Das Grazer Corps Vandalia, eine schlagende Studentenverbindung nationalistischer und völkischer Prägung innerhalb des Dachverbandes Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV), gerät nach seinem 130. Stiftungsfest in Bedrängnis. Wie der STANDARD berichtete, gab es wegen einiger angeblicher Vorfälle am Abschlussabend des dreitägigen Festes einen Beschwerdebrief aus Berlin an den langjährigen FPÖ-Mitarbeiter Ernst Brandl, der auch als Altherrenobmann des Corps Vandalia fungiert.
Darin wird vom Altherrenobmann des Corps Normannia kritisiert, dass einer der von der Normannia entsandten Gäste, ein junger aus Nordmazedonien stammender Corpsbruder, angeblich antisemitisch beschimpft worden sei. Er solle sich sein "dreckiges Judengeld in den Arsch stecken" und "Judenschwein" soll sich der Gast aus Berlin von einem Vandalen, der als Arzt in Deutschland praktiziert und Mitglied der AfD ist, haben anhören müssen. Der junge Mann wurde von dem älteren Vandalen und Bader (wie Ärzte bei Studentenverbindungen auch genannt werden) im Taxi von einem Heurigen in die Stadt gefahren und soll angeboten haben, die Rechnung zu begleichen. Auch das Lied L’amour toujours soll in der rassistischen "Ausländer raus!"-Version gesungen worden sein.
Sport mit Identitären
Besonders habe sich hier ein junger Österreicher hervorgetan, der auch in einem Sportverein mit Rechtsextremen, teils aus dem Umfeld der Identitären, trainiert. Es gilt die Unschuldsvermutung. Neben Brandl befinden sich gerade in der Vandalia Graz auffallend viele FPÖ-Mitglieder. Um nur die bekanntesten zu nennen: Ex-EU-Mandatar Andreas Mölzer, sein Sohn, der (wieder) für den Nationalrat kandidierende Wendelin Mölzer, der EU-Abgeordnete Georg Mayer, der Nationalratsabgeordnete Wolfgang Zanger und auch der Landeshauptmannvize von Oberösterreich, Manfred Haimbuchner. Die Genannten waren nicht direkt in die Vorfälle auf dem Stiftungsfest involviert.
Der STANDARD ließ allen Involvierten Anfragen zukommen, die Anwälte von Vandalia und dem beschuldigten Arzt dementierten die Vorfälle und drohten dem STANDARD mit rechtlichen Schritten. Der Düsseldorfer Anwalt des Arztes forderte den STANDARD sogar mit Ultimatum dazu auf, seine Quelle zu nennen, wozu es rechtlich keinerlei Veranlassung gibt und was einem Angriff auf die Pressefreiheit gleichkäme. Die Website des Corps nahm man vom Netz.
Das Corps Normannia in Berlin schweigt derweil weiter auf Anfrage des STANDARD. Innerhalb der Corps in Deutschland ist es aber seit Jahren ein offenes Geheimnis, dass die Verbindungen in Österreich auffallend oft zu den Problemfällen in Sachen Rechtsextremismus gehören.
"Körperliche Unversehrtheit"
Am Mittwochabend, nach der Veröffentlichung der Berichte über den Konflikt zwischen den beiden Corps im STANDARD und auf der Plattform Stoppt die Rechten, meldete sich der Arzt doch mit einer Stellungnahme beim STANDARD zurück. Anders als sein Anwalt stritt er die Entgleisungen in Graz darin zwar nicht ab und ging auch nicht auf die Nachfrage ein, warum er sein Band zurückgelegt habe. Dafür beschrieb sich der Arzt durch seine "Weltanschauung" als Unterstützer des "jüdischen Staates" und als "Menschen, der bereit ist, für Israel seine körperliche Unversehrtheit in Gefahr zu bringen", bot er doch bereits Israel "meine Dienste als Rettungsmediziner vor Ort an".
Auf dem Stiftungsfest sollen aber noch weitere einschlägige Sätze von Gästen, die selbst nicht der Vandalia angehören sollen, gefallen sein, die für Irritationen gesorgt haben sollen, wie der STANDARD am Donnerstag aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr. So soll ein Gast NS-bezogen verbal entgleist sein.
Wenig begeistert zeigt man sich im Dachverband der Corps im deutschen Bad Kösen, wo Verbindungen auch schon wegen geringerer Entgleisungen ausgeschlossen wurden. Auf Nachfrage des STANDARD schreibt ein Sprecher des KSCV am Donnerstag: "Corps sind weltoffen, tolerant und akademisch. Wir grenzen uns ab von Extremisten und verurteilen Vorfälle wie den von Ihnen geschilderten. Wir gehen davon aus, dass die Verbindung alles lückenlos aufklärt und gegebenenfalls Konsequenzen zieht." (Colette M. Schmidt, 22.8.2024)