Apple hätten Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes gedroht.
AP/Matthias Schrader

Auf Druck der Europäischen Union erlaubt Apple Konkurrenten künftig den Zugriff auf die Technologie zum kontaktlosen Bezahlen per Handy. Die Zugeständnisse des US-Konzerns räumten die kartellrechtlichen Bedenken aus, teilte die EU-Kommission am Donnerstag mit. Damit ist eine mögliche milliardenschwere Strafe gegen das Unternehmen vom Tisch.

Apple gewährt den Angaben zufolge Drittanbietern für zunächst zehn Jahre Zugang zum sogenannten NFC-Chip (Near Field Communication) des iPhones, der kontaktloses Bezahlen ermöglicht. Diese können dann direkt aus ihren jeweiligen Apps auf dieses Bauteil zugreifen. Zuvor hatte das Unternehmen die Beschränkungen stets mit Datenschutz- und Sicherheitsrisiken begründet. Die USA haben Apple unter anderem wegen der Geschäftspraktiken rund um Apple Pay verklagt.

Vorwurf: Machtmissbrauch

Die EU-Kommission hatte Bedenken geäußert, Apple könnte seine Marktmacht missbrauchen. "Apple kontrolliert jeden Aspekt seines Ökosystems, einschließlich der Zugangsbedingungen für Entwickler mobiler Wallets. Apple Pay ist die einzige mobile Geldbörse, die auf die NFC-Hardware und -Software ('NFC-Eingang') von iOS zugreifen kann, um Zahlungen in Geschäften vorzunehmen, da Apple sie Entwicklern von mobilen Geldbörsen nicht zur Verfügung stellt", heißt es in der offiziellen Mitteilung.

In ihrer Untersuchung kam die Kommission zu dem Schluss, dass Apple seine marktbeherrschende Stellung missbraucht hat, indem es sich weigerte, anderen Entwicklern von mobilen Wallets den NFC-Zugang zur Verfügung zu stellen. Dies wiederum habe dazu geführt, dass Apple Innovation unterbindet, und somit einen Verstoß gegen Artikel 102 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union dargestellt.

Vier Zugeständnisse

Apple hat nun mit vier Zugeständnissen eine Milliardenstrafe abgewendet. So muss der US-Konzern Drittanbietern kostenlosen Zugang zur NFC-Schnittstelle von iOS-Geräten ermöglichen, ohne dass sie Apple Pay oder Apple Wallet verwenden müssen. Apple wird den Zugang zu NFC im Host-Card-Emulation-Modus (HCE) ermöglichen.

Zweitens muss Apple diesen Zugang nach nachvollziehbaren Kriterien vergeben und diese auch transparent machen. Darüber hinaus muss es Apple iPhone-Nutzern möglichst einfach machen, eine andere Bezahllösung als Apple Pay zu verwenden, und diese muss auch ohne zusätzliche Hürden als Standard in iOS festgelegt werden können. Zu guter Letzt muss Apple eine Streitschlichtungsstelle einrichten, bei der Drittanbieter Einspruch einlegen können, wenn ihnen etwa der Zugang zur NFC-Schnittstelle verwehrt wurde.

Apple hat mit diesen Zugeständnissen eine Strafe von zehn Prozent des jährlichen Jahresumsatzes abgewendet. (Reuters, red, 11.7.2024)