Bild von Auto nach Verkehrsunfall
Eine Untersuchung der Statistik Austria zeigt, dass an Hitzetagen mehr Unfälle passieren.
IMAGO/André März

Wien – Der Aufenthalt im Freien ist aktuell für viele Menschen alles andere als angenehm: 30 Grad und mehr hat es in weiten Teilen Österreichs. Das bringt nicht nur gesundheitliche Risiken mit sich, sondern birgt auch Gefahren im Straßenverkehr. Wie aktuelle Zahlen der Statistik Austria zeigen, ist das Risiko eines schweren Verkehrsunfalls an einem Hitzetag – einem Tag mit mehr als 30 Grad – deutlich höher. Durchschnittlich 15 Prozent mehr Verkehrsunfälle, bei denen Personen verletzt werden, passieren an Hitzetagen.

Mit 139 Getöteten im Straßenverkehr im Zeitraum Juni bis August 2023 gab es laut Statistik Austria im vergangenen Sommer die zweithöchste Zahl an Verkehrstoten seit sieben Jahren. "Auch im Jahr 2023 waren die Sommermonate im Straßenverkehr besonders gefährlich. Vor allem an Hitzetagen war die Zahl der Straßenverkehrsunfälle deutlich erhöht", sagte Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas am Mittwoch.

Konzentration nimmt bei Hitze ab

Doch warum ist das so? Wie Studien zeigen, sind Menschen bei hohen Temperaturen allgemein gestresster, schlafen schlechter und sind dadurch auch unkonzentrierter. Damit steigt das Unfallrisiko beim Autofahren deutlich – die Reaktionsfähigkeit nimmt ab. Hinzu komme Selbstüberschätzung: "Niemand gibt gern zu, erschöpft oder müde zu sein. Die Personen steigen trotzdem ins Auto, und dann erhöht sich das Risiko für einen Unfall“, sagt etwa die Verkehrspsychologin Marion Seidenberger, DER STANDARD berichtete.

Abseits von Hitze trägt auch der Urlaubsverkehr zu den höheren Unfallszahlen in den Sommermonaten bei. Alkohol ist ebenfalls ein Thema: In der warmen Jahreszeit gibt es mehr Outdoor-Veranstaltungen, wo getrunken wird – und mehr Menschen setzen sich alkoholisiert hinters Steuer. Unfallreich sind deswegen traditionell auch die Tage rund um Pfingsten und Ostern. In den vergangenen 30 Jahren gab es allein an den Pfingstwochenenden in Summe beinahe 300 Verkehrstote in Österreich.

131 Unfälle pro Tag in heißen Monaten

2023 fielen besonders die Monate Juni und August mit je 47 tödlich Verunglückten auf. Unfälle mit Personenschaden ereigneten sich in diesem Zeitraum 12.000, das sind im Schnitt 131 Unfälle pro Tag. An einem Tag mit einer Temperatur von 30 Grad oder darüber gab es im Durchschnitt 145 solche Unfälle, an einem weniger heißen Tag 125.

Das Muster zog sich quer durch alle neun Bundesländer. Die meisten Hitzetage wurden im Vorjahr in Wien (37 Hitzetage) und Innsbruck (35) gemessen, die wenigsten in Bregenz und Graz (je 20). Besonders auffällig waren dabei die Werte von Tirol, wo sich an Nicht-Hitzetagen im Durchschnitt 15 Unfälle pro Tag ereigneten, an Hitzetagen hingegen 20 (plus 33 Prozent). Im Burgenland wurde bei der deutlich geringeren absoluten Zahl von im Schnitt vier Unfällen an Hitzetagen mit einem Plus von 35 Prozent der größte prozentuelle Unterschied registriert.

Juni besonders unfallreich

Wie bereits in den Vorjahren war auch 2023 der Juni der Monat mit den meisten Verkehrsunfällen mit Personenschaden. Jeder achte Unfall ereignete sich 2023 im Juni, das sind zweieinhalbmal so viele wie im Februar.

Einen wesentlichen Einfluss auf die Unfallzahlen hatten im Sommer 2023 – so wie in den Vorjahren – die Unfälle mit einspurigen Krafträdern, also Motorrädern und Mopeds. In den Sommermonaten waren 40 Prozent aller tödlich verunglückten Personen mit Motorrädern oder Mopeds unterwegs (55). Im Vergleich dazu kamen in den verbliebenen Monaten (Jänner bis Mai bzw. September bis Dezember) 14 Prozent aller getöteten Unfallopfer mit einspurigen Krafträdern ums Leben. (ste, APA, 10.7.2024)