Im Dezember 2007 wurde Lamine Yamal quasi getauft. Es war eine ungewöhnliche Zeremonie, die da in den Katakomben des Camp Nou, des größten Fußballstadions Europas, stattfand. Yamal, erst ein paar Monate alt, steckt in einer blauen Plastikbadewanne, der Mann mit den längeren Haaren und dem weißen Langarmshirt hält ihn lächelnd, aber etwas unbeholfen ins Wasser. Der Mann ist Lionel Messi.

Der spanische Teenager Lamine Yamal ist der aufgehende Stern der Fußball-EM 2024.
REUTERS/Annegret Hilse

Messi ist kein Geistlicher per se, aber schon da war absehbar, dass der damals 20-Jährige den Weltfußball für einige Zeit bestimmen würde. Für viele ist er ein Heiliger. Dass ausgerechnet jener Wonneproppen, den er da in die blaue Badewanne für das Shooting eines Unicef-Kalenders hielt, fast 17 Jahre später als sein Nachfolger gehandelt wird, ist ein Zufall, der in seiner Zufälligkeit unglaublich ist. Vielleicht gibt es ihn doch, diesen vielzitierten Fußballgott.

Spätestens seit seinem Traumtor im EM-Halbfinale beim 2:1-Sieg gegen Frankreich kennt Yamal jeder, hat ihn jeder auf der Rechnung. Am Samstag, einen Tag vor dem großen Finale in Berlin, feiert das spanische Wunderkind vom FC Barcelona seinen 17. Geburtstag. In Worten: siebzehnten. Seither überschlagen sich die Schlagzeilen, die Lobpreisungen, die Huldigungen an einen Spieler, der noch kein mehrspuriges Kraftfahrzeug lenken darf. Bei Fußballern ist die Pubertät ein Scheideweg, da entscheidet sich, ob aus einem Talent einmal ein Star wird, ob er es irgendwann schafft. Yamal hat es schon geschafft.

Lamine Yamal Nasraoui Ebana wuchs mit seinen zwei Geschwistern in Rocafonda in einem einfachen Viertel der Stadt Mataró rund 30 Kilometer nordöstlich von Barcelona an der Mittelmeerküste auf. Vater Mounir Nasraoui, ein Marokkaner, arbeitete als Maler, seine äquatorialguineische Mutter Sheila Ebana war bei einer Fastfoodkette beschäftigt. Als Kind kickte der Linksfuß auf den Straßenplätzen seines Viertels. Sein Talent war früh erkennbar, mit sieben Jahren zog es ihn in die berühmte Akademie des FC Barcelona "La Masia". Dort kickte er fast immer mit Älteren, sein außergewöhnliches Talent machte das möglich.

Mataró blieb er dennoch treu, der Bub hob nicht ab: Beim Torjubel zeigt er manchmal 304 mit den Fingern, eine Andeutung auf 08304, die Postleitzahl seines Heimatorts. 2023 debütierte er als 15-Jähriger für die erste Mannschaft des FC Barcelona und im selben Jahr auch für Spaniens Nationalteam der Erwachsenen. Nationaltrainer Luis de la Fuente sagte einmal über ihn: "Er ist fast wie ein Geschenk Gottes." (Andreas Hagenauer, 10.7.2024)