Wien - Die Aktien des börsenotierten Software-Unternehmens Brain Force Holding AG sind nach einer Gewinnwarnung vom Wochenende drastisch eingebrochen. Nachdem die Aktie in den vergangenen Wochen schon deutlich nachgegeben hat, ist der Kurs am Montag (bis 16 Uhr) um über 21 Prozent auf 2,15 Euro und damit auf einen historischen Tiefststand gefallen. Zuvor haben die Analysten der HypoVereinsbank/UniCredit die Aktie von "Kaufen" auf "Verkaufen" herabgestuft und das Kursziel von 3,85 Euro auf 2,10 Euro gesenkt. In einem Monat hat die Aktie über ein Drittel an Wert verloren.

Die endgültigen Geschäftszahlen zum ersten Halbjahr veröffentlicht der Konzern erst am 27. August 2007. Schon am Sonntag sah sich das Management jedoch gezwungen, die Erwartungen für das Gesamtjahr drastisch zurückzunehmen. Statt einem bisher prognostizierten Betriebsgewinn (EBIT) von 6,4 Mio. Euro erwartet das Unternehmen jetzt einen Verlust vor Zinsen und Steuern von 9 bis 11 Mio. Euro. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch einen Betriebsgewinn von knapp fünf Mio. Euro erzielt. Seine Erwartungen für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) hat Brain Force von 11,5 auf vier bis fünf Mio. Euro mehr als halbiert, die Umsätze sollen nur noch auf 100 bis 105 statt ursprünglich angepeilt auf 116 Mio. Euro steigen.

Gestolpert ist Brain-Force vor allem über das Deutschland-Geschäft. Weil dort die Umsätze zuletzt deutlich hinter den Erwartungen geblieben sind, hat Brain Force Beteiligungen und aktivierte Eigenleistungen drastisch wertberichtigen müssen. Das Ergebnis sei dadurch im zweiten Quartal um rund zehn Mio. Euro belastet worden, erklärte das Unternehmen am Wochenende.

Rücknahme der Prognose

Die Analysten haben daraufhin am Montag die Reißleine gezogen. Die HVB-Experten erklärten, die vorab angekündigten Quartalszahlen seien das fünfte Mal in Folge unter der Prognose der Analysten gelegen. Man habe nach dem schwachen Jahresauftakt bereits mit einer Rücknahme der Gesamtjahres-Prognose gerechnet, man sei allerdings über das Ausmaß der Reduzierung überrascht. Die Wertberichtigungen in der Bilanz deuteten darauf hin, dass das Management keine nachhaltige Aufhellung der Lage in der nahen Zukunft erwarte. "Die jetzt vorgenommene Restrukturierung legt u.E. den Schluss nahe, dass die Performance der akquirierten Unternehmen in Summe nicht den Planungen entspricht. Vor diesem Hintergrund würden wir eine Konsolidierung des Konzerns begrüßen, bevor weitere Übernahmen durchgeführt werden", so die Analysten.

Auch die Wertpapierexperten der deutschen Investmentbank SES Research haben für die Brain Force-Aktie ihre Anlageempfehlung am Montag von "Kaufen" auf "Halten" gesenkt. Auch sie rechnen damit, dass das Unternehmen nach Vorlage der endgültigen Geschäftszahlen zum ersten Halbjahr Ende August ihre Prognosen noch einmal überarbeiten wird müssen. (APA)