Im Grunde sind sich Bundeskanzler Karl Nehammer und der für Sport zuständige Vizekanzler Werner Kogler einig: Ein neues Nationalstadion braucht das Land. Daran ändert auch die – angesichts der in Qualifikation und Gruppenphase gezeigten Leistungen – schon beinahe unerwartete Niederlage "unserer Burschen" gegen die Türkei im Achtelfinale der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland nichts. Doch eine moderne Arena mit verschließbarem Dach und zumindest dem Fassungsvermögen des Ernst-Happel-Stadions kostet bereits in der Errichtung schnell hunderte Millionen Euro, ist auch in der Erhaltung nicht gerade billig.

Fans, die in einem Stadion, ein Fußballspiel schauen.
In Österreich fehlt ein adäquates Fußball-Nationalstadion.
Foto: Getty Images/Ercan Sucek

Angesichts der Forderungen des organisierten Sports und der alpinen Vereine an die zukünftige Bundesregierung, aufgrund gestiegener Bau- und Energiekosten die einschlägige Infrastruktur von Sporthallen bis Schutzhütten besser zu dotieren, klingt ein Nationalstadion wie ein utopisches Luxusprojekt. Allerdings ist eine Fußballarena mit mehr als 50.000 Sitzplätzen nicht einmal außergewöhnlich, davon gibt es derzeit weltweit 153, allein 52 im Bereich der Uefa.

Normalerweise entsteht die gesundheits- oder breitensportliche Wirkung nur indirekt, wenn das Zuschauen zu eigener Aktivität inspiriert. Aber ein großes Fußballstadion ist ein wirtschafts- und standortpolitisches Megaprojekt, da darf schon einmal kreativ gedacht werden. Bei Copenhill in Kopenhagen wird ja auch auf dem Dach einer Müllverbrennungsanlage mittels Trockenpiste Ski gefahren, zudem auf der Gebäudeseite geklettert.

Wenn im Zusammenhang mit großen Fußballstadien von multifunktionaler Nutzung die Rede ist, dann sind damit meist Konzertveranstaltungen gemeint. Aber es gibt auch den Ansatz, das Stadion mit angrenzendem Areal städtebaulich zu öffnen, nicht nur für Sport und Freizeit, sondern auch Bildung, Wohnen, Arbeiten und Handel zu nutzen. Im besten Fall steht ein Nationalstadion beispielhaft für ein ganzes Land und seine Zukunft, unterstreicht im Sinne des Standortmarketings besondere Stärken, wird selbst zur Marke. Für das Nationalstadion in Peking haben die Architekten Herzog & de Meuron das berühmte Vogelnest erdacht, Zaha Hadid hat die Bergiselschanze für Innsbruck entworfen.

Das Nationalstadion in Peking. Seitenansicht.
Das Nationalstadion in Peking.
Foto: AFP/ADEK BERRY

In Österreich könnte ein Nationalstadion räumlich und funktional mit einer Skihalle verbunden sein, am besten auch geeignet für Freestyle-Bewerbe und nordischen Skisport. In der Nähe von Oslo gibt es mit Snø eine Skihalle, die auch eine Langlaufloipe bietet. Trainings auf Gletschern oder in der südlichen Hemisphäre werden nicht leichter. Um ein führendes Wintersportland der Welt zu sein, braucht die Skination Österreich früher oder später eine Skihalle.

Selbstverständlich müsste eine solche Struktur mehr Energie produzieren als verbrauchen, dem Projekt ein innovatives Konzept für Errichtung – wenn möglich in Holzbauweise – und Betrieb zugrunde liegen. Infrastruktur für Sport und Freizeit ist in Zukunft regenerativ; sie nimmt beispielsweise nach Niederschlägen Wasser auf, sorgt für Schatten und relative Kühle oder leistet einen Beitrag zur Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren. Kurz gesagt: Sie erbringt "Ökosystemdienstleistungen" und trägt dadurch direkt und indirekt zum Wohlbefinden der Menschen bei.

SKipiste auf einer Müllverbrennungsanlage in Kopenhagen (Dänenmark)
Copenhill: Skifahren auf der Müllverbrennungsanlage in Kopenhagen.
Foto: IMAGO/viennaslide

Durch die Digitalisierung stehen uns so viele Daten wie noch nie zur Verfügung: von hochauflösenden Satelliten- und Drohnenbildern bis zu anonymisierten Mobilfunkbewegungsdaten. Das sollte auch bundesweite Projekte zur Erfassung der vorhandenen Infrastruktur – von Eislaufplätzen bis zu Wanderwegen – endlich beflügeln.

Wenn die Bundesregierung aktuell eine mit 56 Millionen Euro dotierte Förderung zur Sanierung von Sportstätten auflegt, um deren Energieeffizienz zu verbessern und Betriebskosten zu sparen, dann ist das jedenfalls sinnvoll. Aber derzeit könnten wir gar nicht sagen, wie es um die gesamten Kapazitäten unserer Sportstätten, geschweige denn deren baulichen Zustand oder – ganz entscheidend – tatsächliche Nutzung im Tages- oder Jahresverlauf bestellt ist.

Vorbild Schneepalast

Kostbare Infrastruktur für Sport und Freizeit sollte von früh bis spät optimal ausgelastet werden: keine Überlastung, aber auch kein Leerlauf. Dabei ermöglicht es die Digitalisierung, knappe Ressourcen wie Sporthallen oder Lehrende besser zu managen. Beispielsweise kann vom Padelplatz bis zu Schlägern und Bällen vieles online und per Automat verfügbar gemacht werden.

Ganz so neu ist die Idee einer Skihalle übrigens auch wieder nicht: Bereits 1927/1928 gab es im aufgelassenen Nordwestbahnhof in Wien einen "Schneepalast", in dem von zehn bis 22 Uhr Skifahren, Langlaufen, Rodeln und sogar Skispringen möglich war. (Markus Redl, 10.7.2024)