geht aber auch hier Dual-SIM-Betrieb. Die Kabelverbindung nach außen erfolgt wie gewohnt mittels USB-C, wobei USB 3.2 für flotten Transfer unterstützt wird. Der Fingerabdrucksensor ist im Einschaltknopf untergebracht – das ist übrigens auch beim Fold 6 so.

Für das Cover-Display gibt es ein paar neue Softwarefunktionen wie ein interaktives Wallpaper oder auch eines, das sich automatisch an Zeit und Wetter anpasst. Zudem können Bildschirmhintergründe nun mithilfe von Stichwörtern und generativer KI erstellt werden. Wer will, kann auch eigene Fotos dank KI in unterschiedlichen Stilen für das Cover-Display anpassen.

Preis und Verfügbarkeit

Beim Galaxy Z Flip 6 bleibt der Preis im Vergleich zum Vorgänger gleich, als günstig würde das wohl trotzdem niemand bezeichnen. Die Variante mit 256 GB Speicherplatz schlägt mit 1199 Euro zu Buche, jene mit 512 GB kostet dann 1319 Euro.

Neue Samsung-Geräte.
Das gesamte neue Produktportfolio von Samsung.
Samsung

Beide neuen Smartphones sind ab sofort bestellbar. Der offizielle Verkauf startet am 24. Juli, es könnte aber sein, dass jetzt gekaufte Geräte schon zuvor geliefert werden, bleibt Samsung bei der Frage nach der Verfügbarkeit etwas unscharf. Das Z Fold 6 gibt es dabei in den Farben Silver Shadow, Pink und Navy, das Z Flip 6 hingegen in Silver Shadow, Yellow, Blue und Mint. Wer direkt bei Samsung bestellt, dem stehen auch noch ein simples Schwarz und Weiß für beide Modelle sowie eine Pfirsichfarbe nur für das Flip zur Auswahl. Wer bis zum 23. Juli bestellt, bekommt bei Samsung eine passende Hülle kostenlos dazu.

Es gibt noch mehr!

Zum Schluss noch ein Hinweis. Zeitgleich zu all dem hat Samsung auch noch jede Menge neuer Wearables vorgestellt: den Galaxy Ring, die Buds 3 (Pro), Watch 7 und Watch Ultra. All das wird an anderer Stelle ausführlich beleuchtet. (Andreas Proschofsky, 10.7.2024)