Denkmal
Ein Denkmal erinnert an das ehemalige KZ-Außenlager Schlier in Zipf, es steht aber nicht auf dem Brauereigelände.
Thomas Neuhold

Der Streit um den Zugang zu den Überresten eines KZ-Außenlagers auf dem Firmengelände der Brauerei Zipf ist um eine Facette reicher. Das Mauthausen-Komitee und das Anne-Frank-Haus wollten gemeinsam mit 15 Schülerinnen und Schülern sowie Lehrlingen im Zuge eines Gedenkprojekts das ehemalige KZ-Außenlager in Zipf besuchen. Doch die Brauerei verweigerte den Zugang zum Firmengelände. "Für uns ist die Blockadehaltung der Betriebsleitung völlig unverständlich", ärgert sich der Vorsitzende des Mauthausen-Komitees Österreich (MKÖ), Willi Mernyi.

Das Mauthausen-Komitee übt scharfe Kritik an der Brauereiführung. "Die Brauerei verschließt sich seit Jahren einer breiten und offenen Aufarbeitung der Geschichte des KZ-Außenlagers in Zipf", sagt Rudolf Loidl, stellvertretender Vorsitzender des Mauthausen-Komitees Vöcklabruck.

Zwangsarbeiter für Raketenstollen

In den Kellern der Brauerei Zipf wurde unter dem Decknamen "Schlier" 1943 Treibstoff für V2-Raketen, die ersten in Serie gebauten Flüssigsauerstoffraketen der Welt, produziert. Zudem wurden Antriebsdüsentests durchgeführt. Dafür wurden die unterirdischen Stollen der Brauerei erweitert. Dabei kamen Zwangsarbeiter, die in dem KZ-Nebenlager Redl-Zipf untergebracht waren, zum Einsatz. Teile der Stollen und die Testrampe für Antriebsdüsentests sind bis heute erhalten. Doch die Brauerei unterbinde seit Jahren den Zugang zu den historischen Stätten, betont Loidl. Nur einmal im Jahr gibt es einen Rundgang.

Die Jugendlichen wollten in ihrem Projekt eine Dokumentation zu den KZ-Außenlagern im Bezirk Vöcklabruck zusammenstellen. Die vier Erinnerungsorte Lenzing, Zipf, Vöcklabruck und Attnang-Puchheim wurden für die sozialen Netzwerke aufbereitet. Überall habe es Unterstützung von Organisationen und Firmen gegeben, nur nicht von der Brauerei Zipf, obwohl das Mauthausen-Komitee in einem Schreiben an die Betriebsleitung auf die Bedeutung des Projekts hingewiesen hatte.

Keine außerplanmäßige Führung möglich

Die Brauunion erklärt in einer schriftlichen Stellungnahme, man habe die Anfrage des Mauthausen-Komitees erhalten, an einem bestimmten Tag die Brauerei besuchen zu wollen. "Leider konnten wir genau an diesem Tag so kurzfristig keine außerplanmäßige Führung anbieten." Man habe darauf verwiesen, sich der Aarge-Schlier-Führung anzuschließen. Wie auch einem Vertreter des Mauthausen-Komitees mitgeteilt wurde, gehe die Brauunion dem Ansuchen nochmals nach.

Seit 20 Jahren gebe es laut MKÖ Bemühungen, einen besseren Zugang zu den Überresten der Versuchsanlage zu ermöglichen. Es sei bisher aber keine Lösung gefunden worden. Mernyi fordert ein rasches Umdenken der Betriebsleitung und erwartet sich Zusammenarbeit. "In unserer demokratischen Gesellschaft kann ein Unternehmen mit Verantwortung die dunklen Kapitel seiner Geschichte nicht einfach ignorieren."

Der MKÖ-Vorsitzende nimmt den Fall zum Anlass, vom Innenministerium ein Gesetz zu fordern, das Orte des Gedenkens an den NS-Terror schützt und einen öffentlichen Zugang samt entsprechenden Hinweistafeln gewährleistet. (Stefanie Ruep, 9.7.2024)